Es soll der Vorläufer für ein virtuelles Krankenhaus im Saarland sein: Zwölf Kliniken führen Ende 2025 das Patientenportal von Planfox ein. Das Projekt zeigt aber auch, wie viel „Gesprächsbedarf“ in puncto Digitalisierung noch herrscht.
Es ist zunächst einmal eine gute Nachricht – vor allem eine, die die Versorgung regional denkt: Unter Federführung der Saarländischen Krankenhausgesellschaft e.V. (SKG) haben sich zwölf Krankenhäuser im Bundesland zusammengeschlossen und wollen bis Ende 2025 gemeinsam das Patientenportal von Planfox einführen. Das ist insbesondere für die beteiligten Häuser ein großer Vorteil, denn nur ein Konzept, eine Ausschreibung und ein Projektmanagement machen die Einführung zunächst einmal effizienter. So argumentiert man auch bei der SKG. Durch den Zusammenschluss könne „das Patientenportal und die dafür notwendige digitale Infrastruktur in einer Dimension angegangen werden, die bei der Umsetzung von Einzelprojekten der Krankenhausträger in dieser Qualität kaum möglich gewesen wäre.“
Interoperabler Datenaustausch
Langfristiges Ziel ist es, im Saarland ein virtuelles Krankenhaus aufzubauen, für das die gemeinsam betriebene, interoperable Plattform nun die Grundlage bietet. Denn mit dem gemeinsamen Patientenportal wird es nicht nur für die Patienten deutlich bequemer, vor, nach und vor allem auch während ihres Aufenthalts mit den jeweiligen Kliniken in den Austausch zu treten. Auch die Kliniken können beispielsweise im Fall einer Verlegung mit dem Einverständnis der Patienten Behandlungsunterlagen untereinander teilen. Und gerade in einem Bundesland wie dem Saarland, sind die Chancen hoch, dass man als Patient mit mehr als einer Klinik in Kontakt kommt. Im weiteren Projektverlauf sollen Patienten ihre medizinischen Daten dann aber auch direkt mit weiterbehandelnden Ärzten austauschen können.
Was für ein solches, häuserübergreifendes Projekt nur logisch ist und perspektivisch idealerweise auch über Sektorengrenzen hinweg funktioniert, war den Datenschützern im Saarland jedoch ein Dorn im Auge. In puncto Datenspeicherung musste im Ausschreibungsverlauf tatsächlich noch einmal nachgebessert werden. Anstatt wie ursprünglich geplant, die Daten der teilnehmenden Häuser nur logisch voneinander zu trennen, forderte der Landesdatenschutz im Saarland eine physische Datentrennung. Heißt konkret, dass mitten im Ausschreibungsverfahren die potenziellen neuen Patientenportal-Anbieter ihre Konzepte noch einmal nachbessern mussten.
Physische Datentrennung nicht zukunftsfähig
Der Fall zeigt, dass aufgrund der Verantwortlichkeit für den Datenschutz auf Länderebene eine gewisse Willkür zu Tage treten kann. Denn warum es im Fall des Patientenportals im Saarland eine physische Trennung sein musste und die logische Datentrennung nicht ausreichend gewesen wäre, ist nicht ganz nachzuvollziehen. Denn auch bei der logischen Trennung hätten lediglich die Häuser Zugriff auf die personalisierten Daten, bei denen der jeweilige Patient oder die jeweilige Patientin stationär aufgenommen ist. Allerdings gebe es die Möglichkeit, anonymisiert Daten auszutauschen, um beispielsweise die Auslastung der Häuser oder die Anzahl bestimmten Behandlungen saarlandweit zu analysieren. Kurz: Jenen Mehrwert zu nutzen, der den Aufwand, Daten zu standardisieren und interoperable Plattformen zu etablieren, überhaupt erst rechtfertigen. Dass das in Deutschland grundsätzlich auch länderübergreifend möglich ist, zeigt das Beispiel NeuroTransData.
Für Planfox waren die Umsetzungen der physischen Datentrennung hingegen kein Problem, wie die dortige Vertriebsverantwortliche Nurgül Abdullahi bestätigt: „Wir entwickeln und betreiben seit zwölf Jahren Plattformen. Deshalb waren die neuen Anforderungen und die damit verbundenen Anpassungen am Konzept für uns tatsächlich leicht umzusetzen.” Die E-Health-Expertin betont, dass man als IT-Dienstleister im Gesundheitswesen heute noch sehr flexibel bleiben muss. Vieles hänge von den handelnden Personen ab und auch gegenüber der Cloud herrsche in Teilen noch immer Skepsis, weshalb es nach wie vor On-Premise-Ausschreibungen gebe.
Die Perspektive des Patienten zählt
Bei Planfox ist man auch deshalb entspannt, weil man bei den Entwicklungen immer die Perspektive des Patienten einnimmt, erklärt Abdullahi: „Es heißt ja Patientenportal, nicht Krankenhausportal.“ Und für die Patienten sei es am Ende nicht relevant, ob die Daten in einer Cloud lägen und dort logisch oder aber ob sie auf verschiedenen Servern physisch getrennt seien – solange sich die Patienten mit einem Passwort in das Patientenportal einloggen und die Daten freischalten könnten, egal ob sie im Klinikum A oder ein paar Kilometer weiter im Klinikum B behandelt werden.
Und das funktioniere im Fall Saarland, bestätigt Abdullahi. Bei solchen spezifischen Umsetzungen würden sich auch die Anbieter stark unterscheiden: „Wir sind sehr erfolgreich mit exzellenten Softwarelösungen und genau dieses Know-how bringen wir in das Gesundheitswesen ein.“
Horizonte erweitern
Im Projektverlauf oder auch in einigen Jahren die Architektur noch einmal zu verändern, sei ebenfalls möglich, unterstreicht Abdullahi – vielleicht mit dem Wissen im Hinterkopf, dass sich auch das Gesundheitswesen langsam für neue Möglichkeiten öffnet. Denn idealerweise wird die regionale Zusammenarbeit über das Patientenportal sowohl für die Häuser als auch für die Patienten einen deutlichen Mehrwert bieten, dafür müsste man jedoch irgendwann zurück zur logischen Datentrennung kommen.
Bei der SKG ist man in jedem Fall begeistert von den Möglichkeiten, die das gemeinsame Patientenportal mit Interoperabilitätsplattform nun eröffnet. „Es ist großartig zu erleben, wie viele begeisterte Menschen sich einsetzen, um unser Gesundheitswesen neu zu denken und zu verbessern,“ freut sich der dortige Geschäftsführer Dr. Thomas Jakobs.
Bei Planfox macht man sich nun gemeinsam mit den Partnern Vitagroup und Vamed an die Arbeit, in den nächsten Monaten mit der Implementierung in einzelnen Pilotkliniken zu beginnen. Der große „Go-live“ in allen Kliniken soll dann wie gesagt spätestens Ende 2025 erfolgen.



