Zu wenig Aufklärung über Cyberrisiken bei Herzimplantaten

by | Jun 7, 2024

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Eine Studie der Universität Trier zeigt, dass Patienten mit Herzimplantaten nicht nur über medizinische, sondern auch über mögliche Cyberrisiken aufgeklärt werden müssen.

Aufklärung bei Herzimplantaten ist wichtig – und zwar nicht nur die medizinische. Das zeigt nun eine aktuelle Studie der Universität Trier. In der Übersichtsarbeit fordern die Autoren, dass Patienten künftig auch verpflichtend über die digitale Verwundbarkeit von Herzimplantaten informiert werden. Bisher liegt es im Ermessen der Ärzte, ob über die digitalen Risiken überhaupt gesprochen wird.

„Moderne Herzimplantate, die kabellose Informationen übertragen, verbessern zwar die Lebensqualität und Autonomie der Patienten, aber können auch neue Gefahren durch Cyberangriffe mit sich bringen“, erklärt Leanne Torgersen, Hauptautorin der Studie. Denn ein digitales Netzwerk kann gehackt werden, insbesondere wenn Schutzmaßnahmen lückenhaft sind, was sowohl den Verlust sensibler Daten als auch die Kontrolle über das Implantat zur Folge haben könnte. Im schlimmsten Fall könnte ein solcher Angriff zum Tod eines Patienten führen. Auch für die behandelnde Ärzte wären rechtliche Konsequenzen möglich.

Einwilligungsprozesse müssen überprüft werden

Torgersen hat gemeinsam mit Kollegen aus der Verhaltensmedizin und der Cyberpsychologie an der Studie gearbeitet. Dabei sind sie zu der Erkenntnis gekommen, dass insbesondere wirksame Schutzmaßnahmen in diesem Kontext schwer umzusetzen sind, Cyberbedrohungen aber sehr wohl das Vertrauen in die Medizintechnik selbst, aber auch in den Behandlungsplan beeinträchtigen und damit die Beziehung zwischen Patient, Arzt und Hersteller stören. Zudem sei die wahrgenommene Bedrohung der Patienten hoch, weil sie mit ihren Geräten mobil sind und die Gefahrenlage daher kaum quantifiziert werden kann. Die Belastung durch Cyberrisiken können für die Patienten daher höher sein als bei einer technischen Störung.

Darauf basierend fordern die Autoren, dass Einwilligungsprozesse kontinuierlich überprüft und aktualisiert werden, um sicherzustellen, dass Patienten stets über die neusten Cyberrisiken informiert sind. Mitautor Prof. Stefan M. Schulz betont: „Es ist entscheidend, dass Patienten über alle möglichen Risiken informiert werden, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.“ Dies fördere nicht nur die Autonomie der Patienten, sondern auch eine partnerschaftliche therapeutische Beziehung. Denn es gebe derzeit keine einheitlichen Richtlinien zur Berücksichtigung von Cyber-Sicherheitsrisiken im Rahmen der Aufklärung.

In einer Nachfolgestudie untersucht das Team um Stefan M. Schulz nun, was in unterschiedlichen Ländern die übliche Praxis im Umgang mit einer Aufklärung über Cyber-Risiken bei Herzimplantaten ist, und wie diese von den betroffenen Patientinnen und Patienten erlebt wird.

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