EU-Drogenbericht 2024: Cannabiskonsum nimmt zu

by | Jun 12, 2024

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Der Drogenkonsum in der EU ist nach wie vor hoch. Vor allem Cannabis und Kokain sind beliebt, aber auch der Mehrfachkonsum verschiedener Drogen sorgt für eine hohe Belastung der Gesundheitssysteme, zeigt der EU-Drogenbericht 2024.

Sie sind nach wie vor leicht verfügbar und haben einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit innerhalb der Europäischen Union: illegale Substanzen. Das geht aus dem Jahresbericht 2024 der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) hervor.

Eine der Kernaussagen des diesjährigen Berichts: Der Mehrfachkonsum von Drogen unter den Konsumenten psychoaktiver Substanzen ist weit verbreitet, was das Risiko ernsthafter gesundheitlicher Probleme deutlich erhöhen kann. Auch die Herausforderungen in diesem Bereich scheinen zu wachsen, attestieren die EU-Drogenexperten. Dies sei zum einen auf die zunehmende Marktintegration etablierter illegaler Drogen und neuer psychoaktiver Substanzen und zum anderen auf die breitere Verfügbarkeit und den Konsum synthetischer Substanzen zurückzuführen. Besorgniserregend seien in diesem Bereich Cannabisprodukte, die mit synthetischen Cannabinoiden verfälscht sind, Produkte, die als MDMA verkauft werden, aber manchmal synthetische Cathinone als Verfälschungsmittel enthalten, sowie das Auftreten hochpotenter synthetischer Opioide, die mit anderen Substanzen vermischt oder fälschlicherweise als solche verkauft werden.

Wer konsumiert was und in welcher Kombination?

Weiter heißt es im Bericht, dass eben dieser Mehrfachkonsum die Drogenüberwachung erschwert, weil es immer schwieriger wird, zu verstehen, welche Drogen tatsächlich konsumiert werden und in welcher Kombination. Daher wird sich die Arbeit der Europäischen Drogenagentur EUDA künftig darauf konzentrieren, die Muster des polyvalenten Drogenkonsums besser zu überwachen, um auch besser zu verstehen, wie eine wirksame Intervention in diesem Bereich aussehen kann.

Darüber hinaus wird die EUDA weiterhin in die Entwicklung neuer Datenquellen investieren, die ein detaillierteres Bild der Drogenkonsummuster liefern können, wie etwa Daten aus Drogentestdiensten oder Studien zur Spritzenüberwachung. Beispielsweise werden in gebrauchten Spritzen, die in Spritzenaustauschstellen gesammelt werden, häufig mehrere Substanzen nachgewiesen, darunter auch Stimulanzien und Opioide, was darauf hindeutet, dass diese Drogenklassen in europäischen Städten häufig gemeinsam konsumiert werden.

Drogenbedingte HIV-Neuinfektion wieder leicht gestiegen

Mehr als die Hälfte der Länder, die Daten für den Report gemeldet haben, verzeichneten zudem einen Anstieg der HIV-Neuinfektionen im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021. Demnach stiegen die Neuinfektionen im Zusammenhang mit einem injizierenden Drogenkonsum innerhalb der EU auf 968 im Vergleich zu 662 in 2021. Dieser Anstieg könnte zum Teil darauf zurückzuführen sein, dass nach der Aufhebung der Covid-19-bedingten Beschränkungen und der Rückkehr der Gesundheitsdienste wieder mehr HIV-Tests durchgeführt wurden. Und auch wenn die EU im Vergleich zu vielen anderen Regionen der Welt gut abschneidet, bleibt der Rückgang der HIV-Meldungen seit 2010 um 38 Prozent deutlich hinter dem Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 75 Prozent zurück, was darauf hindeute, dass mehr getan werden müsse, um die drogenbedingte HIV-Übertragung in Europa zu unterbinden, heißt es im Drogenreport.

