Deutschlandweit einzigartiges Modellprojekt

by | Feb 1, 2024

So könnte die MGU im Saarland künftig aussehen

Anhoren

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Über acht Millionen Euro an Fördergeldern bekommt die Universität des Saarlandes für ihre fahrende High-Tech-Diagnostik, die beispielsweise Pflegeheime anfahren soll.

 

Wenn die Patienten nicht zur Diagnostik kommen können, muss die Diagnostik eben zu den Patienten kommen, denkt man sich im Saarland. Dafür sorgen soll ein mit modernster Medizintechnik ausgestattetes Fahrzeug, das beispielsweise die 160 Pflegeheime mit ihren rund 9.000 Bewohnern anfahren soll. Für das bundesweit einmalige Modellprojekt erhalten die Universität des Saarlandes, das Universitätsklinikum und mehrere Partner über acht Millionen Euro Fördergelder.

„Der Transport in die Klinik und die fremde Umgebung sind für Menschen in Pflegeheimen sehr belastend und führen häufig zu weiteren Komplikationen wie Verwirrtheitszustände, Depressionen oder Wundliegen“, sagt Klaus Faßbender, Professor für Neurologie der Universität des Saarlandes und Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes. Um das Leid der Patienten zu lindern und die Notaufnahmen der Kliniken zu entlasten, hat Professor Faßbender ein umfangreiches Konzept für die mobile Diagnostik von Pflegeheimbewohnern erarbeitet.

Gemeinsamer Bundesausschuss überzeugt

Und dieses Konzept hat nun den Gemeinsamen Bundesausschuss überzeugt: Das höchste Gremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen beauftragte jetzt den Medizinprofessor damit, im Rahmen eines dreijährigen innovativen medizinischen Versorgungsmodells ein passendes Fahrzeug mit technischer Diagnostik zu entwickeln und es an saarländischen Pflegeheimen testweise einzusetzen. Dafür wurden insgesamt über acht Millionen Euro Fördermittel bereitgestellt.

„Wir werden jetzt einen LKW mit einem Computertomographen, einem Röntgen- und Ultraschallgerät, einem EEG- und EKG-Gerät sowie einem Labor ausstatten. Konzepte wurden im Vorfeld mit einer Homburger Firma ausgearbeitet. Diese sogenannte „Mobile Geriatrie Unit“ (MGU) wird künftig von Fachärzten, Medizinisch-Technischen Radiologie- Assistenten und Rettungssanitätern begleitet“, erklärt Faßbender. Die in dem Spezialfahrzeug erhobenen Daten werden über eine geschützte mobile Übertragung direkt an Spezialisten für Radiologie, Innere Medizin und Geriatrie sowie Neurologie und Orthopädie im Universitätsklinikum übermittelt.

Dort wertet das Fachpersonal dann die Befunde aus und stellt sie zeitnah den überweisenden Hausärzten zur Verfügung, damit diese ihre Patienten im Pflegeheim weiter versorgen können. „Wir stärken damit die Haus- und Fachärzte vor Ort und entlasten die Krankenhäuser, die damit mehr Zeit für schwerwiegendere Notfälle haben“, unterstreicht Initiator Faßbender. Bis Sommer dieses Jahres sollen alle technischen und rechtlichen Hürden genommen sein, damit das Fahrzeug einsatzbereit ist.

Wissenschaftliche Erkenntnisse für die Regelversorgung

„Während der dreijährigen Laufzeit wird das Projekt wissenschaftlich begleitet, um den medizinischen und ökonomischen Nutzen als Basis für eine zukünftige Übernahme in die Regelversorgung zu evaluieren“, erläutert Michael Menger, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität. Unterstützt wird das Modellprojekt mit dem Namen „DIKOM – Diagnostik und Konsil im Pflegeheim mittels Mobiler Geriatrie Unit“ durch die Saarländischen Pflegegesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung, alle im Saarland tätigen Kranken- und Pflegekassen sowie die verschiedenen Institute der Universitätsklinik. Projektträger ist die Universität des Saarlandes, der gesamte innovative Versorgungsprozess wird vom Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (ISO) sowie dem Berliner Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav) wissenschaftlich begleitet.

Dazu erklärt Jakob von Weizsäcker, Minister der Finanzen und für Wissenschaft des Saarlandes: „Die Idee von Professor Faßbender und seinem Team ist einfach und bestechend: Wenn Menschen im Alter nicht mehr mobil sind, dann machen wir die Hochleistungsdiagnostik mobil und bringen sie zu den Menschen. Die Förderzusage des Gemeinsamen Bundesausschusses über acht Millionen Euro unterstreicht das Potenzial dieses Ansatzes zum Beispiel für Pflegebedürftige.“

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