Das Oxford-Rezept: Neuer Report zur Zukunft des Gesundheitswesens

by | May 23, 2024

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Forscher der Oxford University haben in Zusammenarbeit mit Citi Global Perspectives & Solutions einen umfassenden Report über die Zukunft der Gesundheitsversorgung veröffentlicht.

 

Der Druck auf die Gesundheitssysteme weltweit steigt. Aus diesem Grund haben Forscher der britischen Oxford University in Zusammenarbeit mit Citi Global Perspectives & Solutions (Citi GPS) den Report ‘The Future of Healthcare: The Oxford Prescription’ veröffentlicht, in dem die dringendsten Gesundheitsthemen adressiert werden. Zu den im Report diskutierten Lösungen gehören die Umstrukturierung der Gesundheitsversorgung, der Einsatz digitaler Technologien im Gesundheitswesen sowie die Vorbereitung auf künftige Krankheitsausbrüche und Pandemien. Der Bericht erkennt auch an, dass sowohl weltweit als auch innerhalb des Vereinigten Königreichs und der USA nach wie vor erhebliche Ungleichheiten bei den Gesundheitsergebnissen bestehen. Zudem erörtern die Autoren die Auswirkungen dieser Ungleichheiten und mögliche Wege zu ihrer Beseitigung.

Eine zentrale Erkenntnis im Report: Die Gesundheitskosten sind in den letzten Jahren exorbitant gestiegen. Vor allem die Ausgaben der Industrienationen für ihre jeweiligen Gesundheitssysteme prozentual zum Bruttoinlandsprodukt zeigen diesen Anstieg. Deutschland ist einer der Spitzenreiter, wo die Kosten um etwa die Hälfte von knapp acht Prozent des BIP 1990 auf rund zwölf Prozent in Jahr 2020 gestiegen sind.

Gesundheitskosten in ausgewählten Industrienation in Prozent des BIP

Sechs Handlungsfelder identifiziert

Um vor allem auch dieser Kostenspirale zu entkommen, adressiert der Report sechs konkrete Handlungsfelder:

  1. Der Einsatz neuer Technologien, um medizinische Probleme so früh wie möglich anzugehen
  2. Eine Umstrukturierung des Gesundheitswesens mit einem stärkeren Fokus auf eine proaktive Primärversorgung
  3. Ein höherer Digitalisierungsgrad, wobei hier auch Grenzen anerkannt werden müssen
  4. Eine bessere Arzneimittelentwicklung für große Bevölkerungsgruppen durch intelligente klinische Studien
  5. Die Einführung zielführender Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, insbesondere mit Blick auf Übergewicht und Fettleibigkeit
  6. Eine bessere Vorbereitung auf künftige Krankheitsausbrüche und Pandemien

Dazu sagt Richard Hobbs, Nuffield Professor of Primary Care at the University of Oxford: „Die produktivsten Gesundheitssysteme haben die höchsten Investitionen in die Primärversorgung. Das ist nicht verwunderlich, denn Krankenhäuser können sich nur in begrenztem Maße mit der Gesundheitsvorsorge befassen. Krankenhäuser können Krankheiten nicht frühzeitig erkennen und keine Vorsorgeuntersuchungen in der Allgemeinbevölkerung durchführen.“ Und auch Prävention sei wichtig, unterstreicht sein Kollege John Powel, Professor für öffentliche und digitale Gesundheitsfürsorge: „Wenn wir jeden Menschen dazu bringen könnten, mehr Sport zu treiben, mit dem Rauchen aufzuhören und sich gesünder zu ernähren, wäre das meiner Meinung nach viel effektiver, als sich über sein Genom Gedanken zu machen.“

Herausforderung demografischer Wandel

Bei Citi war die Intention vor allem, einen Report zu veröffentlichen, der praxisorientiert ist, erklärt Adam Spielman, Head of Future of Health, Citi Global Insights: „Das Besondere am Oxford-Rezept ist, dass es wirklich darauf eingeht, wie diese Dinge erreicht werden können. Viele der von uns befragten Professoren sind sogar an der Entwicklung einiger der Schlüsseltechnologien beteiligt, die die Umsetzung in die Praxis ermöglichen werden.“ Und sein Kollege Andrew Pitt, Head of Global Insights and Content, ergänzt: „Angesichts der Tatsache, dass die Lebenserwartung in vielen westlichen Ländern in den letzten 15 Jahren stagniert, die Fettleibigkeit in der Bevölkerung erschreckend zugenommen hat und sich die Gesundheitskosten im Verhältnis zum BIP in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt haben, gibt es viele Herausforderungen bei der Revolutionierung des Gesundheitswesens.“

Ein neuer Ansatz für die Gesundheitsversorgung könne durch die Anwendung und Weiterentwicklung des bereits vorhandenen Wissens und durch eine ganzheitliche Betrachtung der Gesundheitssysteme umgesetzt werden. Viele Gesundheitssysteme funktionieren heute immer noch weitgehend so, dass Probleme behandelt werden, das sei der falsche Ansatz, attestierten die Macher des Reports.

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