Seit 2013 entwickelt das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung einen Impfstoff gegen MERS-Coronaviren. Eine am Uniklinikum Eppendorf durchgeführte Phase-Ib-Studie gibt nun erste positive Signale.
Es ist eine schwere Atemwegserkrankung mit hoher Sterblichkeitsrate, die das MERS-Coronavirus (Middle East Respiratory Syndrom) verursacht. Seit 2013 entwickeln Wissenschaftler des Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) einen Impfstoff, für den sich nun ein Durchbruch abzeichnet. Der Impfstoffkandidat MVA-MERS-S wurden in einer Phase-Ib-Studie an gesunden Personen untersucht, die zuvor mit dem verwandten Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert waren. Die Studie unter Leitung von Prof. Marylyn Addo am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat gezeigt, dass der Impfstoff sicher und wirksam ist. Weitere Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs bei Risikogruppen für schwere MERS-CoV-Erkrankungen, einschließlich älterer Menschen und Personen mit relevanten Begleiterkrankungen, werden folgen.
MERS-Coronaviren werden von Dromedaren auf Menschen übertagen und können dann auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Der Erreger verursacht schwere Atemwegserkrankungen, die in bis zu 36 Prozent der Fälle tödlich verlaufen. Das MERS-Coronavirus ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besonders gefährlich für die öffentliche Gesundheit eingestuft worden. Bis heute wurden mehr als 2.600 MERS-Fälle in 27 Ländern weltweit bestätigt, wobei der Schwerpunkt der Infektionen in Saudi-Arabien liegt. Bislang gibt es weder einen wirksamen Impfstoff noch ein spezifisch wirkendes Medikament.
Wirksamkeit bestätigt
Der Impfstoffkandidat MVA-MERS-S basiert auf einem abgeschwächten Virus – dem sogenannten „Modified Vaccinia Ankara Virus“ (MVA) – das mit Proteinkomponenten des MERS-Virus ergänzt wurde. Die Ergebnisse der Studie, die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet Infectious Diseases veröffentlicht wurden, zeigen, dass der Impfstoff wirksam und sicher ist, und zwar auch bei Personen mit früherer oder gleichzeitiger Infektion mit dem Covid-19-Erregervirus SARS-CoV-2. In der plazebokontrollierten und randomisierten Doppelblindstudie wurden zwei Impfstoffdosen und zwei unterschiedliche Impfabstände untersucht. Bei den 140 Probanden traten vereinzelte lokale Reaktionen wie leichte Schmerzen an der Injektionsstelle auf, aber keine schwerwiegenden impfstoffbedingten Nebenwirkungen.
„Jetzt sind weitere Studien erforderlich, unter anderem um diese Ergebnisse bei Risikogruppen für schwere MERS-CoV-Erkrankungen, einschließlich älterer Menschen und Personen mit relevanten Begleiterkrankungen, zu überprüfen“, sagt Letztautorin Prof. Addo, Direktorin des Instituts für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung des UKE und Koordinatorin des DZIF-Forschungsbereichs „Neu auftretende Infektionskrankheiten“. Die Phase-Ib-Studie wurde auch von der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) unterstützt, einer globalen Partnerschaft, der auch das DZIF angehört und die die Entwicklung von Impfstoffen und anderen biologischen Gegenmaßnahmen gegen epidemische und pandemische Bedrohungen vorantreibt.



