Unter neuer Marke veröffentlicht Pulsewave heute seinen Digital Health VC-Report für 2024. Eine Analyse zeigt: Gerade in Deutschland liegen Volumina und Ticketgrößen unter dem Vorjahr.
Es ist der direkte Vergleich zwischen den USA und Europa, der spannend ist: 497 Finanzierungsrunden jenseits und 499 Finanzierungsrunden diesseits des Atlantiks. Es gibt sie also, die vielversprechenden europäischen Digital Health Startups, die auch Investoren überzeugen. Das belegen die Zahlen des aktuellen Digital Health VC-Funding Reports 2024 unter der neuen Marke Pulsewave.
Wo die Lücke dann aber sofort aufklafft, ist beim Finanzierungsvolumen. Das lag in den USA 2024 bei 10,1 Milliarden US-Dollar. In Europa waren es nur 3,7 Milliarden. Und auch bei der durchschnittlichen Dealgröße gibt es Unterschiede: 20,4 Millionen in den USA, 10,5 Millionen US-Dollar in Europa. Zwar wurden bei 73 europäischen Runden keine Volumina genannt, der Vorsprung der US-Startups in finanzieller Hinsicht dürfte dennoch reichen, um vorne zu bleiben.
Fast schon ernüchternd sind im Vergleich die Summen, die deutsche Startups eingesammelt haben. Hierzulande kommt gerade einmal ein Finanzierungsvolumen von knapp über 200 Millionen US-Dollar zusammen, die durchschnittliche Dealgröße liegt bei 5,7 Millionen Euro.
„Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet der deutsche Digital-Health-Markt einen deutlichen Rückgang an Finanzierungsaktivitäten“, bestätigt auch Luisa Wasilewski, Gründerin und Geschäftsführerin von Pulsewave Digital. Sowohl das Gesamtfinanzierungsvolumen mit 362 Millionen US-Dollar als auch die durchschnittliche Dealgröße mit 6,7 Millionen US-Dollar waren 2023 höher. „Außerdem konnten auch nur sechs Startups 2024 Finanzierungsrunden über der 10-Millionen Marke abschließen, 2023 waren es noch zehn“, führt Wasilewski weiter aus.
KI gefragt
Was an den Zahlen außerdem auffällt, allerdings wenig überrascht: Künstliche Intelligenz zieht besonders viele Investorengelder an. Der Pulsewave-Report bezeichnet KI sogar als „Schlüsselfaktor für die Attraktivität von Startups bei Investoren“.
Unter den zehn deutschen Startups mit den höchsten Finanzierungsrunden sind sieben, die bei ihren Produkten auf KI setzen – darunter die sechs mit Ticketgrößen über der 10-Millionen-Marke.
Ganz vorne mit dabei ist Aignostics, die erst im Oktober 2024 in einer Serie B 34 Millionen US-Dollar einsammeln konnten. Die Ausgründung der Charité und des Berlin Institute of Health entwickelt KI-basierte Lösungen für die Pathologie und überwindet mit einer „Explainable AI“-Plattform sogar das viel kritisierte Black-Box-Problem.
25 Millionen US-Dollar in einer Serie-C gab es für Smart Reporting und die dort entwickelte KI-gestützte Befundung. Die KI-gestütze Telemedizinplattform Telehealth Competence Center konnte 22 Millionen US-Dollar in einer Serie A einsammeln. Mindpeak bekommt für seine KI-gestützte Diagnostik 15 Millionen US-Dollar.
Großbritannien in Europa vorn
Wie deutlich der Abstand deutscher Startups auch innerhalb Europas ist, zeigt ein Blick auf Spitzenreiter Großbritannien mit einem Volumen von 1,8 Milliarden US-Dollar. Frankreich liegt auf Platz 2 mit 436 Millionen Euro, die DACH-Region bringt es zusammen auf 341 Millionen Euro.
Das größte Einzelticket in Großbritannien mit 960 Millionen Euro hat Plattformbetreiber und Zahlungsdienstleister Tabeo eingesammelt – ein Debt Financing. 200 Millionen gab es für die Zyklusapp Flo in einer Serie C. Unter den europäischen Tickets stechen ferner die 216 Millionen US-Dollar ins Auge, die der niederländische Spezialist für diagnostische Bildgebung und Krebsbehandlungen Affidea eingesammelt hat. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Kreditfazilität, mit der die Wachstumspläne des Unternehmen unterstützt werden sollten. Und die hat man 2024 auch fleißig genutzt: In Rumänien, die Schweiz und Polen wurde zugekauft.
Ebenfalls groß fiel das Ticket für den digitalen französischen Krankenversicherer Alan aus. 193 Millionen gab es in einer Serie F. Derart späte Finanzierungsrunden wie von Alan, Flow Health oder Ouro in Finnland mit einer Serie D in Höhe von 200 Millionen US-Dollar sind im Übrigen auch eine Seltenheit, zeigt der Report. Insgesamt bleibe der Markt stark durch frühe Investitionsphase geprägt, heißt es von Pulsewave. Eine Serie B bis F schaffte gerade einmal 24 Startups.
Wagen neue Wagniskapitalfonds in 2025 mehr?
Auch wenn die VC-Aktivitäten in 2024 deutlich hinter dem Vorjahr zurückblieben, schaut der Report doch hoffnungsvoll in die Zukunft. Etablierte Player wie Earlybird oder Heal Capital haben im vergangenen Jahr neue Fonds aufgelegt. Zudem ist mit Pharmakonzern MSD mit dem „Idea Studio“ ein neuer Player in Deutschland aktiv geworden, der gezielt in europäische Health-Startups investieren will. Die Wiener Calm/Storm will ihren zweiten VC-Fonds im ersten Quartal 2025 schließen und mit dem ACP Healthtech Fund, gemanagt von Aescuvest Capital Partners, startet ein neuer Venture-Capital-Fonds, der sich auf Innovationen im Healthtech-Bereich fokussiert.
Es sei also zu erwarten, dass diese Fonds ihre Investmentaktivitäten 2025 signifikant erhöhen, respektive starten werden, ist auch Luisa Wasilewski überzeugt.



