Das Vertrauen der Menschen im Land in Wissenschaft und Forschung ist stabil, zeigt das Wissenschaftsbarometer 2024 der gemeinnützigen Organisation Wissenschaft im Dialog.
Es sind gute Neuigkeiten, die die Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers 2024 der Wissenschaft im Dialog gGmbH (WiD) aufzeigen: Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent zu 56 Prozent im Vorjahr) gibt an, Wissenschaft und Forschung voll und ganz zu vertrauen. Außerdem fühlen sich die Menschen informiert. Der Anteil an Befragten, die sich eher nicht oder gar nicht über Wissenschaft und Forschung informiert fühlen, ist von 35 Prozent (2014) auf 17 Prozent (2024) zurückgegangen. Bei der Frage nach der Wissenschaftsfreiheit ist die Meinung allerdings geteilt. 45 Prozent der Menschen in Deutschland geben an, dass es hierzulande eher gut oder sehr gut um die Wissenschaftsfreiheit steht. Ein fast ebenso großer Anteil (39 Prozent) hält die Wissenschaftsfreiheit für teils, teils gegeben.
Einflussnahme wird wahrgenommen
Eine mögliche Gefahr für die Wissenschaftsfreiheit liegt nach Ansicht der Bevölkerung im Einfluss von Wirtschaft und Politik auf die Wissenschaft. Zwei Drittel sind der Meinung, dass der Einfluss der Wirtschaft eher oder viel zu groß ist. 57 Prozent der Befragten sagen dies über den Einfluss der Politik auf die Wissenschaft. Zudem wurden die Bundesbürger erstmal auch zu verschiedenen Szenarien befragt, die Wissenschaftler daran hindern könnten, frei über ihre Forschung zu sprechen. Die Gefahr, dass Forschenr hierzulande für ihre Forschung angegriffen werden, zum Beispiel über soziale Medien, wird als besonders hoch eingeschätzt. 69 Prozent der Befragten halten dies für eher oder sehr wahrscheinlich. Auch der Einfluss von Wirtschaft und Politik spielt für die Befragten eine erhebliche Rolle. 61 Prozent sehen es als eher oder sehr wahrscheinlich an, dass Geldgeber aus der Wirtschaft Forschenden vorschreiben, was sie kommunizieren dürfen. In Bezug auf Mittelgeber aus der Politik sind 55 Prozent der Befragten dieser Meinung. Außerdem halten 60 Prozent es für eher oder sehr wahrscheinlich, dass Journalisten Forschungsergebnisse verzerrt wiedergeben. Mit 62 Prozent stimmen mehr Menschen als in den Vorjahren (2023: 54 Prozent, 2022: 56 Prozent) der Aussage zu, dass Forscher aufgrund ihrer starken Abhängigkeit von Geldgebern nicht vertrauenswürdig seien.
„Der Einfluss von Wirtschaft und Politik auf die Wissenschaft wird von vielen in der Bevölkerung als maßgeblicher Faktor wahrgenommen, der eine freie Forschung und die öffentliche Kommunikation über Forschungsergebnisse in Deutschland beeinträchtigt“, sagt Dr. Benedikt Fecher, Geschäftsführer von Wissenschaft im Dialog. Wolle die Wissenschaft diesem Eindruck entgegenwirken, brauche es eine Wissenschaftskommunikation, die transparent macht, wie und unter welchen Rahmenbedingungen Ergebnisse zustande kommen.
Mehr Mitbestimmung gewünscht
Zwei Drittel der Befragten geben außerdem an, dass sie es wichtig finden, dass Bürger in die Entscheidung über neue Forschungsthemen einbezogen werden (2017: 56 Prozent). Das Interesse an einer aktiven Teilnahme scheint dagegen weniger hoch zu sein: 43 Prozent der Befragten geben an, dass sie gerne einmal in einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt mitforschen und 40 Prozent, dass sie an einem Diskussionsformat mit Wissenschaftlern teilnehmen würden. Interessante Unterschiede werden mit Blick auf das formale Bildungsniveau deutlich: Personen mit hohem formalen Bildungsniveau haben genau so viel Interesse daran, dass Bürger in Entscheidungen mit einbezogen werden, wie daran, selbst aktiv zu werden. Menschen mit geringerem formalen Bildungsniveau finden es im Vergleich zwar wichtiger, die Bevölkerung bei Entscheidungen zu Forschungsthemen miteinzubeziehen, sie sind aber deutlich weniger daran interessiert, auch selbst aktiv zu werden.
Prof. Dr. Julia Metag, Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität Münster und Beiratsmitglied des Wissenschaftsbarometers, sagt dazu: „Wir sehen ähnliche Ergebnisse in anderen Ländern, wie zum Beispiel der Schweiz. Sowohl das Interesse, sich aktiv in Forschungsprojekte einzubringen, als auch daran, über Forschungsthemen mitzuentscheiden, kann man als einen Wunsch nach Beteiligung verstehen. Aber die Ergebnisse zeigen auch, dass die Art der Partizipation an Wissenschaft je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedlich gedacht werden kann.”
Das Wissenschaftsbarometer ist eine bevölkerungsrepräsentative Meinungsumfrage. Es betrachtet seit 2014 die Einstellungen der Bürger in Deutschland gegenüber Wissenschaft und Forschung. Die Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers 2024 basieren auf 1.005 Telefoninterviews (Verhältnis Festnetz/Mobilfunk 80:20), die vom 27. bis 30. Juli 2024 im Rahmen einer Mehrthemenumfrage von Verian – im Auftrag von Wissenschaft im Dialog – geführt wurden. Als Grundgesamtheit diente die deutschsprachige Wohnbevölkerung in Privathaushalten ab 14 Jahren. Das Wissenschaftsbarometer 2024 ist ein Projekt von Wissenschaft im Dialog. Förderer und Unterstützer sind die Carl-Zeiss-Stiftung, die Klaus Tschira Stiftung und die Fraunhofer-Gesellschaft.



