Doctolib übernimmt britisches Healthtech Medicus

von | Mai 7, 2026

Anhoren

Teilen

 

Der britische Anbieter cloudbasierter elektronischer Patientenakten Medicus gehört ab sofort zu Doctolib. Die Franzosen planen große Investitionen in den britischen Markt.

 

Doctolib sichert sich Zugang zu einem der größten Gesundheitsmärkte Europas. Die Franzosen übernehmen das britische Healthtech Medicus, ein Anbieter cloudbasierter elektronischer Patientenakten für Hausarztpraxen im National Health Service (NHS). Als Teil dieses langfristigen Engagements plant Doctolib, in den kommenden Jahren mehr als 100 Millionen Pfund (umgerechnet etwa 115 Millionen Euro) im Vereinigten Königreich zu investieren, 150 Mitarbeitende in London einzustellen und ein eigenständiges Forschungs- und Entwicklungszentrum aufzubauen, um Innovationen in der britischen Primärversorgung voranzutreiben.

Zur Übernahme sagt Doctolib CEO Stanislas Niox-Chateau: „Medicus hat sich im NHS fest etabliert. Indem wir das Fachwissen des Unternehmens über das britische Gesundheitssystem mit unserer Software-Suite und unseren KI-Assistenten kombinieren, wollen wir noch einen Schritt weiter gehen und Praxen dabei unterstützen, ihre Abläufe besser zu koordinieren, zu überwachen und Probleme zu vermeiden. Das ist unser Ziel für Großbritannien.“ Und Deutschland-CEO Nikolay Kolev ergänzt: „In Deutschland zeigen wir seit fast zehn Jahren, dass der gezielte Einsatz innovativer Technologien konkret entlastet und die Versorgung verbessert. Diesen Ansatz tragen wir jetzt in einen der größten Gesundheitsmärkte Europas.“

Europäische Aufgabe

Denn laut Doctolib zeigt sich in ganz Europa ein ähnliches Bild: Die wachsende Nachfrage nach medizinischer Versorgung trifft auf einen zunehmenden Verwaltungsaufwand, wodurch Gesundheitsfachkräften wertvolle Zeit für die Patientinnen und Patienten verloren geht. Im Vereinigten Königreich ist diese Herausforderung durch eine stark belastete Primärversorgung besonders spürbar. Die Hausarztpraxen koordinieren die Patientenversorgung und tragen die wachsende administrative Last.

Und genau hier setzt Medicus an. Als erstes Unternehmen seit 25 Jahren hat Medicus ein neues klinisches Softwaresystem für Hausarztpraxen im NHS eingeführt. Die im Jahr 2019 gegründete, cloudbasierte Plattform für elektronische Patientenakten (EPR – Electronic Patient Record), die im deutschen Sprachraum als ePA bekannt ist, wurde in enger Zusammenarbeit mit dem NHS entwickelt. Sie erhielt Unterstützung durch das Tech Innovation Framework von NHS England und ist vollständig interoperabel mit NHS-Standards und -Systemen, einschließlich der NHS App.

Für Hausarztpraxen bedeutet dies eine einheitliche, KI-gestützte Softwarelösung, die jeden Aspekt der täglichen Arbeit vereinfacht: von der Terminplanung und klinischen Dokumentation bis hin zur Versorgungskoordination und Patientennachsorge.

Emile Axelrad, Gründer und CEO von Medicus ist überzeugt, dass man durch die Zusammenarbeit mit Doctolib die eigene Softwarelösung stärken, Innovationen beschleunigen und den Praxen Zugang zu einem noch umfassenderen Angebot an Produkten und Leistungen ermöglichen werden – bei gleichbleibend hoher Qualität, Nähe und Verständnis für deren Arbeit. „Als britisches Team wollen wir den Standard für Hausarzt-Technologie im gesamten Vereinigten Königreich anheben“, schließt Axelrad ab.

Dafür bleibt das britische Führungsteam von Medicus vollständig erhalten. Lediglich das UK-Team wollen beide Unternehmen in den nächsten Jahren deutlich vergrößern. Zu einem Übernahmepreis wurden keine Angaben gemacht.

Das könnte Sie auch interessieren