E-Rezept: Nutzerfreundlich geht anders

by | Jan 8, 2024

Anhoren

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Zum Jahreswechsel fiel nun auch der Startschuss für das E-Rezept in Deutschland. Die Bilanz der ersten Tage fällt gemischt aus.

In Punkto Digitalisierung ist die Benutzerfreundlichkeit – neudeutsch Usability oder User Experience – das Maß aller Dinge. Und das aus einem einfachen Grund: je digitaler die Angebote, desto kürzer die Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer. Microsoft Kanada will in einer Studie nachgewiesen haben, dass Menschen digitalen Inhalten maximal noch acht Sekunden Aufmerksamkeit schenken. Das ist die Zeitspanne, in der ein Produkt oder eine Lösung heutzutage überzeugen muss. Klappt das es das nicht, wartet bereits die Konkurrenz.

Diese zugegeben hohe Messlatte scheint im Gesundheitswesen bislang nicht zu gelten. Zum Glück für die Verantwortlichen, muss man da fast sagen. Denn was Patienten, Ärzteschaft und Apotheken in den ersten Tagen des neuen Jahres mit den diversen E-Rezepten erleben, die nun fleißig ausgestellt werden, hat mit Nutzerfreundlichkeit im klassischen Sinn nur wenig zu tun.

Da wären zunächst die Übertragungsmethoden, über die Digitalisierungsexperten vermutlich nur schmunzeln können. Denn der Mehrwert eines Papierausdrucks des E-Rezepts mit einem QR-Code, der dann in der Apotheke gescannt wird, muss einem erst einmal jemand vermitteln können. Überhaupt lautet eine der golden Digitalisierungsregeln, Medienbrüche – also der Wechsel zwischen analogen und digitalen Prozessen – unbedingt vermeiden. Und auch sonstigen „Hürden“ jedweder Art sorgen bei Nutzern eher dafür, dass das Interesse an einer neuen Lösung schnell wieder abnimmt.

So wundert es auch nicht, dass eine nicht repräsentative und dennoch aufschlussreiche Blitzumfrage des Apothekerverbands Nordrhein kurz nach dem Start des E-Rezepts zum Jahresanfang zeigt, dass über 80 Prozent der E-Rezepte über die elektronische Krankenkassenkarte eingelöst werden. Rund 20 Prozent finden tatsächlich als Papierausdruck ihren Weg in die Apotheke, die eigens von der Gematik entwickelte App werde hingegen nur in rund ein Prozent der Fälle genutzt.

Es sind aber vor allem Serverprobleme und Techniksorgen, die es den Arztpraxen schwer machen, die digitalen Rezepte überhaupt zu verschicken. Erste Verbände berichten, dass viele Patienten bereits in den Apotheken stünden, ihr E-Rezept aber noch gar nicht digital auf ihrer Krankenkassenkarte hinterlegt sei, da die Übertragung aktuell nur einmal am Tag stattfindet. Das erklärt dann natürlich die verhältnismäßig hohe Attraktivität des ausgedruckten QR-Codes, kann man so doch direkt nach dem Besuch in der Praxis seine Medikamente in der nächsten Apotheke abholen, um sich dann zu Hause vom Infekt zu erholen. Der Bund habe Besserung zugesagt, heißt es. Wann die kommt, bleibt abzuwarten.

 

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