Durchbruch bei RNA-Medikamenten?

by | Apr 26, 2024

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Die Hoffnungen, dank RNA-Therapien in vielen Bereichen der Medizin Fortschritte zu erzielen, sind groß. Nun könnte erstmal auch der Schlüssel für die orale Einnahme gefunden worden sein.

 

RNA sind drei Buchstaben, denen man in Forschung und Entwicklung dieser Tage häufiger begegnet. Denn sie haben das Potenzial, viele bisher nicht behandelbare Krankheiten auf molekularer Eben zu bekämpfen. Einziger Nachteil: Bisher konnten diese fortschrittlichen Therapien nur über Injektionen verabreicht werden.

Forscher des King’s College London wollen nun den Schlüssel für die orale Einnahme von RNA-Therapie gefunden haben. In einer neuen Studie, die im Journal of Nanobiotechnology veröffentlicht wurde, fand Dr. Driton Vllasaliu heraus, dass winzige Partikel in der Kuhmilch, so genannte extrazelluläre Vesikel (EVs), RNA-Medikamente nach oraler Verabreichung wirksam schützen und abgeben können.

„Arzneimittel oral zu verabreichen, ist die akzeptabelste, bequemste und in der Regel auch billigste Art der Medikamenteneinnahme, da sie nicht von medizinischem Fachpersonal abhängig ist“, sagt der Leitende Dozent für Pharmazie an der Fakultät für Krebs- und Pharmazeutische Wissenschaften des King’s College. Biologische Arzneimittel wie RNA-Therapien oral verabreichen zu können, werde oft als „Heiliger Gral“ beschreiben – und habe sich vielleicht auch deshalb als hartnäckige Herausforderung dargestellt. Genau deshalb sei die Studie von Bedeutung, betont Dr. Vllasaliu und ergänzt: „Die Ergebnisse könnte zu einer disruptiven und nachhaltigen Herstellung von erschwinglichen und zugänglichen oralen RNA-Therapien für eine Vielzahl von Krankheiten führen, was große gesellschaftliche Auswirkungen haben würde.”

Kleine Transponder mit schützender Hülle

Extrazelluläre Vesikel sind vereinfacht ausgedrückt kleine Transponder, die biologische Moleküle in einer schützenden Hülle durch den Körper transportieren und ihren Zugang zu den Zellen kontrollieren und regulieren. Grundsätzlich sind sie deshalb für die Verabreichung von Medikamenten auch hinreichend untersucht worden. Woran bisher nur noch niemand gedacht hat, waren die EV von Milch. Die seien von Natur aus für die Aufnahme über den Darm geeignet, heißt es aus London, da ihr primäres Ziel die Übertragung von Molekülen von der Mutter auf das Kind sei.

Für ihre Studie haben Dr. Vllassalio und seine Kollegen EV aus Kuhmilch mit RNA-Molekülen zur Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen (IBD) beladen. Dabei konnten sie in fortgeschrittenen Labormodellen des menschlichen Darms zeigen, dass die EV in der Lage waren, die therapeutischen RNA-Moleküle über die Darmbarriere zu transportieren. Und auch in Versuchen an Mäusen reduzierten die mit RNA beladenen Milch-EV die mit IBD verbundenen Entzündungen. Die Ergebnisse werten die Forscher als Erfolg und Proof-of-Concept für die orale Verabreichung von RNA-basierten Therapien.

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