Eine neue Studie zeigt, dass die Todesfälle durch Demenz in den USA in den letzten 21 Jahren dramatisch zugenommen haben. Experten betonen jedoch, dass durch Prävention und Früherkennung das Risiko gesenkt werden kann.
Die Zahl der Todesfälle durch Demenz hat sich in den USA seit 1999 verdreifacht, wie eine aktuelle Studie im Primary Care Companion for CNS Disorders aufzeigt. Während im Jahr 1999 noch etwa 150.000 Amerikaner an den Folgen von Demenz starben, stieg diese Zahl bis 2020 auf über 450.000. Dieser alarmierende Anstieg betraf alle demografischen Gruppen, wie Dr. Mohsan Ali, der Hauptautor der Studie und Arzt an der King Edward Medical University in Pakistan, feststellte.
Demenz: Eine wachsende Bedrohung
Demenz, definiert durch den Verlust kognitiver Funktionen wie Denken, Erinnern und Urteilsvermögen, stellt eine zunehmende Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. „Das Alter ist der bedeutendste Risikofaktor für Demenz“, erklärt Ali. Doch auch die Zunahme chronischer Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Diabetes und Adipositas trägt zur steigenden Zahl der Demenztodesfälle bei.
Die Studie zeigt, dass besonders Frauen, schwarze Erwachsene und Menschen in ländlichen Gebieten einen signifikanten Anstieg der Demenztodesfälle verzeichnen. „Die höheren Raten bei Frauen könnten darauf zurückzuführen sein, dass Frauen länger leben als Männer, aber es könnten auch biologische und genetische Faktoren eine Rolle spielen“, so Ali. Menschen in ländlichen Regionen sind aufgrund von eingeschränktem Zugang zu Gesundheitsdiensten und einer geringeren Verfügbarkeit von Unterstützungssystemen ebenfalls stärker betroffen.
Neue Erkenntnisse zur Demenzprävention
Trotz der besorgniserregenden Zahlen gibt es Hoffnung. Laut Prognosen der Lancet-Kommission wird sich die Zahl der Demenzfälle in den USA bis 2050 auf über 10,5 Millionen verdoppeln und weltweit auf über 150 Millionen steigen. Doch Experten betonen, dass bis zu 45 % der Demenzfälle durch die Vermeidung bestimmter Risikofaktoren verhindert werden könnten.
„Ich bin begeistert von den Fortschritten in der Demenzprävention, denn wir lernen immer mehr über Lebensstiländerungen, die für die meisten von uns zugänglich und effektiv sind“, sagt Dr. Leah Croll, Neurologin am Maimonides Health in New York. Zu den modifizierbaren Risikofaktoren zählen unter anderem körperliche Inaktivität, Rauchen, Bluthochdruck, Adipositas und soziale Isolation.
Früherkennung und neue Behandlungsmöglichkeiten
Früherkennung bleibt der Schlüssel im Umgang mit Demenz. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch kognitive Tests, Gehirnscans und die Untersuchung von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit auf Demenzmarker. Da diese Tests nicht überall verfügbar und oft teuer sind, arbeiten Forscher an einfacheren Screening-Methoden. Ein vielversprechender Ansatz ist ein Bluttest zur Erkennung der Alzheimer-Krankheit, der in frühen Studien ähnliche Ergebnisse wie die Untersuchung von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit zeigt.
Neben diagnostischen Fortschritten gibt es auch neue, von der FDA zugelassene Behandlungen für die frühe Alzheimer-Demenz. „Diese Medikamente scheinen den Krankheitsverlauf zwar zu verlangsamen, aber sie stoppen ihn nicht, sodass unklar ist, wie sie sich auf die Sterblichkeit auswirken werden“, warnt Croll.
Trotz der Herausforderungen bleibt Croll optimistisch: „In vielerlei Hinsicht ist Demenz eine der letzten Grenzen der Medizin, und wir beginnen endlich, den Code zu knacken.“ Die betroffenen Patienten und Familien können Hoffnung schöpfen, da die Forschung stetig Fortschritte macht.


