Deutsche Stiftung Organspende: Deutschland auf den hinteren Plätzen

von | Jan. 10, 2025

Anhoren

Teilen

 

Die Deutsche Stiftung Organspende zieht mit 11,4 Organspenden pro Million Einwohner auch 2024 keine gute Bilanz.

 

Gerade einmal 953 Menschen haben im vergangenen Jahr nach ihrem Tod Organe gespendet. 2023 waren es mit 965 Menschen nur minimal mehr Spender. Damit kommt Deutschland auch 2024 lediglich auf 11,4 Spender pro Million Einwohner, rechnet die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) vor, womit wir „einen der hinteren Plätze belegen“.

Die Summe der in Deutschland postmortal entnommenen Organe, die über die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant nach festgelegten medizinischen Kriterien verteilt und schließlich hierzulande oder im Ausland transplantiert werden konnten, lag bei 2.854 (2023: 2.877). Dazu zählten 1.391 Nieren, 785 Lebern, 315 Herzen, 290 Lungen, 71 Bauchspeicheldrüsen und 2 Därme. Die Zahl der organspendebezogenen Kontakte ist im vergangenen Jahr nur leicht von 3.422 auf 3.480 gestiegen. Dies sind die Fälle, in denen sich die Kliniken an die DSO gewendet haben, um über eine mögliche Organspende zu sprechen.

Lage bleibe dramatisch

Dass man angesichts dieser Zahlen nicht zufrieden sein kann, betont auch der medizinische Vorstand der DSO, Dr. med. Axel Rahmel: „Die Lage der Patientinnen und Patienten, die dringend auf eine Organspende warten, bleibt dramatisch.“ Die Organtransplantation sei eine etablierte Therapie. In vielen Fällen, in denen Organe unwiederbringlich versagen, ist sie sogar die einzige Chance auf ein Überleben. „Transplantationen sind aber nur möglich, wenn Menschen bereit sind, Organe nach ihrem Tod zu spenden. Es ist daher eine unerträgliche Situation, dass wir zwar die medizinischen Möglichkeiten haben, Leben zu retten, uns aber die Organe dafür fehlen.”

In den 43 deutschen Transplantationszentren wurden im vergangenen Jahr insgesamt 3.013 Organe nach postmortaler Spende aus Deutschland und dem Eurotransplant-Verbund übertragen (2023: 2.986). Damit wurde bundesweit insgesamt 2.902 schwer kranken Patienten durch ein oder mehrere Organe eine bessere Lebensqualität oder sogar ein Weiterleben geschenkt (2023: 2.866). Gleichzeitig stehen in Deutschland 8.260 Menschen auf den Wartelisten für eine Organübertragung.

Vor diesem Hintergrund würdigt Rahmel die Organspende als selbstlosen Akt der Solidarität: „Den Organspendern und ihren Familien gebührt großer Dank und Anerkennung für ihre Bereitschaft, anderen Menschen mit einer Organspende zu helfen.”

Mehr Aufklärung nötig

Gleichzeitig appelliert der Mediziner an die medizinischen Fachkräfte in den Kliniken, an die Organspende zu denken. Denn mögliche Organspender, etwa auf Intensivstationen, zuverlässig zu erkennen, sei der erste und entscheidende Schritt im Prozess. „Hierzu leisten viele Transplantationsbeauftragte und weitere ärztliche und pflegerische Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern eine engagierte Arbeit mit großer Kompetenz. Dazu gehört auch eine empathische Begleitung und transparente Aufklärung der Angehörigen”, betont Rahmel.

Der Appell der DSO geht deshalb auch in Richtung Bevölkerung, die es in der Hand habe, zu Lebzeiten eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen und diese auch festzuhalten – etwa im Organspenderegister. „Nur bei 15,3 Prozent der möglichen Organspender war 2024 ein schriftlicher Wille vorhanden. Bei diesen lag die Einwilligungsrate bei 75,4 Prozent. Mussten die Angehörigen hingegen nach eigenen Wertvorstellungen entscheiden, lag die Zustimmungsrate wohl aus Unsicherheit in der belastenden Situation nur bei 25,4 Prozent”, zitiert Rahmel die aktuellen Zahlen.

Bedauern äußert man bei der DSO, dass die Initiative von Bundesrat und einer großen Gruppe von Abgeordneten des Bundestages zur Einführung der Widerspruchsregelung in Deutschland durch die Neuwahlen in dieser Legislaturperiode offensichtlich nicht weiterverfolgt wird. Die Einführung einer Widerspruchsregelung sei zwar keine magische Maßnahme, die zu einem sprunghaften Anstieg der Spenderzahlen führe, könne aber mit anderen strukturellen Veränderungen sehr wohl etwas bewirken.

Von den Erfahrungen anderer Länder weiß man, dass eine Widerspruchsregelung die Organspende in das Bewusstsein der Bevölkerung ruft und ein klares Signal sende, dass Gesellschaft und Politik dahinterstehen. Dieser aktuelle Rückschlag in der Diskussion um die Widerspruchsregelung dürfe nicht von den anderen wichtigen Maßnahmen zur Förderung der Organspende ablenken, betont Rahmel: „Die Aufklärung der Bevölkerung und die Schulung der Mitarbeitenden in den Kliniken bleibt eine zentrale Aufgabe, um alle potenziellen Organspenderinnen und Organspender zu identifizieren, Organspenden zu realisieren und so den Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten mit einem Spenderorgan rechtzeitig helfen zu können.”

Das könnte Sie auch interessieren