Immer mehr Menschen greifen zu Einschlafhilfen – viele davon verschreibungspflichtig. Vor allem die jüngere Generation braucht Medikamente zum Schlafen, zeigt eine Studie der Pronova BKK.
Vier von zehn Deutschen greifen zu Medikamenten und anderen Hilfsmitteln, damit sie besser schlafen. Das zeigt nun die repräsentative Schlafstudie 2024 der Pronova BKK. Demnach ist der Einsatz von (Ein)Schlafunterstützung vor allem bei der jüngeren Generation hoch. Hier greifen rund 60 Prozent zu Medikamenten. Damit bekommen doppelt so viele jüngere wie ältere Menschen Heilmittel für eine bessere Nachtruhe verordnet. Der Studie zufolge nehmen vier von zehn der 18- bis 29-Jährigen zumindest ab und zu auch verschreibungspflichtige Präparate ein – der höchste Wert unter allen Altersgruppen. Der durchschnittliche Wert der Gesamtbevölkerung liegt bei 22 Prozent. Bei den 60- bis 69-Jährigen liegt dieser Anteil bei lediglich zehn Prozent.
Laut Dr. med. Gerd Herold, Beratungsarzt der Pronova BKK, deuten die Daten darauf hin, dass 18- bis 29-Jährige bei Schlafproblemen vorschnell zu Medikamenten greifen, ohne über mögliche Risiken nachzudenken. „Es wäre daher wichtig, junge Erwachsene besser über gesunde Schlafgewohnheiten und Alternativen zu Medikamenten zu informieren.”
Hohes Risiko für Abhängigkeit
Wer Medikamente zum Einschlafen nimmt, tut dies meist über einen längeren Zeitraum. Mehr als jeder zweite Befragte, der ein verschreibungspflichtiges Schlafmittel nutzt, verwendet es seit mindestens einem Jahr. Rund jeder Fünfte nimmt es sogar schon seit mehr als vier Jahren. Deshalb warnt Herold: „Verschreibungspflichtige Schlafmittel sind eine ernstzunehmende Maßnahme und sollten gezielt eingesetzt werden. Benzodiazepine wie etwa Valium helfen zwar gegen Schlafstörungen, machen aber abhängig. Das gilt vor allem, wenn sie über mehrere Wochen eingenommen werden. Sie sollten daher – wenn überhaupt – nur kurze Zeit und unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.”
Auch pflanzliche Schlafmittel beliebt
Zum Glück möchte da man sagen, sind bei den Deutschen aber vor allem pflanzliche Schlafmittel wie Baldrian, Passionsblume, Melisse oder Hopfen beliebt, um besser schlafen zu können. 29 Prozent der Befragten nehmen solche Phytopharmaka und Nahrungsergänzungsmittel, die rezeptfrei in Apotheken, Drogerien und Supermärkten erhältlich sind. „Pflanzliche Schlafmittel sind in der Regel gut verträglich und machen nicht abhängig”, freut sich auch Beratungsarzt Herold. Fast genauso viele Deutsche greifen zu melatoninhaltigen Produkten. Auch sie sind in niedriger Dosierung rezeptfrei in Apotheken und Drogerien erhältlich.
Vor dem Einschlafen: fernsehen, lesen oder Sex
Medikamente sind ein Weg, um den Schlaf zu unterstützen. Doch auch Abendrituale haben großen Einfluss auf die Schlafqualität. Welche Gewohnheiten Frauen und Männer bevorzugen, auch darüber gibt die Studie Aufschluss. Gemeinsam haben beide die Vorliebe für das Fernsehen: Rund jeder zweite Deutsche sieht vorm Schlafengehen fern. Etwa ein Viertel liest ein Buch, vor allem Frauen. Sie haben mit 32 Prozent die Nase vorn. Nach dem Fernsehen folgt bei den Männern Sex mit 22 Prozent, bei den Frauen sind es nur neun Prozent. Kuscheln ist mit 17 Prozent bei Frauen und Männern gleich beliebt. Kaum Unterschiede gibt es beim Rauchen, das zwölf Prozent der Männer und elf Prozent der Frauen als Ritual vorm Schlafengehen nennen. Schokolade genießen jeweils acht Prozent. Auf die heiße Milch mit Honig schwören nur drei Prozent.


