Nicht erreichbar, gelöscht, entfernt – in den USA findet gerade eine „Datensäuberung“ mit kaum absehbaren Folgen für Forschung, Wissenschaft und Gesundheitswesen statt.
Es ist ein kleiner, fast unscheinbarer Satz oben auf der Webseite der Centers for Disease Control and Prevention (CDC): „Die CDC-Webseite wird derzeit überarbeitet, um den Executive Orders von Präsident Trump zu entsprechen.“ Wobei das Verb „überarbeiten“ hier den falschen Eindruck vermittelt. Was im Hintergrund gerade tatsächlich passiert, kann man als „großes Löschen“ von zahlreichen Datensätzen beschreiben. Abgeschaltet wurden seit Freitag groß angelegte nationale Gesundheitserhebungen, Indizes und Daten-Dashboards – allesamt relevant für die Forschung, politische Entscheidungsfindung oder auch die mediale Berichterstattung.
Das genaue Ausmaß ist derzeit noch nicht abzusehen, einige der Datensätze sind mittlerweile wieder online, andere Dokumentationen fehlen nach wie vor. Die Intention von Trump ist indes deutlich: Daten zur Vielfalt, Gleichberechtigung oder auch Inklusion hätten die Regierung korrumpiert, es sei zu einer Überregulierung gekommen, was schädlich für die Wirtschaft sei. Genau deshalb müsse man nun mit dieser „Deregulierungsstrategie“ gegensteuern.
Die Datenbasis genommen
Deregulierung ist das eine. Trump entzieht jedoch dem Gesundheitswesen gerade sehr konsequent einen Teil seiner Datenbasis, darunter Verweise auf LGBTQ-Gesundheit oder auch Informationen über bestimmte Impfstoffe. Laut Memo vom Mittwoch will er damit die „Gender-Ideologie“ abschaffen und zurück zu den zwei Geschlechtern kommen.
Vor allem NGOs zeigen sich seitdem besorgt – insbesondere, weil auch der Social Vulnerability Index (SVI) und der Environmental Justice Index (EJI) entfernt wurden. Das stelle eine ernsthafte Bedrohung für die wissenschaftliche Gemeinschaft dar. Der SVI, der seit 2007 demografische und sozioökonomische Faktoren erfasst, und der EJI, der 2022 eingeführt wurde, um Umweltgerechtigkeit zu stärken, sind entscheidend für das Verständnis sozialer und gesundheitlicher Ungleichheiten.
Und auch die nationale Erhebung zum Risikoverhalten von Jugendlichen (Youth Risk Behavior Survey, YRBS) scheint aktuell von den Seiten verschwunden zu sein. Die laufende Studie befasste sich mit Themen wie Ernährung, psychische Gesundheit, körperliche Aktivität und sexuelle Aktivität bei Schülern der High School.
Auswirkungen langfristig ungewiss
Aber nicht nur die Datenbasis in den USA ist in Gefahr. Ein Zuschuss des National Institute of Health lief jetzt am 24. Januar ganz abrupt aus – lange vor seinem eigentlichen Ende. Damit sollten Forschungseinrichtungen eigentlich dabei unterstützt werden, Mitarbeiter mit unterschiedlichem Hintergrund einzustellen – aber auch diese Art der Diversität scheint nicht länger gefragt, geschweige denn mit Steuergeldern förderungswürdig.
Ein Mitarbeiter des Department of Health and Human Services, der anonym bleiben wollte, sagte gegenüber der britischen BBC, er befürchte, dass weitere Programme wie dieser Zuschuss aufgrund von Trumps Durchführungsverordnungen gestrichen würden: „Die Abschaffung dieser Förderung kann sich sehr stark auf die Zukunft der wissenschaftlichen Arbeitskräfte auswirken. Aber es könnte Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis das gesamte Ausmaß ersichtlich ist.“
Nach dem Austritt aus WHO und Pariser Klimaabkommen ist der Eingriff in die Gesundheits-, Umwelt- und Gleichstellungsdaten in jedem Fall ein Wendepunkt in der US-Politik.



