Eli Lilly startet Direktvertrieb für Abnehmspritze

by | Jan 18, 2024

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Über eine eigens eingerichtete Plattform will der US-Pharmakonzern übergewichtigen Amerikanern mit seiner Abnehmspritze helfen – höhere Absatzzahlen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, betont CEO David Ricks.

 

Verschreibungspflichtige Medikamente direkt an Patienten verkaufen? In Deutschland undenkbar. In den USA hat der Pharmakonzern Eli Lilly einen Weg gefunden. Über die Anfang des Jahres gestartete Webseite Lilly Direct können Patienten nun entweder einen Arzt in ihrer Nähe oder per Telemedizin finden, der dann nach einer Beurteilung die entsprechenden Medikamente verschreiben kann – darunter vor allem die Abnehmspritze aus dem Hause Eli Lilly. Der Versand erfolgt anschließend direkt vom Pharmakonzern an die Patienten.

Zum Hintergrund: In den USA ist die sogenannten Abnehmspritze ein Hit und der Wirkstoff Semaglutid wird als neues Wundermittel im Kampf gegen Fettleibigkeit gefeiert. Denn der ursprünglich für Diabetes Typ II entwickelte Wirkstoff hat sich als wahrer Appetitzügler erwiesen und wird nun entsprechend gehypt.

Dass vor allem die Amerikaner auf die Abnehmspritzen setzen, obwohl sie die Monatsdosis mit rund 1.000 US-Dollar in der Regel selbst zahlen müssen, liegt an der hohen Anzahl übergewichtiger Menschen im Land. In den letzten zwei Jahrzehnten sind die Adipositasraten in allen Bevölkerungsgruppen gestiegen, wobei bestimmte farbige Bevölkerungsgruppen die höchsten Raten aufweisen. Das sei häufig auf strukturelle Hindernisse für eine gesunde Ernährung und einen Mangel an Möglichkeiten und Orten für körperliche Betätigung zurückzuführen, sagt der Trust for America’s Health in seinem 20. Report im vergangenen Jahr. Demnach sind landesweit 41,9 Prozent der Erwachsenen fettleibig. Schwarze und lateinamerikanische Erwachsene haben mit 49,9 Prozent, respektive 45,6 Prozent die höchsten Adipositasraten. Und Fettleibigkeit nimmt auch bei Kindern und Jugendlichen zu: Fast 20 Prozent der amerikanischen Kinder im Alter von 2 bis 19 Jahren sind adipös, zeigen Daten der National Health and Nutrition Examination Survey.

Und genau diesen übergewichtigen Menschen wolle man nun helfen, betont Eli Lilly CEO David Ricks im Interview mit dem US-Sender NBC News. Bei Lilly Direct stünde der Abnehmerfolg der Patienten und nicht das Geschäft im Vordergrund. Der vereinfachte Zugang zu Ärzten, die die Abnehmspritze verschreiben können, böte Patienten lediglich mehr Möglichkeiten, ihren persönlichen Zielen näher zu kommen. Ricks betonte gleichzeitig die finanzielle Unabhängigkeit der Ärzte auf der Plattform, es gebe keine finanziellen Beziehungen zu den Ärzten oder den Betreibern der Telehealth-Plattformen.

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