Ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Magdeburg hat ein innovatives Testverfahren entwickelt, das Nervenschäden und kognitive Störungen bei Diabetes frühzeitig erkennt. Die Methode kombiniert Smartphone-Spiele mit sensorgestützten Einlegesohlen.
Nervenschäden bleiben oft unerkannt
Jeder dritte Mensch mit Diabetes entwickelt Nervenschäden – doch viele bleiben lange unbemerkt. Die Folgen reichen von Kribbeln und Schmerzen bis hin zum vollständigen Gefühlsverlust an den Füßen. Bisherige Untersuchungsmethoden sind oft zeitaufwendig und fehleranfällig, da sie stark von der Erfahrung der Behandelnden abhängen. Ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Magdeburg hat deshalb ein neues Verfahren entwickelt, das auf spielerischen Testaufgaben und KI-gestützten Analysen basiert.
Sensorsohle trifft Videospiel
Die Methode ist ebenso einfach wie innovativ: Patientinnen und Patienten steuern Videospiele auf dem Smartphone durch Bewegungen, die mit einer sensorgestützten Einlegesohle erfasst werden. In zwei klinischen Studien mit insgesamt 329 Teilnehmenden untersuchten die Forschenden, ob diese Technik zuverlässige Diagnosen liefert.
Die zwölfminütigen Spiele erforderten unterschiedliche motorische und sensorische Fähigkeiten – etwa das Drücken virtueller Tasten oder das Navigieren einer Spielfigur durch präzise Gewichtsverlagerung. Die Ergebnisse wurden anschließend mit etablierten medizinischen Verfahren verglichen, darunter die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und der standardisierte MOCA-Test zur Kognition.
KI sorgt für Präzision
Die Studien zeigten, dass die spielerische Methode Nervenschäden und kognitive Beeinträchtigungen mit hoher Genauigkeit vorhersagen kann. Maschinelles Lernen soll das Verfahren künftig noch präziser machen. Studienleiter Prof. Dr. Peter Mertens sieht großes Potenzial: „Ein Nerven-TÜV, der sich mit jeder Untersuchung verbessert, könnte die Routine-Diagnostik revolutionieren.“
Integration in die Praxis
Aktuell arbeiten die Forschenden daran, die Technologie auf weitere Patientengruppen auszuweiten und die Algorithmen mit größeren Datenmengen zu optimieren. Langfristiges Ziel ist die Integration der Methode als Standardinstrument in die medizinische Praxis. Voraussetzung sei eine standardisierte Durchführung und eine geeichte Sensorik – genau wie bei einem echten TÜV, betont Prof. Mertens.
Die Studie wurde durch das Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Digitalisierung Sachsen-Anhalt sowie den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.



