Eignungstest für angehende Ärzte

von | Aug. 22, 2024

Anhoren

Teilen

 

Am Universitätsklinikum Heidelberg wurde ein Eignungstest entwickelt, dass wissenschaftlich fundiert bei der Auswahl künftiger Mediziner helfen soll.

 

Interaktionelle Kompetenzen Medizin, kurz IKM, heißt der Eignungstest für angehende Mediziner, der nun am Universitätsklinikum Heidelberg entwickelt wurde. Ziel ist es, wissenschaftlich fundiert die sozial-kommunikative Eignung für den Arztberuf zu bewerten, um Studienplätze an Personen zu vergeben, die hier über besondere Kompetenzen verfügen. Eine erste Untersuchung gibt deutliche Hinweise für die Zuverlässigkeit des IKM – und wurden im Fachjournal Advances in Health Sciences Education veröffentlicht.

In Heidelberg ist man der Ansicht, dass neben Fachwissen auch der soziale Umgang und eine gute Kommunikation wichtig sind. Kommunikations-Trainings im Medizin-Studium könne die sozialen Fähigkeiten angehender Ärzte

zwar verbessern, ein Teil bleibe aber primäre Begabung. Deswegen hat man sich an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg hat man sich deshalb dafür entschieden, die sozial-kommunikative Eignung über eine zusätzliche Auswahlquote bei der Studienplatzvergabe zu berücksichtigen. Und genau dafür wurde der Eignungstest IKM entwickelt.

Typische Herausforderungen im ärztlichen Alltag

Der IKM testet Bewerber mit typischen Herausforderungen des ärztlichen Alltags. So diskutieren sie etwa mit erfahrenen Schauspiel-Patienten über gesundheitsgefährdende Lebensstile, die dringend geändert werden müssen. Die Szenen werden auf Video festgehalten und von geschulten Prüfungs-Teams bewertet.

Um den IKM auch wissenschaftlich zu testen, ließ eine Forschungsgruppe 2021 70 Heidelberger Medizin-Studienanfänger freiwillig am IKM teilnehmen und wertete die Ergebnisse aus. Sie verglichen unter anderem die Prüfungsergebnisse mit der individuellen Wahrnehmung der Schauspieler. Dabei zeigte sich: Von Teilnehmern, die im IKM sehr gut bewertet wurden, fühlten sich die Schauspie-Patienten auch besonders gut betreut.

„Unsere Schauspiel-Patienten können ärztliches Verhalten gut beurteilen, denn sie haben schon an zahlreichen vergleichbaren Simulationen teilgenommen. Dass ihre Einschätzung mit dem Ergebnis des IKM-Tests so gut übereinstimmt, ist daher ein wichtiges Indiz für die Güte unseres Tests“, sagt Prof. Dr. Sabine Herpertz, Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemeine Psychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und bis 2023 Studiendekanin an der Medizinischen Fakultät Heidelberg sowie Letztautorin der Studie.

Mit Erfahrung kommt die soziale Kompetenz

Die Forschungsgruppe fand außerdem heraus, dass die soziale Kompetenz mit längerer Berufserfahrung steigt: Teilnehmer, die bereits mehr als sechs Monate im Gesundheitsbereich gearbeitet hatten, zeigten etwas bessere Ergebnisse. „Wer gut im IKM abschneidet, bringt also praxisrelevante soziale und kommunikative Fähigkeiten mit, auf die im Studium gut aufgebaut werden kann“, erklärt Dr. Dorothee Amelung von der Koordinierungsstelle heiTEST und Erstautorin der Studie. Zudem verglichen die Forscher die Ergebnisse des IKM mit denen des ebenfalls durchgeführten medizinisch-fachlichen Eignungstests – dem Test für Medizinische Studiengänge, TMS. Hier zeigte sich kein Zusammenhang. „Das bedeutet, dass wir mit dem IKM Kompetenzen für die ärztliche Praxis testen, die von der medizinisch-fachlichen Eignung unabhängig sin“, ergänzt Dr. Leonie Fleck, Wissenschaftlerin bei heiTEST und ebenfalls Erstautorin der Studie.

Ganzheitliches Auswahlverfahren hilft

„Mit dieser Studie sind wir dem Ziel eines wissenschaftlich fundierten Auswahlverfahrens, das die Eignung zur Tätigkeit als Ärztin oder Arzt ganzheitlich berücksichtigt, einen großen Schritt nähergekommen“, sagt Prof. Dr. Hans-Christoph Friederich, Studiendekan an der Medizinischen Fakultät Heidelberg. „Medizinstudienplätze werden immer begrenzt bleiben. Aus Patientensicht ist es wichtig, dass wir bei der Auswahl der Studierenden zuverlässig Personen identifizieren, die später gut, gerne und für möglichst weite Teile ihres Berufslebens als Ärztinnen und Ärzte praktisch tätig sind. Besonders im Hinblick auf unsere alternde Gesellschaft und den zunehmenden Fachkräftemangel ist das ein wichtiger Beitrag, um die medizinische Versorgung in Deutschland zu sichern.“

In kommenden Studien wollen die Forscher von heiTEST verfolgen, wie sich Teilnehmende des IKM während und nach dem Studium entwickeln. Seit dem Wintersemester 2023 / 2024 werden jeweils fünf Prozent der Studienplätze an der Medizinischen Fakultät Heidelberg nach Vorauswahl über den TMS durch den IKM vergeben. „Langfristig brauchen wir ein einheitliches Testverfahren, das begleitend mit dem TMS an verschiedenen Fakultäten eingesetzt werden kann. Der IKM ist ein guter Anwärter dafür“, ist Friederich überzeugt.

Das könnte Sie auch interessieren