Digital Health unattraktiv für Investoren

by | Oct 30, 2023

Anhoren

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Finanzierungen für Digital Health Start-ups sind laut CB Insight im dritten Quartal auf dem niedrigsten Stand seit sieben Jahren. Vor allem in Europa gibt es weniger Deals. 

Der Hype um Digital Health Start-ups scheint erst einmal verflogen – zumindest auf Investorenseite und wenn man den Zahlen von CB Insight Glauben schenken darf. Denn während im Corona-Jahr 2021 alleine im zweiten Quartal 15 Milliarden US-Dollar in Investitionen in die Branche flossen, sinkt das Finanzierungsvolumen seitdem stark, zuletzt von 3,6 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal des Jahres auf nur noch drei Milliarden US-Dollar im dritten Quartal. Das ist das niedrigste Niveau seit 2016. Besonders bitter: Der Rückgang steht im Kontrast zur allgemeinen Risikofinanzierung, die im Quartalsvergleich um elf Prozent zulegen konnte.  

Es sind allerdings nicht nur die Volumina rückläufig, auch die Anzahl der Deals hat vom zweiten zum dritten Quartal des Jahres noch einmal deutlich abgenommen. Minus 33 Prozent und mit 247 Deals der niedrigste Wert seit ungefähr zehn Jahren. Wobei die reine Anzahl an Risikokapitaldeal laut CB Insight auch insgesamt rückläufig sei, allerdings im Vergleich nicht so stark, nämlich nur um elf Prozent.  

Warum Digital Health Start-ups im Vergleich auf dermaßen wenig Interesse von Investorenseite stoßen, ist nur anhand der Zahlen nicht ganz nachzuvollziehen. Denn die Ticketgröße, mit der sich Investoren beteiligen, ist im Jahresvergleich 2022/2023 lediglich um fünf Prozent gesunken. CB Insights führt das auf die verhältnismäßig vielen Early-Stage-Deals in der Branche zurück, die einen Anteil von 64 Prozent an allen Deals haben. Demgegenüber steht ein Rückgang von 19 Prozent bei der Ticketgröße insgesamt, was die Experten wiederum auf den Rückgang bei Mid- und Late-Stage-Deals zurückführen. So ganz einig scheinen sich die Kapitalgeber also nicht zu sein, was sie nun eigentlich suchen. Denn trotz aller Abwärtstrends, gibt es erneut mehr „Megarunden“ im Digital Health Segment mit Losgrößen im höheren zweistelligen Millionenbereich, insgesamt sechs alleine im dritten Quartal 2023. Das meiste Kapital konnte Generate Biomedicines mit 273 Millionen US-Dollar einsammeln. Das US-Unternehmen will mithilfe von maschinellem Lernen, Bioengineering und Medizinwissen neue Therapieansätze finden. Aber auch Asien, genauer gesagt China und Indonesien, konnten mit DP Technology und HaloDoc und jeweils 100 Millionen US-Dollar ihre ersten Megarunden in diesem Jahr verbuchen. DP Technology ist mit Molekularsimulationstechnologien aktiv, HaloDoc bietet eine Health-Tech-Plattform, die Patienten mit Ärzten, Versicherern, Laboren und Apotheken verbindet. In Europa konnte sich das dänische Start-up Corti ein größeres Ticket in Höhe von 60 Millionen US-Dollar sichern. Das Unternehmen bietet einen „KI-Piloten“, der vor allem Medizinern bei der Interaktion mit Patienten unterstützen soll.  

Immerhin: Mit Likeminded, einem auf die mentale Gesundheit für Mitarbeiter spezialisiertem Unternehmen, ist auch ein deutsches Start-up vertreten. Sieben Millionen US-Dollar konnten die Berliner als Seed Venture Capital von Holtzbrinck Digital und Heartcore Capital einsammeln und sich so auf Platz fünf der weltweiten Top Seed/Angel-Deals schieben. Diesen Rang teilt sich Likeminded mit Rolla, einem Startup aus Bosnien Herzegowina, das dieselbe Summe von zwei Angel-Investoren für ihr digitales Health- und Fitnessangebot einsammeln konnten.  

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