EU-Forschungsprojekt unter Charité-Leitung gestartet

by | Jan 17, 2024

Per Telemedizin will das Team des EU-Projekts EPIC die Palliativversorgung auf Intensivstationen verbessern © Charité | Robert Gülland

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Können telemedizinische Konsultationen die Palliativversorgung auf Intensivstationen verbessern? Dieser Frage geht ein internationales Forschungskonsortium unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin ab sofort nach.

 

Die Abkürzung EPIC steht für „Enhancing palliative care in ICU“ und ist ein von der EU-Kommission für fünf Jahre mit rund 6,3 Millionen Euro gefördertes Forschungsprojekt. Unter der Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin soll untersucht werden, inwieweit Telemedizin die Palliativversorgung auf Intensivstationen verbessern kann. Denn nicht jede Klinik verfügt über eine spezialisierte palliativmedizinische Expertise. Gleichzeitig soll im Rahmen von EPIC untersucht werden, wie gut die telemedizinisch unterstützte palliativmedizinische Versorgung von Patienten und Angehörigen wahrgenommen und angenommen wird. An dem Projekt sind sieben klinische Zentren für Palliativmedizin und 23 multidisziplinäre Intensivstationen in fünf europäischen Ländern beteiligt.

Die Idee hinter dem Projekt ist einfach erklärt: Bei komplexen Krankheitsbildern und Symptomen kann sich das intensivmedizinische Personal von einem spezialisierten Palliativmediziner beraten lassen. „Ein systematischer Einsatz von Telemedizin, mit der Experten virtuell und somit schnell und ortsunabhängig hinzugezogen werden können, könnte die Palliativversorgung auf Intensivstationen noch deutlich verbessern“, glaubt Prof. Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Charité, die auch das Forschungsprojekt leitet.

Und genau das gilt es in den kommenden fünf Jahre zu beweisen. Denn Studien zeigen, dass eine möglichst frühe palliativmedizinische Mitbehandlung die Zeit verkürzt, die Kranke auf der Intensivstation verbringen, die Sterblichkeit dabei aber unbeeinflusst bleibt. Mit EPIC verfolgen die Forschenden daher auch das Ziel, die Liegedauer auf Intensivstationen zu verkürzen – was gesundheitsökonomische Vorteile hat, insbesondere aber für die Betroffenen von unschätzbarem Wert ist.

„Mit EPIC bringen wir Kliniker und Forschende aus den Bereichen Palliativ- und Intensivversorgung, Sozialwissenschaften, Pflegewissenschaften, Ethik und Gesundheitsökonomie zusammen und wollen ein harmonisiertes Praxismodell für die Palliativversorgung auf Intensivstationen umsetzen – und zwar europaweit“, sagt Spies. „Wir hoffen, dass aus unserem Projekt Handlungsempfehlungen hervorgehen werden, die wir Fachgesellschaften zur Verfügung stellen können, und die in die Aus-, Fort- und Weiterbildung des multiprofessionellen intensivmedizinischen Nachwuchses einfließen können.“

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