Digitale Revolution in der Medizintechnik: Herausforderungen und Chancen

by | Jan 29, 2024

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Die rasante Entwicklung der Medizintechnik hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte verzeichnet, und der Einsatz digitaler Technologien die Branche damit revolutioniert. Doch mit den zahlreichen Vorteilen, die die Digitalisierung in der Medizin mit sich bringt, tauchen auch neue Herausforderungen auf – allen voran die Sicherheit sensibler Gesundheitsdaten. Unsere Gastautorin Dubravka Maljevic wirft exklusiv für HealthCareTimes einen Blick auf die Entwicklungen in der Medizintechnik im Zusammenhang mit Digitalisierung und den damit verbundenen Sicherheitsaspekten.

 

Die medizinische Landschaft erlebt einen Paradigmenwechsel, da immer mehr Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf innovative Technologien setzen. Das Ziel: eine bessere Patientenversorgung. Telemedizin ermöglicht es Patienten, Zugang zu medizinischen Beratungen und Behandlungen bequem in den eigenen vier Wänden zu erhalten. Durch die Entwicklung von tragbaren Geräten, die Vitalparameter erfassen und diese Daten intelligent verarbeiten, wird die Früherkennung von Krankheiten und die kontinuierliche Überwachung von Patienten verbessert. Die Künstliche Intelligenz (KI) spielt hier eine entscheidende Rolle. Sie macht es vor allem möglich, komplexe Muster schneller zu erkennen, und unterstützt damit das medizinische Personal bei der Diagnose. Solche Diagnoseprozesse werden dadurch nicht nur ebenfalls schneller, sondern auch genauerer.

Kein Fortschritt ohne Herausforderungen

Trotz dieser vielversprechenden Entwicklungen mit KI und durch die immer weiter voranschreitende Digitalisierung stehen Gesundheitseinrichtungen und Technologieunternehmen vor erheblichen Herausforderungen.  Die Integration von IoT-Geräten in der Medizintechnik – IoT steht für Internet of Things –  eröffnet neue Angriffsflächen für Cyberkriminelle. Schwachstellen in vernetzten Geräten könnten dazu führen, das Hacker in das medizinische Netzwerk eindringen und kritische Systeme beeinflussen. Zudem erschwert die Vielfalt der medizinischen Geräte und Systeme sowie die schleppende Standarisierung die Implementierung einheitlicher Cybersicherheitsstandards.

Dabei ist es absolut unstrittig: Um die Chancen der Vernetzung und der durch KI unterstützten Prozesse optimal zu nutzen, müssen wir Maßnahmen treffen, die ein hohes Maß an Cybersicherheit gewährleisten. Wir müssen Mitarbeitende in Bezug auf Cybersicherheit schulen, um das Bewusstsein für potenzielle Risiken zu stärken. Wir brauchen Cybersicherheitsstandards, die gewährleisten, dass medizinische Geräte und Systeme einen Mindeststandard an Sicherheit erfüllen. Eine regelmäßige Überwachung von Systemen und eine zeitnahe Aktualisierung von Sicherheitsprotokollen sind dabei unerlässlich. Dies ermöglicht eine schnelle Reaktion auf potenzielle Bedrohungen und minimiert das Risiko von Sicherheitslücken.

Gefahrenquelle KI-Training

Obwohl KI in der Medizin enorme Chancen bietet, sind auch bestimmte Herausforderungen und potenzielle Gefahren zu berücksichtigen. KI-Systeme können durch unzureichende oder nicht repräsentative Daten trainiert werden, was zu Fehlinterpretationen und somit falschen Diagnosen führen kann. Und auch bisher ungeklärteHaftungsfragen im Zusammenhang mit KI-Entscheidungen und Diagnosen stellen eine Herausforderung dar. Weiterhin sind viele KI-Modelle schwer zu interpretieren, was zu Vertrauensproblemen führen kann. Kurzum: Die schnelle Entwicklung von KI in der Medizin hat dazu geführt, dass die Zertifizierung und Regulierung nicht immer mit der technologischen Entwicklung Schritt halten kann. Hier besteht zudem die Gefahr, dass Vorurteile die Entscheidungsprozesse nachteilig beeinflussen können.

Eine kleine Auswahl bereits genutzter KI in der Medizin 

 

Dubravka Maljevic ist Diplom-Ingenieurin für Medizintechnik und hat einen MBA in Health Business Administration der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nach ersten beruflichen Stationen im Bereich der Produktentwicklung für die Nachrichtenübertragung fokussierte sich Maljevic auf den Bereich Medizintechnik im Krankenhaus. Sie war zunächst in verschiedenen Positionen als Krankenhausingenieurin tätig und übernahm die stellvertretende Leitung des Bereichs Medizintechnik bei den Asklepios Kliniken. Seit Mai 2018 leitet sie den Bereich Medizintechnik der BG Kliniken – Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung gGmbH. Ihr besonderes Augenmerk widmet sie der Konzeption und Implementierung innovativer Lösungen in der Medizintechnik.

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