Das Image des deutschen Gesundheitswesens bröckelt

by | Feb 14, 2024

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Die Gesundheitsversorgung in Deutschland hat nicht mehr denselben Stellenwert wie vor einigen Jahren. Das kommt auch in der Bevölkerung immer mehr an, wie das Healthcare Barometer 2024 von PwC zeigt.

 

Dass im deutschen Gesundheitswesen dieser Tage einiges im Argen ist, geht auch an den Menschen in Deutschland nicht spurlos vorbei. Das legt zumindest das Healthcare Barometer 2024 der Unternehmensberatung PwC nahe. Lediglich 52 Prozent der Deutschen zählen es noch zu den drei besten Systemen der Welt. Damit ist die Zufriedenheit auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Befragungen gesunken. Gegenüber dem Vorjahr hat sich dieser Wert um fünf Prozentpunkte verringert. Im Jahr 2020 – zur Hochphase der Pandemie – lag die Zustimmung noch bei 72 Prozent. Dabei fällt auf, dass die Bewertung stark vom Alter abhängt: Jüngere Generationen (18 bis 34 Jahre) urteilen weniger kritisch als ältere Patienten (ab 55 Jahre), die mehr Berührungspunkte mit dem Gesundheitswesen haben.

„Die Zahlen spiegeln eine hohe Unsicherheit in der Bevölkerung wider. Die Menschen hören, dass Fachkräfte fehlen, Medikamente nicht erhältlich sind und Ärzte streiken. Alle das hat Auswirkungen auf das Vertrauen in unser Gesundheitswesen, das dringend wieder gestärkt werden muss“, sagt Roland Werner, Leiter der Gesundheitswirtschaft & Pharma bei PwC Deutschland.

Ob Lauterbachs diverse Reformen diese Unsicherheit nehmen können, bleibt indes fraglich. Denn lediglich acht Prozent der Befragten sagen, sie seien zuversichtlich, dass die geplanten Reformen das deutsche Gesundheitswesen voranbringen werden. 25 Prozent sind eher zuversichtlich, 62 Prozent zweifeln, dass es nach den Reformen besser wird. Auch hier sind die älteren Generationen skeptischer.

Fachkräftemangel größte Baustelle

Was die Menschen im Land besonders spüren, ist der Fachkräftemangel. Nach den größten Herausforderungen im Gesundheitswesen befragt, gaben 75 Prozent fehlendes Personal als Antwort, gefolgt von der Sicherstellung der Versorgungsqualität (51 Prozent), Defiziten im ländlichen Raum (47 Prozent) sowie der Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems (44 Prozent).

Auch mit der ärztlichen Behandlung sind nur noch 35 Prozent der Befragten zufrieden. 2021 waren es noch 43 Prozent. Hier ist die mangelnde Zeit der Mediziner der Hauptkritikpunkt. Auch deshalb würden 57 Prozent der Befragten eine Videosprechstunde nutzen. 72 Prozent wären froh, wenn sie sich bei leichten Infekten den Gang zum Arzt dank Videosprechstunde sparen könnten.

Krankenhausversorgung weiterhin ok

Mit der Versorgung in den Kliniken ist die Mehrheit der Deutschen zufrieden. 52 Prozent bezeichnen sie als gut oder sehr gut. Damit sinkt die Zufriedenheit wieder leicht auf das Niveau vor der Corona-Pandemie. Wenn es um die Wahl des passenden Krankenhauses geht, ist nach wie vor die Empfehlung der Hausärzte entscheidend, sagen 50 Prozent der Befragten – weit vor den Empfehlungen aus dem Freundeskreis oder Informationen aus dem Internet.

Dennoch glaubt Michael Ey, Co-Lead Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland, dass wir dringend ein Zukunftskonzept für unsere Krankenhausversorgung brauchen und den Krisenmodus der vergangenen Jahre hinter uns lassen müssen. Die zentralen Eckpfeiler dafür: eine bessere Verzahnung zwischen dem ambulanten und stationären Sektor und flächendeckende Gesundheitsstandorte, die für Patienten auch Lotsenfunktion übernehmen.

Große Bereitschaft, Gesundheitsdaten zu teilen

Spannend sind zudem die Fragen rund um die Digitalisierung, die PwC gestellt hat. Hier zeigt die Studie, dass die Deutschen grundsätzlich Vertrauen in den Datenschutz innerhalb des Gesundheitswesens haben. Entsprechend groß ist auch die Bereitschaft, die eigenen Daten für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen. Acht von zehn Befragten wären dazu bereit – wenn es denn auch einen Mehrwert, etwa in Form innovativer Therapien oder Apps, als Gegenleistung gibt.

Was bisher in der Bevölkerung allerdings nicht ganz angekommen scheint, ist das Opting-out bei der ePA. Zwar unterstützen 41 Prozent das Verfahren uneingeschränkt, 27 Prozent sind jedoch noch unschlüssig und möchten mehr über die Vor- und Nachteile wissen. 14 Prozend sind neutral, 18 Prozent lehnen ein Opt-out-Verfahren ab.

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