DiGA: Viel genutzt, wenig Wirkung?

by | Jan 9, 2024

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Der GKV-Spitzenverband stellt seinen jährlichen Bericht zu digitalen Gesundheitsanwendungen vor und übt deutliche Kritik an Wirksamkeit und Vergütung.

Es sind die zwei Seiten einer Medaille, die der GKV-Spitzenverband auf seiner Pressekonferenz in Berlin zur aktuellen Situation bei digitalen Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA, präsentiert. Zum einen seien die „Apps auf Rezept“ in der Versorgung angekommen. Im Berichtzeitraum vom 1. September 2022 bis 30. September 2023 wurden rund 374.000 DiGA in Anspruch genommen. 113 Millionen Euro haben die gesetzlichen Krankenversicherungen dafür bezahlt. Damit hätten sich sowohl die Inanspruchnahme als auch die Ausgaben mehr als verdoppelt.

Dennoch sei die Bilanz zu den DiGA von Ernüchterung geprägt, sagt Stefanie Stoff-Ahnis, Vorständin beim GKV-Spitzenverband: „Auch im dritten Jahr nach ihrer Einführung lösen die Gesundheits-Apps nicht ihr Versprechen ein, die gesundheitliche Versorgung grundlegend zu verbessern. Dabei könnten DiGA Bindeglied sein zwischen Patientinnen und Patienten, Ärzteschaft, zwischen Sektoren und unterschiedlichen Fachrichtungen.“ Dafür sei allerdings ihr Nutzen maßgeblich, der nach wie vor bei einer unverändert hohen Zahl an Anwendungen unklar sei, weshalb diese auch lediglich zur Probe gelistet würden. Das Resultat: Unsicherheit auf alle Seiten sowie mangelnde Akzeptanz.

Was der GKV-Spitzenverband außerdem kritisiert, sind die weiter steigenden Kosten. „Es kann nicht sein, dass ein Unternehmen für eine DiGA im ersten Jahr der Einführung 2.000 Euro und damit das Zehnfache des Durchschnitts der verhandelten Preise ab dem zweiten Jahr aufruft“, führt Stoff-Ahnis weiter aus. Vor allem, wenn der Nutzen nicht ausreichend nachgewiesen sei. Das Geld der Beitragszahler solle in eine bessere Versorgung fließen und keine Wirtschaftsförderung finanzieren.

Hier geht ein Seitenhieb in Richtung Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM, wo bei der Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis häufig der Nutzennachweis fehle. Dennoch müssten die Kassen im ersten Jahr die vollen, von den DiGA-Entwicklern aufgerufenen Preise zahlen. Erst ab dem 13. Monat nach Zulassung gelten die zwischen den Herstellern und den Kassen vereinbarten Vergütungsbeiträge, die im Schnitt bei 221 Euro pro Quartal und damit bei weniger als der Hälfte der beliebig festgesetzten Herstellerpreise im ersten Jahr liegen, rechnet man beim Verband vor.

Kassen fordern ein Update

Dennoch sieht der GKV-Spitzenverband digitale Gesundheitsanwendungen nicht als komplett gescheitert an. Er fordert vielmehr ein Update. Nach Meinung der Verbandsverantwortlichen sollten lediglich DiGA mit nachgewiesenem Nutzen und echten Mehrwerten in das Verzeichnis aufgenommen werden, wobei die Zulassungsregeln und Rahmenbedingungen mit anderen Leistungsbereichen harmonisiert werden müssen. Zudem sollte das Gebot der Wirtschaftlichkeit gewahrt werden. Und DiGA müssten in die Versorgungspfade integriert werden. Dafür müsse das Digitalisierungspotenzial bei der Behandlung und der Vernetzung über Leistungssektoren hinweg genutzt werden.

Dass das Konzept der DiGA sowohl für die Leistungserbringer als auch, wie vom Verband unterstrichen, für die Leistungszahler noch nicht ausgereift ist, belegen auch Insolvenzen von DiGA-Anbietern, die in Punkto Wirtschaftlichkeit eben an den nach den 13. Monat verhandelten Vergütungsbeiträgen scheitern. Ob in den ersten zwölf Monaten zu euphorisch oder den anschließenden Monaten zu konservativ vergütet wird, hängt vermutlich davon ab, welche der beiden Parteien man befragt. Eine vor allem auf den Nutzen der Patienten ausgelegte Lösung scheint bisher noch nicht gefunden.

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