Zum Weltgesundheitstag am 7. April hat das Statistische Bundesamt Destatis die Gesundheitsausgaben 2024 einmal genauer beleuchtet. Die Kurzfassung: Anstiege überall.
Die Bundesregierung ist dran an tiefgreifenden Reformen im Gesundheitswesen, die gerade nach dem Bericht der Finanzkommission Gesundheit für viel Diskussionsstoff sorgen. Vor allem jene Verbände, deren Mitglieder von potenziellen Einsparungen betroffen sind, protestieren aktuell lautstark.
Dass dringend gespart werden muss, unterstreicht heute der Bericht des statistischen Bundesamtes Destatis zu den Gesundheitsausgaben in Deutschland. Die beliefen sich 2024 nämlich auf 538,2 Milliarden Euro. Das entspricht 6.444 Euro je Einwohnerin und Einwohner. Destatis rechnet außerdem vor, dass das erneut ein Anstieg von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr war. Die Gesundheitsausgaben waren 2023 um 37,9 Milliarden Euro niedriger. Damit leistet sich Deutschland mittlerweile Gesundheitsausgaben mit einem Anteil von 12,4 Prozent am Bruttoinlandsprodukt, 0,6 Prozentpunkte mehr als 2023.
In 30 Jahren verdreifacht
Destatis ist anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April tiefer in die Gesundheitsausgaben eingetaucht und die Ergebnisse zeigen: In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Gesundheitsausgaben verdreifacht. 1994 lagen sie noch bei 175,3 Milliarden Euro, was 2.161 Euro pro Person oder einem BIP-Anteil von 9,5 Prozent entspricht.
Dass neben medizinischem Fortschritt auch der demografische Wandel zu diesem starken Anstieg geführt hat, zeigen die Ausgaben für die soziale Pflegeversicherung. 2024 ist die im Vergleich zum Vorjahr und zu allen Ausgabenträgern am stärksten angestiegen. Plus 11,3 Prozent oder 6,5 Milliarden auf 64,7 Milliarden Euro. Destatis führt den Anstieg auf weiter steigenden Kosten im Zusammenhang mit Pflegegeld und Pflegesachleistungen sowie die Leistungszuschläge für vollstationäre Eigenanteile nach § 43c SGB XI zurück. Der Anteil der sozialen Pflegeversicherung an den Gesundheitsausgaben entsprach 12 Prozent.
GKV schultert den Großteil der Kosten
Mit Blick auf die Ausgabenträger hat die gesetzliche Krankenversicherung den größten Ausgabenanteil in Höhe von 55,9 Prozent. 2024 waren das 300,8 Milliarden Euro und damit 7,8 Prozent oder 21,7 Milliarden Euro mehr als 2023. Private Haushalte und private Organisationen ohne Erwerbszwecke schulterten 2024 65 Milliarden Euro der 12,1 Prozent der Kosten. Damit liegen sie noch vor den privaten Krankenkassen. Auch für sie sind die Kosten im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent oder 3,3 Milliarden Euro gestiegen.
Private Krankenversicherungen zahlten insgesamt 44,8 Milliarden Euro der Gesundheitsausgaben in 2024 Das ist ein Anteil von 8,3 Prozent und ein Anstieg um 9,7 Prozent oder 3,9 Milliarden Euro.
Ambulant vor stationär
Auf den ambulanten Sektor – der umfasst in der Destatis-Rechnung sowohl Praxen als auch Apotheken – entfielen 2024 48,2 Prozent der Ausgaben, was einer Summe von 259,4 Milliarden Euro entspricht. Stationäre Einrichtungen – also Kliniken, aber auch stationäre Pflege- oder Rehaeinrichtungen – machten 197,7 Milliarden Euro oder 36,7 Prozent aller Kosten aus.
Im Vergleich zum Vorjahr seien aber in fast allen Einrichtungen die Gesundheitsausgaben deutlich gestiegen. Lediglich in der Einrichtung Gesundheitsschutz, zu der unter anderem die Gesundheitsämter, das Robert Koch-Institut (RKI) und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) zählen, war nochmals ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Milliarden Euro (-18,5 Prozent) auf 5,9 Milliarden Euro festzustellen. Hintergrund sind im Jahr 2023 noch weiterhin geleistete Corona-Ausgaben, die 2024 nahezu vollständig entfielen. Ein Vergleich mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 zeigt jedoch beim Gesundheitsschutz den stärksten prozentualen Anstieg aller Einrichtungen der vergangenen fünf Jahre. Dieser lag bei 61,5 Prozent oder 2,2 Milliarden Euro. Maßgeblich hierfür sind die unternommenen Anstrengungen, unter anderem durch den Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst, den Gesundheitsschutz zu stärken.
Und die Tendenz bleibt – wenig überraschend – steigend: Für das Jahr 2025 wird auf Basis bereits vorliegender und fortgeschriebener Werte ein weiterer deutlicher Anstieg der Gesundheitsausgaben auf 579,5 Milliarden Euro geschätzt. Das wären 41,3 Milliarden Euro oder 7,7 Prozent mehr als im Jahr 2024.


