Edelman Trust Barometer: Gesundheitsthemen spalten

von | Juni 15, 2026

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In Deutschland werden Gesundheitsthemen zunehmend kontrovers diskutiert. Die Folgen sind negativ für die öffentliche Wahrnehmung, zeigt nun das Edelman Trust Barometer 2026.

 

Gesundheit ist ein viel diskutiertes Thema in Deutschland. Zum einen mit Blick auf die Optimierung eben dieser: Gerade in den sozialen Medien gibt es immer mehr Informationen darüber, was gesund ist, ebenso wie konkrete Anleitungen, wie eine ganzheitliche Gesundheit zu erzielen ist – nicht immer wissenschaftlich fundiert, dafür in vielen Fällen hoch emotional. Gleichzeitig steht die Finanzierung des Gesundheitswesens, allen voran die Solidargemeinschaft der Krankenkassen, an einem Scheideweg, der ebenso öffentlich diskutiert wird. Beides scheint die Menschen im Land nachhaltig zu irritieren, zeigt nun das aktuelle Edelman Trust Barometer mit einem Spezialreport zum Vertrauen in das Gesundheitswesen.

Fast sechs von zehn Deutschen sind der Meinung, dass das Land bei wichtigen Gesundheitsthemen gespalten sei. Unter ihnen geben zwei Drittel (66 Prozent) an, dass diese Spaltung ihr Vertrauen in das Gesundheitssystem geschwächt hat. 53 Prozent sagen zudem, dass dadurch auch die Glaubwürdigkeit der Politik in Gesundheitsfragen gelitten hat. Gleichzeitig verlieren viele Menschen das Vertrauen in die Medien als verlässliche Quelle für Gesundheitsinformationen.

KI statt Medien

Auch deshalb nutzen immer mehr Menschen die KI als Informationsquelle. Der diesjährige Report zeigt deutlicher denn je, welchen Einfluss Künstliche Intelligenz bereits heute auf Gesundheitsentscheidungen hat. 24 Prozent der Deutschen nutzen KI-Anwendungen zur Unterstützung ihrer Gesundheit – beispielsweise, um schnelle Antworten auf Gesundheitsfragen zu erhalten, Symptome einzuordnen, Behandlungsempfehlungen zu recherchieren oder medizinische Testergebnisse zu interpretieren.

Noch bemerkenswerter ist, dass mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) glaubt, dass Menschen ohne medizinische Ausbildung, aber mit KI-Expertise, mindestens eine von fünf gesundheitsbezogenen Aufgaben genauso gut oder sogar besser erfüllen können als medizinisches Fachpersonal. Dadurch verschieben sich die Vertrauensverhältnisse. Ärztinnen und Ärzte konkurrieren zunehmend mit KI, sozialen Medien und anderen digitalen Informationsquellen um Einfluss auf Gesundheitsentscheidungen.

KI eröffne Menschen neue Möglichkeiten, sich über Gesundheitsthemen zu informieren, sagt Karl Stubbe, Head of Health bei Edelman Deutschland. Damit wachse allerdings auch die Bedeutung von Orientierung und Gesundheitskompetenz: „Vertrauen entsteht künftig nicht allein durch den Zugang zu Informationen, sondern durch die Fähigkeit, deren Qualität und Relevanz richtig einzuordnen.“

Kontroversen nehmen zu

Und weil es immer schwieriger wird, Themen, Informationen und vermeintliche Fakten richtig einzuordnen, verbreiten sich auch kontroverse Gesundheitsüberzeugungen deutlich stärker. Fast sieben von zehn Deutschen halten mindestens eine von sechs Aussagen zu Lebensmitteln, Impfstoffen oder Medikamenten für wahr. Dazu gehören Skepsis gegenüber Impfungen, Debatten über Fluorid im Trinkwasser, der Konsum von Rohmilch, tierische Proteine oder Fragen zur Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen bei jüngeren Erwachsenen: 73 Prozent stimmen mindestens einer dieser Aussagen zu. Und mit der weiter steigenden Informationsflut könnte sich diese Entwicklung künftig noch verstärken, sorgen sich die Autorinnen und Autoren bei Edelman.

Immerhin: Während Institutionen, digitale Plattformen und neue Informationsquellen um Glaubwürdigkeit konkurrieren, bleiben persönliche Ärztinnen und Ärzte mit Abstand die vertrauenswürdigsten Stimmen, wenn es darum geht, die Wahrheit über Gesundheitsthemen zu vermitteln. „In einer offenen Gesellschaft gehört es dazu, dass Menschen bei Gesundheitsthemen unterschiedliche Ansichten vertreten. Entscheidend ist nicht vollständige Einigkeit, sondern die Bereitschaft, auf der Grundlage von Fakten, Transparenz und gegenseitigem Respekt miteinander zu diskutieren. Dort, wo das gelingt, entsteht Vertrauen. Und dies bleibt die wichtigste Grundlage für informierte Gesundheitsentscheidungen“, fasst Karl Stubbe zusammen.

Für den Edelman Trust Barometer Special Report 2026: Vertrauen und Gesundheit wurden mehr als 16.000 Personen in 16 Ländern online befragt. In Deutschland nahmen 1.000 Personen an der Studie teil. Die Daten wurden repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Region gewichtet. Die Feldarbeit fand zwischen dem 28. Februar und dem 11. März 2026 statt.

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