Digital Health USA: Startups werden kreativer bei Finanzierungsrunden

by | Jan 12, 2024

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2023 floss weniger Kapital in US-Startups aus dem Digital Healthcare Bereich, zeigen die nackten Zahlen. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, sagen die Seed-Experten von Rock Health.

10,7 Milliarden US-Dollar verteilt auf insgesamt 492 Deals flossen im vergangenen Jahr in amerikanische Digital Healthcare Startups. So wenig wie seit 2019 nicht mehr, sagt jetzt ein Bericht des Full-Service-Seed-Funds Rock Health. Vor allem im letzten Quartal 2023 gaben Investoren nur 1,9 Milliarden US-Dollar an Unternehmen aus dem Sektor – auch hier ein neuer Negativrekord seit dem dritten Quartal 2019.

Vielleicht haben die Experten von Rock Health genau deshalb noch einmal genau hingeschaut und dabei festgestellt: Digital Healthcare Startups in den USA sind schlicht kreativer geworden, was ihre Finanzierungsformen angeht. Serienverlängerungsrunden, nicht gekennzeichnete Runden oder stille Deals bestehender Investoren seien nur einige der Beispiele, heißt es im Report. Und so verwundert es nicht, dass 81 Prozent der US-Startups, die 2021 oder früher eine Finanzierungsrunde abgeschlossen haben, dies bis Ende 2023 nicht wiederholt haben. Dabei schließt der Report nicht aus, dass einige der Digital Healthcare Startups Personal abgebaut oder ihre Wachstumsziele nach unten korrigiert haben, um mit dem bestehenden Kapital besser haushalten zu können, betont aber gleichzeitig, dass das Gros eben schlicht kreativer bei der Kapitalbeschaffung geworden ist.

So habe es 2023 gleich eine ganze Reihe von Serie-A und -B-Erweiterungen gegeben – beispielsweise bei der digitalen Mental-Health-Clinic Mantra Health, der Buchhaltungs- und Steuerlösung für Therapeuten Heard Technologies oder dem auf Genomsequenzierung spezialisierten Startup Genome Insight. Solche Verlängerungsrunden würden jenen Startups helfen, die noch nicht alle Meilensteine für die Produktreife erreicht haben oder die Markteinführung aus anderen Gründen noch nicht steht. „In einigen Fällen können diese Verlängerungsrunden den Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens stärken, weil so Ergebnisdaten produziert werden und die bestehenden Investoren strategisch beraten können, bevor die nächste Finanzierungsrunde eingeleitet wird“, sagen die Experten von Rock Health. Hier gilt es jedoch abzuwägen, ob die genannten Vorteile den Verwässerungseffekt von Erweiterungsrunden aufwiegen. Gemeint sind die Eigentumsanteile sowohl der Gründer als auch der frühen Investoren, die sich proportional zum zusätzlich aufgebrachten Kapital verringern.

Ein weiterer Trend, den der Report aufdeckt: ungekennzeichnete Finanzierungsrunde, also Runden, wo schlicht der Buchstabe für die Anzahl der bisherigen Finanzierungsrunden fehlt. 44 Prozent der Runden seien im vergangenen Jahr nicht gekennzeichnet gewesen. Ähnlich wie bei Serienerweiterungen stellen nicht gekennzeichnete Finanzierungsrunden Kapital für Start-ups bereit, die noch keine wichtigen Reifepunkte erreicht haben. Ungekennzeichnete Finanzierungsrunden lassen jedoch Fragen zu den Zeitplänen der nachfolgenden Finanzierungsrunden offen – und diese Startups müssen möglicherweise schnell mehr Kapital aufnehmen, um sich über Wasser zu halten, so der Bericht.

Und dann sind da noch die stillen Runden, die für die Statistiken nur schwer zu greifen sind, heißt es von Rock Health: „Es gibt keine Möglichkeit, nicht gemeldete Finanzierungsrunden systematisch zu verfolgen, aber wir vermuten aufgrund unserer Gespräche, dass es im Jahr 2023 viele dieser stillen Runden gab.” Der Nachteil stiller Runden sei vor allem der fehlende Wettbewerb um Risikokapitalgeber. Das könne mitunter dazu führen, dass Risiken unentdeckt und die damit verbundenen, nicht immer einfachen Diskussionen mit den Investoren ausbleiben – diese in der nächsten größeren Finanzierungsrunde, die dann möglicherweise öffentlich ist, dafür umso deutlicher zu Tage treten.

In jedem Fall zeigt der Report, dass die öffentlich zuränglichen Zahlen über die Mittelzuflüsse in amerikanische Digital Healthcare Startups nur die halbe Wahrheit erzählen. Der Sektor ist nach wie vor für Investoren attraktiv – das Kapital sucht sich nur andere Wege, die Zukunft der Gesundheitsversorgung zu finanzieren.

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