Mit digitalen Angeboten Lebensqualität bei Parkinson verbessern

by | May 3, 2024

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Ein Forschungszusammenschluss evaluiert derzeit, ob und wie digitale Angebote Parkinson-Patienten besser unterstützen und damit die Versorgungsqualität erhöhen können.

 

Kann eine digitale Plattform die Lebensqualität von Parkinson-Patienten erhöhen? Dieser Frage gehen nun Forscher des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT gemeinsam mit Partnern nach. Denn aufgrund der Symptome ist der regelmäßige Praxisbesuch mit Parkinson eine Herausforderung. Untersuchungen finden deshalb zu selten statt. Das Leuchtturmprojekt ParkProReakt soll herausfinden, ob die engmaschige Kontrolle über eine digitale Plattform und App dazu beitragen kann, die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen.

Koordiniert wird das Vorhaben vom Team der Neurologie an der Philipps-Universität Marburg und läuft bis Ende 2025. Die Kombination aus Webplattform und mobiler Anwendung, die auch mit Wearables wie der Apple Watch verbunden werden kann, soll den Patienten Zugang zu einem proaktiven, sektorenübergreifenden sowie bedarfsgerechten Versorgungsmodell bieten. Auch pflegende Angehörige soll das Projekt entlasten sowie Veränderungen des Krankheitsverlaufs schneller erkennen. „Die App namens Active PD wird nach einer Einlernphase von den Patientinnen und Patienten bedient. Die damit gesammelten Daten werden in die Webplattform übertragen, die den Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung steht“, erklärt Daniel Wolferts, Wissenschaftler am Fraunhofer FIT. Wolferts und sein Team sind unter anderem für das menschzentrierte Design beider Systeme verantwortlich und mit der bedienerfreundlichen Gestaltung der jeweiligen Benutzeroberfläche befasst. „Wie kann eine App für Parkinson-Patienten gestaltet werden, welche Informationen möchten die Betroffenen erhalten? Wie werden die Daten auf beiden Applikationen für alle Beteiligten anwenderfreundlich dargestellt, wie werden die Anforderungen am besten erfüllt? Wie können die Betroffenen die erforderlichen Tests und Untersuchungen am Smartphone absolvieren, ohne motorisch überfordert zu sein? Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns.“

Klinische Studien überprüfen Ergebnisse

Das Konzept wird in klinischen Studien mit 170 Erkrankten über die Dauer von sechs Monaten validiert. Eine Interventionsgruppe erhält die digitale Lösung, eine Kontroll-Referenzgruppe wird wie üblich ohne technische Hilfsmittel behandelt. Die Patienten sind angehalten, zweimal pro Woche mithilfe der App und der mit Sensorik ausgerüsteten Apple Watch spezifische, standardisierte Parkinson-bezogene Tests durchzuführen, die vor allem die motorischen Fähigkeiten und die Befindlichkeit adressieren. Die Tests helfen den Behandlern, krankheitsbedingte Symptome besser einschätzen und mit entsprechenden Maßnahmen schnell darauf reagieren zu können. Beispielsweise müssen die Teilnehmer vor der Smartphone-Kamera Fingerübungen absolvieren und möglichst schnell mehrmals hintereinander Zeigefinger und Daumen zusammentippen. Eine Bilderkennung markiert Daumen und Zeigefinger und misst während des Tests den Abstand zwischen den Fingern.

Darüber hinaus wird mittels Sensorik geprüft, ob die Teilnehmer in der Lage sind, die Hand über einen bestimmten Zeitraum ohne Zittern ruhig zu halten – ebenfalls eine Herausforderung für Menschen mit Parkinson. Fragen zum Wohlbefinden ergänzen die Tests, um bei Bedarf auch auf der emotionalen Ebene unterstützend eingreifen zu können. Ein Ampelsystem informiert den behandelnden Arzt, wenn sich der Zustand eines Erkrankten drastisch verschlechtert. Auch besondere Ereignisse wie Stürze können über die App, die sich derzeit im Prototyp-Status befindet, gemeldet werden. „Wir hoffen, den Versorgenden mit der digitalen Lösung einen besseren Einblick in den Alltag der Patientinnen und Patienten geben und die Lebensqualität der Betroffenen positiv beeinflussen zu können, sodass sich das Konzept im Erfolgsfall auf andere neurologische Erkrankungen ausweiten lässt“, schließt Wolferts ab.

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