DIVI-Umfrage: Über die Hälfte der Intensivfachkräfte denken ans Aufhören

von | Mai 7, 2026

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Die ohnehin angespannte Personalsituation in der Intensivmedizin könnte sich laut einer Umfrage der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) weiter verschärfen. .

 

Mehr als die Hälfe der 1.200 befragten Intensivfachkräfte will ihr Fachgebiet entweder in den kommenden drei Jahren verlassen oder ist diesbezüglich noch unentschlossen. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte bundesweite, multiprofessionelle Umfrage der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), respektive der Jungen DIVI. Für Dr. Matthias Deininger, federführender Erstautor der Studie ist das ein klares Warnsignal: „Ohne gezielte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen riskieren wir, einen erheblichen Teil unseres intensivmedizinischen Personals zu verlieren.“

Dabei sind es kleine Maßnahmen, die die Kolleginnen und Kollegen zum Bleiben bringen könnten, zeigt die Erhebung. Es reichen Softfacts wie regelmäßige Mitarbeitergespräche oder familienfreundliche Arbeitsbedigungen. Das Paper der Jungen DIVI wurde unter dem Titel „Stay or leave? Retention factors in intensive care medicine from a multiprofessional cross-sectional nationwide survey in Germany“ open access im Journal of Critical Care veröffentlicht.

Größte Befragung in Deutschland

Die Erhebung gehört zu den größten aktuellen Befragungen in Deutschland zur Situation von Intensivpersonal und ist in ihrer Form besonders: Erstmals wurden Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachkräfte sowie Mitarbeitende in therapeutischen Gesundheitsfachberufen gemeinsam und vergleichend analysiert. 1.243 Datensätze werteten die Mitglieder der Jungen DIVI in den vergangenen Monaten aus. Von den Befragten gaben nur 45,4 Prozent an, sicher in der Intensivmedizin bleiben zu wollen. 23,2 Prozent planen einen Ausstieg, weitere 31,2 Prozent sind unentschlossen. Damit ist mehr als jede zweite Fachkraft potenziell für die intensivmedizinische Versorgung verloren.

„Unsere Daten zeigen sehr deutlich, dass wir es nicht nur mit einem bereits bestehenden Personalmangel zu tun haben, sondern mit einem erheblichen Risiko für einen weiteren Verlust von Fachkräften“, führt Erstautor Deininger weiter aus, der auch Facharzt für Anästhesiologie in der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum RWTH Aachen ist.

Es sei ihnen im Gegensatz zu vielen anderen Forschungsgruppen aber vor allem daran gelegen gewesen, Punkte zu identifizieren, die ein gutes Ankommen und langfristiges Verbleiben im Beruf erzielen könnten, betont Dr. David Josuttis, Sprecher der Jungen DIVI und Studienletztautor. Als entscheidende Faktoren für den Verbleib identifizierte das Autorenteam vor allem zwei Aspekte: Arbeitszufriedenheit und Familienfreundlichkeit. Beide zeigen eine signifikante Assoziation mit der Bereitschaft, langfristig in der Intensivmedizin zu arbeiten. „Die Freitexte bei besonders kritischen Fragen haben viele Teilnehmende gerne genutzt. So wissen wir mit Sicherheit: Geld spielt nicht unbedingt eine Rolle – aber die Stimmung im Team, das Zwischenmenschliche! Und daran kann man in jedem Team arbeiten. Das ist Teil der Führungskultur“, weiß der junge Facharzt für Anästhesiologie, David Josuttis.

Kommunikation macht den Unterschied

Aus Sicht der Studienautoren liegt das größte Potenzial für die Zukunft der Intenstivmedizin deshalb auch in der relativ großen Gruppe der Unentschlossenen. „31,2 Prozent der Mitarbeitenden könnten gehen, sind aber prinzipiell offen zu bleiben“, betont Josuttis Und Deininger ergänzt: „Wer mit seinen Mitarbeitenden regelmäßige Gespräche führt und strukturiert einarbeitet, wer die Teamkultur stärkt, wer Forschung nicht in die private Zeit verlagert, sondern forschungsfrei anbietet, der sorgt dafür, dass sich diese wichtigen Fachkräfte auch angesprochen und ernst genommen fühlen und somit auch gefördert. Und das über alle Professionen hinweg.“ Und dann müsse die Klinik nicht wegen Personalmangel Intensivbetten sperren, sondern erlebe einen positiven Aufwärtstrend statt einer Abwärtsspirale.

Weitere konkrete Ansatzpunkte für Kliniken sind laut Studie weniger belastende Schichtmodelle – insbesondere weniger rotierende Tag-Nacht-Dienste –, eine bessere Unterstützung bei Kinderbetreuung und häuslicher Pflegeverantwortung sowie strukturierte Personalentwicklung und verlässliche Karriereperspektiven Diese Faktoren wirken sich teilweise direkt, häufig aber auch indirekt über eine gesteigerte Arbeitszufriedenheit positiv auf die Bleibeintention aus.

„Das geplante GKV-Einsparungsgesetz droht, einen massiven Personalabbau in den Krankenhäusern auszulösen und gefährdet damit unmittelbar die intensivmedizinische Versorgung in Deutschland“, erklärt DIVI-Präsident Prof. Florian Hoffmann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg. „Gerade deshalb müssen wir als DIVI den Fokus entschlossen auf stabile Arbeitsbedingungen legen, um eine weitere Verschärfung der Lage zu verhindern.“ Entscheidende Faktoren würden Zeit, aber wenig Geld kosten. Die Autoren der Jungen DIVI zeigen hier einen Weg auf.

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