Diskriminierung im Gesundheitswesen: Anlaufstellen fehlen

by | Apr 23, 2024

Quelle: Thomas Ecke/BMG

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Neue Studie belegt: Diskriminierung im Gesundheitswesen wurde viel zu lange übersehen. Beratungs- und Beschwerdemöglichkeiten fehlen.

 

Bei Diskriminierung im Gesundheitswesen fehlen Anlaufstellen. Das belegt nun erstmals die Studie „Diagnose Diskriminierung. Beratungs- und Beschwerdemöglichkeiten bei Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitswesen.“ Die Studie wurde im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstellt und von der unabhängigen Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung Ferda Ataman an Bundesgesundheitsminister Lauterbach übergeben.

„Überall, wo Menschen aufeinandertreffen, gibt es Diskriminierung. Im Gesundheitswesen wurde dieses Thema viel zu lange übersehen. Wenn sich Menschen gegen Diskriminierung wehren wollen, finden sie oft keine Ansprechperson und bekommen keine Hilfe“, sagt Ataman bei der Übergabe in Berlin. Die Folgen für Patienten seien gravierend und sie dürften nicht im Stich gelassen werden.

Auch Lauterbach betonte, dass alle Patienten das Bedürfnis und das Recht haben, optimal behandelt zu werden: „Diskriminierung wird gerade in Situationen von Krankheit und Schwäche als besonders verletzend erlebt. Das können wir nicht hinnehmen. Hier müssen auch im Konfliktfall vor Ort kompetente Beraterinnen und Berater helfen.“

Kaum Erhebungen zu Diskriminierung im Gesundheitswesen

Bislang gab es nur wenige Daten und Untersuchungen zu dem Thema. Die nun vorgestellte Studie hat erstmals die Beratungs- und Beschwerdemöglichkeiten umfassend analysiert. Im Fokus standen dabei Benachteiligungen aufgrund von Alter, Behinderung, Geschlecht, sexueller Identität, Religion oder Weltanschauung. Zudem wurden Diskriminierungserfahrungen aufgrund des Körpergewichts und sozialen Status betrachtet.

Die Studie legt offen, dass nur wenige Anlaufstellen auf Diskriminierung im Gesundheitswesen spezialisiert und kompetente Ansprechpersonen schwer zu finden sind. Selbst für Gesundheitsämter, Krankenkassen oder Patientenbeauftragte ist oft nicht klar, wer überhaupt zuständig ist. Zudem sei der Diskriminierungsschutz aktuell stark davon abhängig, welches Verständnis von Diskriminierung die Verantwortlichen der Beratungsstellen haben.

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