Exklusiver Brainwave-Report: Digital Health VC-Funding rückläufig

by | Jan 26, 2024

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Brainwave veröffentlicht heute seinen vierteljährlichen Report zum Digital-Health VC-Funding. Demnach sind Investoren im vierten Quartal 2023 insgesamt zurückhaltender, suchen aber innerhalb Europas breiter nach interessanten Startups.

 

22 Finanzierungsrunden mit knapp über 40 Millionen US-Dollar – das ist laut Brainwave Digital Health VC-Funding Report die Bilanz für Deutschland im vierten Quartal 2023. Bei acht Finanzierungsrunden wurde keine Investitionssumme ausgewiesen – aber selbst wenn, wäre das Ergebnis immer noch deutlich hinter dem Vergleichsquartal des Vorjahres zurückgeblieben. Im Q4 2022 flossen nämlich knapp 100 Millionen US-Dollar an Venture Capital in verschiedene Digital Health Startups.

„Bereits im dritten Quartal 2023 haben unsere Auswertungen gezeigt, dass die Anzahl der Deals zwar stabil blieb, das Fundingvolumen jedoch deutlich sank. Diese Tendenz hat sich im ohnehin schwächeren letzten Quartal des Jahres noch einmal bestätigt“, analysiert Luisa Wasilewski, Geschäftsführerin der Brainwave Hub GmbH, die aktuellen Ergebnisse.

Deals im Q4 2022 größer

Diese Einschätzung bestätigt auch noch einmal ein detaillierter Blick auf die größten Deals im Q4 2023 im Vergleich zum Q4 2022. Spitzenreiter im vergangenen Jahr war Kranus Health mit seiner DiGA für die Urologie. 8,5 Millionen US-Dollar sammelte das Startup in einer Series-A-Extension-Runde ein, dicht gefolgt vom Anbieter für Praxissoftware Doctorly, die ebenfalls in einer Series-A-Erweiterung 7,15 Millionen US-Dollar einsammelten. 5,86 Millionen US-Dollar gingen ein Floy mit ihrer KI für die Radiologie. Hierbei handelte es sich um Seed-Kapital. Das Gesamtfinanzierungsvolumen in 2023 belief sich damit auf etwas über 350 Millionen US-Dollar, wobei bei insgesamt 32 Finanzierungsrunden keine Investitionssummen bekanntgegeben wurden.

Ein Blick auf die Finanzierungsrunden im vierten Quartal 2022 zeigt, dass die Tickets da deutlich größer waren. Für seinen Hausnotruf konnte Patronus beispielsweise ebenfalls in einer Serie A knapp 27 Millionen Euro einsammeln. Ähnlich gut lief es beim Spezialisten für Gesundheitsdaten Temedica. Dort brachte die Serie B rund 26 Millionen Euro ein. Der Pharmaspezialist für psychische Gesundheit HMNC Brain Health konnte 14,3 Millionen Euro Venture Capital einsammeln.

UK und Frankreich vor Deutschland

Wenn sowohl das Gesamtfinanzierungsvolumen als auch die einzelnen Ticket-Größen im vierten Quartal 2023 kleiner geworden sind, drängt sich die Frage auf, ob Investoren insgesamt zurückhaltender waren oder die Gelder schlicht anders allokiert wurden.

Ein Blick auf die Zahlen anderer europäischer Länder zeigt: beides. So gab es in Großbritannien beispielsweise 31 Deals mit einem Volumen von knapp 65 Millionen US-Dollar – mehr als in Deutschland, aber deutlich hinter den Zahlen des vierten Quartals 2022. Damals flossen 218 Millionen US-Dollar in Digital Health, was aber vor allem der großen Series-B-Runde von Upstream Health mit 140 Millionen US-Dollar geschuldet war. Auch in Großbritannien waren die einzelnen Tickets im Q4 2023 deutlich kleiner. Spitzenreiter Lottie – eine Plattform für Altenpflegeplätze – sammelte beispielsweise „nur“ 20,3 Millionen US-Dollar in einer Serie A ein. Insgesamt lag das Finanzierungsvolumen auf der Insel im vergangenen Jahr bei 792,78 Millionen US-Dollar.

Die Auswertung des Brainwave-Reports für Frankreich sieht hingegen ganz anders aus. Hier gab es 106 Millionen US-Dollar verteilt auf 19 Deals im vierten Quartal. Die größte Summe hat der Schlafforschungs-Spezialist BioSerenity (25,68 Millionen US-Dollar) eingesammelt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres (Q4 2022) gab es hingegen nur zwölf Deals mit insgesamt deutlich kleineren Tickets, sodass das Gesamtvolumen damals bei nur knapp 50 Millionen US-Dollar lag. Mit Blick auf das Gesamtfinanzierungsvolumen in 2023 von rund 400 Millionen US-Dollar lässt sich festhalten, dass das französische Digital-Health-Ökosystem auch bei den Investoren mittlerweile hoch im Kurs steht.

Spanien und Nordics überraschen

Weit vorn – und zwar vor deutlich vor Deutschland – landet zudem Spanien beim Blick auf das Finanzierungsvolumen im Q4 2023: Insgesamt elf Deals zogen 80,62 Millionen US-Dollar Venture Capital an. Wobei ein Blick auf die Top-3-Deals zeigt, dass der Großteil dieses Kapital nach Sevilla ging, genauer gesagt zu den Bioinformatikern von Universal Diagnostics. Dort konnte man in einer Series-B-Runde über 70 Millionen US-Dollar einsammeln. Zum Vergleich: Im vierten Quartal 2022 flossen lediglich rund 22 Millionen US-Dollar in spanische Digital Health Startups. Und auch mit Blick auf das Gesamtjahr 2023 lag das Finanzierungsvolumen nur knapp über 130 Millionen US-Dollar. Es war also das Q4 und hier der Deal von Universal Diagnostics, der die Spanier derzeit in Sachen Digital Health auf die Agenda bringt. Was das Investment in Universal Diagnostics außerdem zeigt: Die Grenzen zwischen Digital Health und BioTech/MedTech verschwimmen immer mehr. Vor allem ziehen Finanzierungsrunden an diesen Schnittstellen zunehmen größere Finanzierungsbeträge an. Die Zahlen des nächsten Reports werden zeigen, ob sich hier ein Trend entwickelt.

Interessant ist außerdem, dass die in Punkto Digitalisierung viel gelobten Nordics – Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen – bei der Mittelverteilung der VC-Geber nur eine untergeordnete Rolle spielen. Lediglich knapp neun Millionen US-Dollar verteilt auf sechs Deals finden sich im aktuellen Brainwave-Report, was aber immerhin eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist. In Q4 2022 waren es lediglich vier Deals mit knapp 6,5 Millionen US-Dollar. Insgesamt lag das Finanzierungsvolumen in 2023 der Nordics bei 210,73 Millionen US-Dollar.

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