ePA: Gesundheitsministerium unter Zugzwang

von | Feb. 19, 2026

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Ein Jahr ePA und eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen zeigt: Bekannt ist die ePA zwar, aktiv genutzt wird sie hingegen selten.

 

Das Positive vorab: 94 Prozent der Versicherten kennen die elektronische Patientenakte, kurz ePA. Das zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverband, die nun anlässlich des einjährigen Jubiläums der ePA veröffentlicht wurde. Gut so, soll die ePA doch so eine Art „Schlüssel“ für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens sein. Doch nur, weil die Bekanntheit groß ist, muss die Akzeptanz oder gar die Nutzung nicht ebenso hoch sein, zeigt die Befragung weiter. Denn ein Großteil der Versicherten (71 Prozent) nutzen die eigene Akte nicht aktiv – und das verwundert nicht. Alleine die Einrichtung der ePA vor rund einem Jahr hat gezeigt: Die ePA abzulehnen war mit ein paar weniger Klicks so viel leichter, als sie zu aktivieren und sich damit in einen verhältnismäßig komplizierten Authentifizierungds-Prozess zu stürzen. Und genau das unterstreichen nun auch die Rückmeldungen, die den Verbraucherzentralen vorliegen: Die Freischaltung ist zu kompliziert, es fehlen wichtige Funktionen und auch Informationen. Kurz: Die Hürden im Umgang mit der ePA sind schlicht zu hoch.

Daher lautet der Appel des Bundesverbands der Verbraucherzentralen klar: Die ePA muss dringend weiterentwickelt werden und zwar so, dass sie die Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellt. „Die elektronische Patientenakte ist noch nicht im Alltag der Menschen angekommen. Das ist wenig überraschend, denn zentrale Funktionen, wie digitale Impf- oder Bonushefte, fehlen weiterhin. Bislang bleibt die ePA hinter den Erwartungen zurück“, attestiert Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Kein persönlicher Nutzen

Dabei wäre es ganz einfach. Die Industrie zeigt uns täglich, was es braucht, damit neue Lösungen und Technologien auch wirklich flächendeckend zum Einsatz kommen. Beispiel KI: Lange Zeit war sie eine kaum verstandene, ja, vielleicht sogar gefürchtete Technologie –bis OpenAI es mit ChatGPT geschafft hat, KI alltagstauglich werden zu lassen. Und zwar, in dem die Nutzung plötzlich genauso einfach war, wie googlen und der vermeintliche Mehrwert die Google-Ergebnisse gleichzeitig übertraf. Das ist weder der Politik noch den Krankenkassen bei der Einführung der ePA gelungen. Im Gegenteil, wie die Befragungsergebnisse nun zeigen. 75 Prozent der Versicherten haben sich noch gar nicht mit der ePA auseinandergesetzt. Jeder Dritte sieht keinen persönlichen Nutzen in der ePA und auch Bedenken und Sorgen rund um Datenschutz und -Sicherheit sind für jeweils 13 Prozent der Befragten nach wie vor nicht ausgeräumt.

Die Befragung zeige, dass Verbraucherinnen und Verbraucher (68 Prozent) sich bei der ePA insbesondere genaue Steuerungsmöglichkeiten wünschen, wer welche Daten sehen darf, heißt es von der Verbraucherzentrale. Ebenfalls wünschen sich Verbraucherinnen und Verbraucher digitale Untersuchungshefte (66 Prozent) sowie Hinweise auf Wechselwirkungen von Medikamenten (64 Prozent) und auf fehlende Impfungen (64 Prozent).

Einfacher, praktikabler, niedrigschwelliger

Und obwohl 94 Prozent der Befragten bereits von der ePA gehört haben, besteht weiterhin erheblicher Aufklärungsbedarf. Das gilt insbesondere in Bezug auf die Ausleitung von Forschungsdaten, die ab Ende des Jahres 2026 in pseudonymisierter Form umgesetzt werden soll. Nur ein Viertel der Befragten (25 Prozent) weiß, dass Daten aus ihrer ePA künftig auch für Forschungszwecke verwendet werden können. „Die Krankenkassen und das Gesundheitsministerium müssen die Versicherten verständlich und umfassend zur ePA informieren. Das kam bislang zu kurz“, findet Pop. Nur etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Versicherten gab an, dass sie von ihrer Krankenkasse etwas über die ePA gehört haben – über ein persönliches Schreiben oder über öffentliche Informationen.

Dabei soll laut Bundesgesundheitsministerium die ePA zu einem zentralen Element der modernen Versorgung weiterentwickelt werden. Das zumindest kündigte Gesundheitsministerin Nina Warken Anfang Februar in einem Statement zur Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie an. Die ePA sei für Versicherte der „einfachste Einstieg in das Gesundheitssystem“, sagte sie. Bisher bringe sie vor allem für Versicherte mit Krankheitsgeschichte einen Mehrwert, trage den rasanten Entwicklungen, insbesondere in der KI noch nicht Rechnung. „All diese Möglichkeiten müssen wir zum Nutzen aller viel stärker nutzen – als Unterstützung, denn am Ende wird immer ein Mensch die medizinischen Entscheidungen treffen“, führt Warken weiter aus. Dass hier noch eine „Realitätslücke“ besteht, zeigt nun die aktuelle Befragung. BGM und Kassen sind demnach unter Zugzwang.

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