Durchbruch für Diabetespatienten?

by | Nov 6, 2023

Anhoren

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Laut Forschern der kanadischen Universität Alberta könnten Diabetes-Patienten bald ganz ohne Spritze auskommen. 

Und noch eine gute Nachricht für Diabetes-Patienten: Einem Team der kanadischen University of Alberta ist es nun gelungen, ein Verfahren zur Erzeugung insulinproduzierender Pankreaszellen aus patienteneigenen Stammzellen zu verbessern, womit die obligatorische Insulinspritze obsolet würde.  

Konkret haben die Forscher Patienten Stammzellen entnommen und chemisch erst in der Zeit zurück- und dann wieder vorgespult. Der Fachbegriff dafür lautet „gerichtete Differenzierung“ und ist eine Bioengineering-Methode an der Schnittstelle zwischen Stammzell- und Entwicklungsbiologie sowie dem sogenannten Tissue Engineering. Das Verfahren macht sich die Pluripotenz der Stammzellen zu eigen, also ihre Eigenschaft, in verschiedene Zelltypen zu differenzieren.  

Der Forschungsansatz aus Alberta ist an sich nicht neu. Neu ist an den in diesem Monat veröffentlichten Forschungsergebnissen allerdings, dass das Team Vorläuferzellen der Bauchspeicheldrüse mit dem AKT/P70-Inhibitor AT7867, einem Antitumormittel, behandelte. Die Forscher berichten, dass mit dieser Methode 90 Prozent der Zellen wie gewünscht produziert werden konnten, verglichen mit früheren Methoden, bei denen die Quote lediglich bei 60 Prozent lag. Die neuen Zellen bildeten zudem seltener unerwünschte Zysten und führten bei der Transplantation in Mäuse in der Hälfte der Zeit zu einer Glukosekontrolle ohne Insulininjektion. Das Team geht davon aus, dass es bald in der Lage sein wird, die letzten fünf bis zehn Prozent der Zellen zu eliminieren, aus denen keine Pankreaszellen entstehen. 

„Wir brauchen eine Stammzelllösung, die eine potenziell unbegrenzte Zellquelle bietet”, sagt James Shapiro, Inhaber des Forschungslehrstuhls für Transplantationschirurgie und regenerative Medizin sowie Leiter des Edmonton-Protokolls, das seit seiner Entwicklung vor 21 Jahren bereits 750 Transplantationen von gespendeten Inselzellen ermöglicht hat. „Wir brauchen einen Weg, diese Zellen so herzustellen, dass sie vom körpereigenen Immunsystem nicht als fremd wahrgenommen und erkannt werden.“ 

Das Edmonton-Protokoll ist eine Methode zur Implantation von Pankreasinseln für die Behandlung von Typ-1-Diabetes, insbesondere bei „spröden” Typ-1-Diabetikern, die zu einer unbewussten Hypoglykämie neigen. Das Protokoll ist nach der Gruppe für Inseltransplantation an der Universität von Alberta in der kanadischen Stadt Edmonton benannt, wo es Ende der 1990er Jahre erstmals entwickelt wurde. 

Das Forscherteam um Shapiro vermutet, dass diese sicherere und zuverlässigere Methode zur Züchtung von insulinproduzierenden Zellen, an der es gerade arbeitet, solche Transplantationen ohne die Notwendigkeit von Medikamenten gegen die Abstoßung ermöglichen könnte. Denn bisher müssen Empfänger von gespendeten Zellen deshalb lebenslang Medikamente einnehmen. Zudem ist die Therapie durch die geringe Zahl der verfügbaren Spenderorgane begrenzt. 

Shapiro sagt, dass noch weitere Sicherheits- und Wirksamkeitsstudien durchgeführt werden müssen, bevor erste Transplantationen von aus Stammzellen gewonnenen Inselzellen für Versuche am Menschen möglich sind, ist von den bisherigen Forschungsfortschritten aber begeistert: „Wir versuchen hier, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und uns vorzustellen, wie die Diabetesversorgung in 15, 20, 30 Jahren aussehen wird. Ich glaube nicht, dass die Menschen dann noch Insulin spritzen werden. Ich glaube nicht, dass sie Pumpen und Sensoren tragen werden.“ 

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