Ergotherapie startet mit Blankoverordnung

by | Feb 16, 2024

Anhoren

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Nach jahrelangen Verhandlungen können Therapeuten nun flexibler über die konkreten Heilmittel entscheiden.

 

Ergotherapeuten sind zum 1. April 2024 die ersten, die frei über ergänzende Heilmittel verfügen dürfen. Denn dann tritt der erste Vertrag zur Blankoverordnung in Kraft. Laut GKV-Spitzenverband wird damit „ein Stück Heilmittelgeschichte“ geschrieben.

Blankoverordnung heißt in dem Zusammenhang: Ärzte stellen zwar nach wie vor eine Diagnose, verordnen aber eben kein konkretes Heilmittel. Darüber entscheiden die Therapeuten genauso wie über Anzahl und Frequenz der Therapie. Ziel ist es, diese damit flexibler und individueller gestalten zu können.

Einigung nach Jahren

Bereits seit 2021 verhandeln die Heilmittelverbände über die fachlichen und wirtschaftlichen Aspekte im Rahmen der Umsetzung der Blankoverordnung. Streitpunkt zwischen den therapeutischen Verbänden und dem GKV-Spitzenverband waren dabei vor allem die Kriterien einer wirtschaftlichen Leistungserbringung.

Dass hier eine nun eine Einigung gefunden wurde, freut auch Stefanie Stoff-Ahnis, Vorständin des GKV-Spitzenverbands. Gleichzeitig mahnt sie mahnt allerdings an, dass die neue Versorgungsform für die Therapeuten eine größere Verantwortung bedeutet, und zwar nicht nur hinsichtlich der Durchführung der therapeutischen Maßnahmen, sondern auch, was die damit verbundene Mengen- und Ausgabenentwicklung angeht. „Wir erwarten, dass die Therapeutinnen und Therapeuten dieser Verantwortung gerecht werden.“

Bedarfsgerechtes Ampelsystem mit flexiblen Zeitintervallen

In der Ergotherapie startet die Blankoverordnung in den Diagnosegruppen PS 3 (wahnhafte und affektive Störungen), PS4 (demenzielle Syndrome) und SB1 (Erkrankungen der Wirbelsäule, Gelenke und Extremitäten). Diese Gruppen umfassen rund 20 Prozent der Versorgung in der Ergotherapie. Die Vertragspartner haben sich unter anderem auf ein bedarfsgerechtes Ampelsystem mit flexiblen Zeitintervallen à 15 Minuten einigen können. Danach können Therapeuten die in der grünen, gelben und roten Phase vereinbarten Mengen individuell abgeben. Um eine unwirtschaftliche Mengenausweitung zu vermeiden, wurde in der roten Phase ein Vergütungsabschlag vereinbart.

Durch die Entscheidung der Schiedsstelle werden die einzelnen ergotherapeutischen Maßnahmen bei dieser neuen Versorgungsform genauso vergütet wie in der Regelversorgung. Für den besonderen Aufwand gibt es jedoch eine neue versorgungsbezogene Pauschale je Blankoverordnung.

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