Knapp 80 Prozent der Deutschen sehen einen grundlegenden Reformbedarf, zeigt der aktuelle DAK-Pflegereport 2025. Für die Pflege wird zu wenig getan.
Das Pflegesystem braucht eine umfassende Reform. Das sagen laut dem heute veröffentlichten DAK-Pflegereport 77 Prozent der Befragten. Außerdem zeigt die vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführte repräsentative Umfrage, dass das Vertrauen der Menschen in Politik und Pflegeversorgung abnimmt. 85 Prozent sind der Ansicht, das Thema Pflege habe in der Politik einen zu geringen Stellenwert. 65 Prozent der Menschen erleben das Pflegesystem und die Versorgung in Deutschland als nicht gut oder gar nicht gut. 92 Prozent gehen davon aus, dass eine gute Pflege abhängig vom eigenen Vermögen sein wird. Zwei Drittel erwarten, sich im Alter gar keine professionelle Pflegeunterstützung leisten zu können.
Das liegt vor allem auch an den Milliardendefiziten. Laut Berechnungen der Pflegekasse fehlen in diesem Jahr 1,65 Milliarden, in 2026 bereits 3,5 Milliarden Euro, also noch mal eine Verdopplung. Um weitere Beitragssatzerhöhungen zu vermeiden und die Finanzsituation der sozialen Pflegeversicherung zu stabilisieren, fordert DAK-Vorstandschef Andreas Storm von der Politik die kurzfristige Rückzahlung der Coronahilfen in Höhe von 5,2 Milliarden. Im zweiten Schritt müsse dann eine Strukturreform folgen, um die pflegerische Versorgung in den kommenden Jahren sicherzustellen.
„Am dringlichsten ist kurzfristig die finanzielle Stabilisierung der Pflegeversicherung. Diese muss bereits mit der Aufstellung des Bundeshaushaltes im Juni angegangen werden. Die Probleme dulden keinen Aufschub“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Mit der Finanzlücke wachse laut Storm auch die Wahrscheinlichkeit, dass die soziale Pflegeversicherung weiter in eine finanzielle Schieflage gerate. Die zum Jahreswechsel vorgenommene Beitragssatzerhöhung um 0,2 Prozentpunkte reiche nicht aus, um den weiteren Bedarf abzudecken.
Qualitätsunterschiede in den Ländern
Der DAK-Pflegereport zeigt außerdem, dass Qualitäts- und Qualifikationsstandards in der Pflegeberatung von Land zu Land variieren. 75 Prozent der Gesamtbevölkerung und 85 Prozent der Pflegeerfahrenen geben an, bei der Organisation der Pflege für einen Angehörigen Wert auf eine breite Beratung, etwa durch eine Pflegekasse, zu legen. Allerdings wissen 63 Prozent der Befragten nicht, wo sie im Bedarfsfall Informationen oder Beratung erhalten könnten.
Studienleiter Prof. Thomas Klie fordert deshalb einheitliche Standards, die sich an den Lebensrealitäten der Betroffenen und den regionalen Gegebenheiten orientieren. Dafür sei es von zentraler Bedeutung, dass eine Beratung auch in der Häuslichkeit ermöglicht wird. „Das kann dazu beitragen, den Menschen den Zugang zur pflegerischen Versorgung zu erleichtern.“
Wichtig sei darüber hinaus eine bundesweite digitale Vernetzung, um Abstimmungsprozesse zu vereinfachen. Klie und DAK-Chef Storm befürworten deshalb eine Neuausrichtung: „Um ein effizientes Gesamtsystem zu schaffen, sollte die Pflegeberatung ausgebaut und gesetzlich neu konzipiert werden“, so Storm. „Das ist der Kerngedanke unseres neuen Konzepts Pflegestützpunkt plus.“



