Diskriminierung vor allem im Gesundheitswesen

by | Feb 28, 2024

Anhoren

Teilen

 

Die Aids-Hilfe Wien warnt: Auch 2023 werden Menschen mit einer HIV-Infektion vor allem im Gesundheitswesen diskriminiert. Eine ältere deutsche Umfrage bestätigt das.

 

Seit über zehn Jahren dokumentieren die Aids-Hilfen in Österreich nun schon HIV-bezogene Diskriminierung. Und nach wie vor begegnen ihr infizierte Menschen vor allem im Gesundheitswesen. Zahlen, die die Aids-Hilfe Wien nun vorgestellt hat, zeigen: 2023 ereigneten sich 70 Prozent aller dokumentierten Diskriminierungsfälle im Gesundheitswesen.

Dies beinhaltet beispielsweise die Verweigerung einer Behandlung, Terminverlegungen ans Ende der Sprechstunde oder abwertendes Verhalten seitens des Pflege- und ärztlichen Personals.

Mirijam Hall, Vorsitzende der Aids-Hilfe Wien, appelliert deshalb: „Menschen mit HIV führen unter wirksamer Therapie ein normales Leben, erleben aber leider oft Abwertung durch andere. Dadurch entstandene Unsicherheiten und Vorbehalte können das Gesundheitsverhalten beeinflussen. Das kann bedeuten, dass Arztbesuche aufgeschoben oder gar komplett vermieden werden.“

Auch eine Studie der Deutschen Aidshilfe und des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft aus dem Jahr 2021, für die 1.000 Menschen mit HIV befragt wurden, zeichnet ein ähnliches Bild. Demnach erleben 56 Prozent der Befragten Diskriminierung besonders häufig im Gesundheitswesen. 16 Prozent berichteten, dass ihnen mindestens einmal eine zahnmedizinische Versorgung verweigert wurde oder sie beim Zahnarzt gar nicht erst einen Termin bekommen. Und auch in Deutschland werden Menschen mit HIV gerne ans Ende der Sprechzeiten geschoben, wenn sie denn einen Termin bekommen. Drastischer sind die Erfahrungen aber oftmals im Krankenhaus, wo teilweise die Akten von HIV-Patienten auch für Dritte sichtbar gekennzeichnet werden.

Die Konsequenz aus diesen Erfahrungen ist leider genauso drastisch für das medizinische Personal, wie viele HIV-infizierte in der Studie angaben: Sie legen ihren Status einfach nicht mehr offen. Auch deshalb ist ein mehr an Toleranz und Entgegenkommen von Nöten.

Das könnte Sie auch interessieren

Bosch schließt sich mit R-Biopharm zusammen

150 Millionen Euro wollen beide Unternehmen in die Molekulardiagnostik stecken – unter anderem in die Entwicklung neuer PCR-Tests für multiresistente gramnegative Backterien.

vdek veröffentlicht Basisdaten 2024

Zum 28. Mal veröffentlicht der Verband der Ersatzkassen die Basisdaten des Gesundheitswesens. Zentrale Erkenntnis: Die Leistungsausgaben sind seit Jahren im Aufwärtstrend.

Brexitnachwehen führen zu Medikamentenknappheit

Eine Studie des britischen Think-Tanks Nuffield Trust zeigt: Großbritannien und die Europäische Union haben immer häufiger mit Medikamentenengpässen zu kämpfen – eine Situation, die der Brexit deutlich verschärft hat.

Eine Studie des britischen Think-Tanks Nuffield Trust zeigt: Großbritannien und die Europäische Union haben immer häufiger mit Medikamentenengpässen zu kämpfen – eine Situation, die der Brexit deutlich verschärft hat.