Eine aktuelle Blitzumfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin zeigt: Fast jede zweite Notaufnahme in Deutschland ist so überlastet, dass die Patientensicherheit gefährdet ist.
Deutsche Notaufnahmen arbeiten am Limit. Das zeigt nun eine Blitzumfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA), die im Juli dieses Jahres unter 271 Krankenhäusern mit Notaufnahmen durchgeführt wurde. Demnach berichten 45 Prozent der Befragten, dass ihre Notaufnahme am Stichtag 2. Juli für mindestens zwei Stunden überlastet gewesen ist – eine sogenannte Überfüllung. 8,1 Prozent sprachen von einer schwerwiegenden Überlastung, 5,5 Prozent sogar von einer so kritischen Überlastung, dass eine individualmedizinische Versorgung nicht mehr möglich gewesen sei.
Aus 60,6 Prozent der Häuser wurde zudem ein sogenannter Exit-Block gemeldet. Das heißt, dass Patienten nach abschließender Behandlung in der Notaufnahme nicht auf eine Station verlegt werden konnten, weil keine Betten verfügbar waren.
Für PD Dr. Sara Sheikhzadeh, Chief Medical Offier der Asklepios Kliniken, zeigen die Ergebnisse, dass überlastete Notaufnahmen kein Problem einzelner Krankenhäuser sind, sondern eine strukturelle Herausforderung für die gesamte Notfallversorgung in Deutschland. „Sie entsteht beispielsweise dort, wo Rettungsdienst, ärztlicher Bereitschaftsdienst, ambulante Versorgung, Pflegeeinrichtungen und Kliniken nicht ausreichend miteinander verzahnt sind.”
Diese Einschätzung deckt sich mit weiteren Ergebnissen der Blitzumfrage. So meldeten fast ein Drittel der Notaufnahmen (32,1 Prozent) der Integrierten Leitstelle zwar eine Kapazitätserschöpfung, dennoch wurden 79,1 Prozent der Kliniken mit entsprechender Meldung weiter mit Notfallpatienten belegt.
Die Überlastung ist allerdings auch auf personelle Engpässe zurückzuführen. Nahezu zwei Drittel (63,1 Prozent) der Notaufnahmen berichteten von unbesetzten Stellen im ärztlichen Dienst und/oder in der Pflege – etwa ebenso viele (65,7 Prozent) gaben an, Personal durch akute Krankheitsausfälle verloren zu haben.
Insbesondere diese Zahlen unterstreichen laut DGINA die Notwendigkeit stabiler Personalstrukturen. Im Rahmen der Befragung hielten nur 31,8 Prozent der Notaufnahmen die pflegerische und ärztliche Personalausstattung für ausreichend.
Bei Asklepios verweist man auf die geplante Notfallreform der Bundesregierung, die zentrale Forderungen der Kliniken aufgreife, etwa eine stärker vernetzte, digitale und standardisierte Notfallversorgung sowie eine bessere Steuerung von Patienten über Gesundheits- und Akutleitstellen. Auch die DGINA fordert, dass Hilfesuchende zunächst verbindlich Kontakt zu einer Leitstelle aufnehmen sollen.



