Europäisches KI-Ökosystem: Anschluss schon verpasst?

by | May 29, 2024

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Der Europäische Rechnungshof bemängelt in einem Sonderbericht vor allem den mangelnden Ehrgeiz bei Investitionszielen, ohne die ein wettbewerbsfähiges europäisches KI-Ökosystem nicht möglich ist.

Sobald das Schlagwort Künstliche Intelligenz fällt, folgt in der Regel eine Tirade der Superlative. Von Revolution ist meist die Rede, einer besseren Medizin und oft wird auch schon von der Heilung schwerwiegender Erkrankungen wie Krebs geträumt. Ohne Frage hat die KI großes Potenzial, die Gesundheitsversorgung, wie wir sie heute kennen, grundlegend zu verändern. Allerdings ist es mit Potenzialen immer so eine Sache, denn sie wollen auch gehoben werden. Und genau da müsse die EU „einen Zahn zulegen“ attestiert nun der Europäische Rechnungshof in seinem Sonderbericht „Die Ambitionen der EU im Bereich der künstlichen Intelligenz.“ Hier seien mehr Governance sowie verstärkte, gezielter ausgerichtete Investitionen zukunftsentscheidend.

Die größte Herausforderung seien die geringen Risikokapitalinvestitionen im Vergleich zu den USA oder China, die wohl auch deshalb im Bereich KI führend sind. Schätzungen zufolge hat sich die Investitionslücke alleine zwischen den USA und Europa bei KI zwischen 2018 und 2020 mehr als verdoppelt. Die EU läge um über zehn Milliarden zurück, glauben die Experten am Europäischen Rechnungshof.

„Umfangreiche und zielgerichtete Investitionen in KI werden in den kommenden Jahren entscheidenden Einfluss auf das Wirtschaftswachstum in der EU haben”, sagt Mihails Kozlovs, das für die Prüfung zuständige Mitglied des Europäischen Rechnungshofs. „Im Wettrennen um KI besteht die Gefahr, dass der Gewinner am Ende alles bekommt. Um die ehrgeizigen EU-Ziele zu erreichen, müssen die Europäische Kommission und die EU-Länder ihre Kräfte wirksamer bündeln, schneller handeln und das Potenzial der EU besser nutzen. Nur dann kann diese große technologische Revolution erfolgreich gemeistert werden.”

KI-Ökosystem für Exzellenz

Bewertet werden in dem Bericht vor allem die 2018 und 2021 ins Leben gerufenen Initiativen zur Entwicklung eines sogenannten KI-Ökosystems für Exzellenz und Vertrauen, wodurch die EU zu einem Vorreiter für hochmoderne, ethische und sichere KI werden soll. Das erst kürzlich beschlossene KI-Gesetz war noch nicht Gegenstand der Prüfung des Rechnungshofs.

Die KI-Pläne der Kommission von 2018 und 2021 bewertet der Rechnungshof zwar als umfassend, moniert aber, dass auch mehr als fünf Jahre nach dem ersten Plan noch an dem Koordinierungs- und Regulierungsrahmen für gezielte Investitionen in KI gearbeitet wird. Es fehlen vor allem Steuerungsinstrumente und Informationen. Die Glaubwürdigkeit der EU-Pläne sei auch dadurch untergraben worden, dass die Kommission kein geeignetes System eingerichtet habe, um zu überwachen, welche Ergebnisse mit den KI-Investitionen erzielt werden, heißt es im Bericht.

Investitionsupdate erforderlich

Ferner seien die Investitionsziele der EU nicht konkret genug und zudem überholt, da sie seit 2018 unverändert geblieben seien. Dieser mangelnde Ehrgeiz bei den Investitionszielen stehe im Widerspruch zu dem Ziel, ein weltweit wettbewerbsfähiges KI-Ökosystem aufzubauen. Der Kommission sei es zwar im Allgemeinen gelungen, die aus dem EU-Haushalt finanzierten Ausgaben für KI-Forschungsprojekte zu erhöhen, die private Kofinanzierung habe jedoch nicht wesentlich gesteigert werden können. Auch müsse die Kommission besser dafür sorgen, dass die Ergebnisse von EU-finanzierten KI-Forschungsprojekten umfassend vermarktet, respektive genutzt werden.

Die Kommission habe Maßnahmen ergriffen, um die finanziellen und infrastrukturellen Voraussetzungen für die Entwicklung und Verbreitung von KI zu schaffen. Die EU-finanzierte Infrastruktur – wie Testeinrichtungen, Datenräume und eine Plattform für „KI auf Abruf” – sei jedoch nur langsam umgesetzt worden. Bislang hätten die KI-Pläne nur zu einer bescheidenen Kapitalunterstützung für innovative Unternehmen vonseiten der EU geführt – beispielsweise in Form von Beteiligungsfinanzierungen. Die jüngsten EU-Maßnahmen zur Schaffung eines Binnenmarkts für Daten befänden sich nach wie vor in der Anlaufphase, sodass sie die KI-Investitionen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fördern könnten.

Diese Einschätzung des Europäischen Rechnungshof deckt sich mit der Wahrnehmung internationaler Investoren. So hat beispielsweise Bellevue-Fondsmanager Stefan Blum im Podcast-Interview mit der HealthCareTimes betont, dass es in Europa zwar nicht an KI-Innovationskraft mangele, die Monetarisierung jedoch anderswo, nämlich überwiegend in den USA, stattfindet. Entsprechend ist er mit seien Bellevue AI Health mit 70 Prozent des Fondsvolumens auch jenseits des Atlantiks investiert.

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