Digitalisierungspaket für das Gesundheitswesen geschnürt

by | May 30, 2024

Anhoren

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In der Schweiz hat nun auch der zweite Rat einer größeren Finanzspritze zur Digitalisierung des Gesundheitswesens zugestimmt. Aus den Fehlern der EPD will man gelernt haben.

 

400 Millionen Franken (rund 406 Millionen Euro) ist das Digitalisierungspaket schwer, dass nun auch der Städterat in der Schweiz als Verpflichtungskredit für das Gesundheitswesen durchgewunken hat. Zuvor hatte Anfang März schon der Nationalrat mit einer deutlichen Mehrheit zugestimmt.

Digisanté heißt das Förderproramm und soll maßgeblich Behandlungsqualität, Effizienz und Transparenz im Gesundheitswesen stärken sowie die Patientensicherheit verbessern. Das Problem auch in der Schweiz: Viele Kliniken und Arztpraxen arbeiten zwar bereits mit digitalen Lösungen, allerdings mit unterschiedlichen, sodass es auch bei unseren Nachbarn ein Interoperabilitätsproblem gibt. Viele Daten müssen deshalb mehrfach erfasst werden – ein zentrales Ziel von Digisanté hier gegenzusteuern. Dafür wurden im Rahmen der Förderung rund 50 Projekte aufgelegt, um insbesondere die Systeme und Prozesse im Gesundheitswesen besser aufeinander abzustimmen. Der Bund will etwa seine Register, Meldestellen und Informationsplattformen durchgängig digitalisieren und damit sicherstellen, dass diese auch mit anderen IT-Lösungen kommunizieren können.

EPD außen vor

Explizit nicht Teil des neuen Programms ist das Elektronische Patientendossier (EPD), das Schweizer Pendant zur deutschen ePA. Das ist schon verwunderlich, weil gerade bei den Schlagworten Interoperabilität, Datenaustausch und Prozessoptimierung ein so zentrales Element wie eine elektronische Patientenakte zumindest „mitgedacht“ werden sollte. Die Schweizer Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider versicherte dennoch, dass man „aus den Fehlern beim EPD“ gelernt habe. Es bestehe eine enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteuren.

Das Problem mit dem EPD sei der „Kantönligeist“, wie ihn Schweizer Medien nennen. Statt einer zentralisierten Lösung für die Gesamtschweiz gibt es derzeit sieben Betreibergesellschaften für das EPD – zum Teil auf Ebene einzelner Kantone oder Regionen. Selbst bei der Post kann man eins eröffnen – wenn man denn starke Nerven hat, wie die Redaktion des Schweizer Mediums Sonntags-Blick im September letzten Jahres im Selbstversuch feststellen musste.

Entsprechend schleppend läuft das EPD-Wachstum bei unseren Nachbarn, weshalb auch die Eidgenössische Finanzkontrolle in einem Bericht von März für eine bundesweite Lösung plädiert. Man kann also nur hoffen, dass die Politik wirklich aus dem schlechten Start des EPD gelernt hat und Digisanté Hürden ab- und dafür Brücken im Gesundheitswesen aufbaut. Denn ohne sie haben Digitalisierungsinitiativen in der Regel kaum eine Chance.

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