Der australische Weg

by | Feb 6, 2024

Anhoren

Teilen

Seit einem Jahr ergreift die australische Regierung Maßnahmen, um die Menschen finanziell zu entlasten und gleichzeitig die Gesundheitsversorgung zu verbessern – mit Erfolg, wie eine erste Bilanz zeigt.

 

Während die USA noch händeringend nach einer Antwort auf ihre exorbitant hohen Gesundheitskosten suchen, scheint der australische Premier Anthony Albanese eine gefunden zu haben. Zahlen belegen, dass die Australier dank der im vergangenen Jahr gestarteten Maßnahmen rund 250 Millionen australische Dollar bei Medikamenten eingespart haben.

Das ist zum einen auf Änderungen am Pharmaceutical Benefits Scheme (PBS) zurückzuführen. Hier hatte die Regierung zum ersten Mal in der 75-jährigen Geschichte des PBS die Höchstkosten für verschreibungspflichtige Medikamente gesenkt. Darauf entfällt der Großteil der 2023 eingesparten Kosten, nämlich rund 240 Millionen Dollar.

Seit September 2023 kommen dann noch die sogenannten 60-Tage-Rezepte hinzu, wo Ärzte bei ausgewählten PBS-Medikamenten quasi ein Two-for-One verschreiben dürfen. Die doppelte Ration an Medikamenten zum Vorzugspreis, wenn es denn der Gesundheitszustand zulässt. Das macht vor allem bei Langzeitmedikamenten Sinn und hat in nur knapp drei Monaten für Einsparungen von über 7,2 Millionen Dollar gesorgt. Zwischen September und Dezember 2023 wurden fast zwei Millionen 60-Tage-Rezepte ausgegeben. Und da die Zahl der Medikamente, die als 60-Tage-Rezepte erhältlich sind, bis September dieses Jahres auf 300 steigen wird, werden die Einsparungen weiter zunehmen, glaubt man in Australien.

„Mit billigeren Medikamenten unterstützen wir Millionen von Australiern mit chronischen, andauernden Erkrankungen, damit sie nicht zwischen Gesundheitsversorgung und Bezahlung der Rechnungen wählen müssen“, betont der australische Gesundheitsminister Mark Butler.

Apotheken sind wichtige Stütze

Die Regierung Albanese hat auch die PBS-Sicherheitsnetzschwelle gesenkt, so dass mehr Rentner und Inhaber von Ermäßigungsscheinen in Zukunft deutlich früher kostenlose Arzneimittel erhalten. Dadurch konnten die jährlichen Arzneimittelkosten für diese zwei Millionen Australier um bis zu 25 Prozent gesenkt werden, heißt es in einem Statement.

Zudem hat die Regierung die Rolle der Apotheken für das Gesundheitssystem erkannt – insbesondere in den ländlichen und abgelegenen Teilen des Landes. Damit sie diese Rolle auch weiterhin wahrnehmen können, flossen zwischen Juli und Dezember 2023 26 Millionen Dollar Förderung an die Apotheken.

„Wir wissen, dass die wirtschaftliche Situation auch für die Australier schwierig ist, weshalb wir die Lebenshaltungskosten senken, ohne die Inflation zu erhöhen“, betont Premier Anthony Albanese.

Der Blick nach Australien lohnt sich aus europäischer Sicht vor allem aber auch deshalb, weil er zeigt, dass Gesundheitspolitik gerade in Flächenländern anders gedacht und organisiert werden muss. Und wenn das heißt, dass Apotheken einen Teil der Versorgungsleistungen übernehmen können und wollen, sollte es vielleicht auch hierzulande als positives Beispiel gewertet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Pilotprojekt ErwiN gestartet

Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern schließen sich zusammen, um neue Wege für die medizinische und pflegerische Versorgung älterer und chronisch kranker Menschen zu finden.

Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern schließen sich zusammen, um neue Wege für die medizinische und pflegerische Versorgung älterer und chronisch kranker Menschen zu finden.

da Vinci-Single-Port und neue Professur in Mainz

Die Universitätsmedizin Mainz baut ihre Robotik-gestützte Chirurgie weiter aus und ist damit die erste Universitätsklinik in Deutschland, die über das da Vinci Single-Port-System verfügt.