Häufigste Droge: Cannabis

Auch in der EU ist Cannabis mit Abstand die am weitesten verbreitete Droge noch vor Kokain. Nationale Erhebungen würden darauf hindeuten, dass etwa acht Prozent der Erwachsenen in Europa (22,8 Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 64) alleine im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert haben, rechnen die EU-Drogenexperten vor. Hier mache es die Vielfalt der erhältlichen Cannabisprodukt – legal wie illegal – mittlerweile deutlich schwerer, den Überblick zu behalten. Auf dem illegalen Drogenmarkt sei die Verfügbarkeit von hochpotenten Extrakten und Esswaren besonders besorgniserregend und würde mit akuten Vergiftungserscheinungen in Notaufnahmen von Krankenhäusern in Verbindung gebracht. Darüber hinaus bestehe die Sorge, dass einige Produkte, die auf dem illegalen Markt als Cannabis verkauft werden, mit potenten synthetischen Cannabinoiden gepanscht sein könnten.

Einige halbsynthetische Cannabinoide seien in letzter Zeit auch auf dem kommerziellen Markt in Teilen Europas aufgetaucht. Das wahrscheinlich am häufigsten anzutreffende halbsynthetische Cannabinoid ist Hexahydrocannabinol (HHC), aber auch Hexahydrocannabiphorol (HHC-P) und Tetrahydrocannabiphorol (THCP) sind seit kurzem in einigen EU-Mitgliedstaaten kommerziell erhältlich, attestiert der Report. Diese Substanzen werden als angeblich „legale“ Alternativen zu Cannabis verkauft, was die regulatorischen Herausforderungen in diesem Bereich noch verschärft. Obwohl das Wissen über die Auswirkungen von HHC beim Menschen begrenzt ist, wurden im Zuge von Studien Bedenken geäußert, einschließlich einiger Berichte über Verbindungen zu Psychosen. Es gibt auch Berichte über Vergiftungen bei Kindern, die durch den Verzehr von HHC-haltigen Esswaren verursacht wurden.

Bessere Koordination

Insgesamt wünscht sich die EU-Drogenbeobachtungsstelle eine bessere internationale Koordination und Lagebewertung, die von allen Mitgliedstaaten unterstützt wird. Denn nur so können grenzüberschreitende kriminelle Aktivitäten unterbunden werden. Dieses Ziel können insbesondere durch die Europäische Hafenallianz umgesetzt werden, die von der Kommission im Januar ins Leben gerufen wurde.

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Der Interventionsstudie ist eine intensive erste Projektphase vorangegangen, für die am IGZ in den vergangenen 30 Jahre eine umfassende Analytikplattform für sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Abbauprodukte entwickelt wurde. Im Fall des Gemüsekohls geht es um die sogenannten Glucosinolate, die beim Verzehr enzymatisch zu gesundheitsfördernden Abbauprodukten, den Isothiocyanaten, umgewandelt werden können. Diese Substanzen haben entzündungshemmende, antikanzerogene und antimikrobielle Eigenschaften. Bisher wurden mehr als 100 verschiedene Glucosinolate in Pflanzen identifiziert, wobei die Wirksamkeit ihrer Abbauprodukte stark variieren kann.
Über 300 Kohlsorten kultiviert
Im Rahmen des Projekts SharpGreens kultivierte das Team von Projektleiterin Dr. Katja Witzel im letzten Jahr 300 Genbank- und 17 kommerzielle Kohlsorten am IGZ und analysierte die Glucosinolat-Gehalte und Abbauprodukte. Dabei wurden 24 Kohlsorten mit verbesserten Glucosinolat-Gehalten und gewünschten -Abbauprofilen identifiziert. Diese stammen aus verschiedenen Regionen, darunter Kohlrabi aus der ehemaligen DDR, Blumenkohl-Sorten aus Italien, Weißkohl aus Japan und Spanien, Grünkohl aus Schweden und bulgarischer Rotkohl. Zur weiteren Aufklärung des enzymatischen Glucosinolat-Abbaus wurde das Proteom aller Kohlsorten am IGZ analysiert und ergänzend dazu eine genomweite Assoziationsstudie vom Projektpartner Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) durchgeführt.
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Bewusstsein für Vielfalt fördern
Die Forschungsergebnisse sollen anschließend über verschiedene Formate wie Kochevents, Feldführungen und Ausstellungen an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Ziel ist es, das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschafft sowie eine vielfältige pflanzenbasierte Ernährung zu fördern. Unterstützt werden die Forscher dabei von proWissen Potsdam e.V. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert SharpGreens im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) und der Richtlinie zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit (BiodivGesundheit2) mit 1,1 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren.

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