Cybercrime: Schutz sensibler Daten mit der Vertrauensschadenversicherung

von | Apr. 11, 2025

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Cyberangriffe sind immer wieder Thema für das Gesundheitswesen. Neben einer resilienten Cyberabwehr darf auch der Versicherungsschutz nicht vernachlässigt werden, sagt Vincenz Klemm, Geschäftsführer und Mitgründer von Baobab Insurance, und betont in seinem Gastbeitrag die Bedeutung der Vertrauensschadenversicherung. 

 

Der aktuelle Cyberangriff auf das biopharmazeutische Unternehmen Marinomed* zeigt, dass forschungsintensive Branchen mit wertvollen IP-Daten attraktive Ziele für Angriffe wie Ransomware und gezielte E-Crime-Operationen sind. Mit ihren Attacken kompromittieren Cyberkriminelle Netzwerke, um sensible Daten zu entwenden oder Geschäftsprozesse zu stören. Aus diesem Grund müssen Unternehmen aus dem Gesundheitswesen eine ganzheitliche IT-Sicherheitsstrategie implementieren.

Generell sind reaktive technische Lösungen wie Firewalls oder Antivirenprogramme ein zentraler Baustein für effizienten Cyberschutz. Zudem sollten präventive Maßnahmen umgesetzt werden, wie beispielsweise Schulungen der Mitarbeiter, um das Bewusstsein für IT-Sicherheitsrisiken und den Umgang mit Phishing-Mails zu schärfen. Sicherheitsrichtlinien, darunter klar definierte Zugriffsrichtlinien sowie strikte Passwort- und Authentifizierungsregeln, sind ebenfalls empfehlenswert.

Angesichts einer sich dynamisch entwickelnden Bedrohungslandschaft muss das Gesundheitswesen zusätzlich auf proaktive Schutzmaßnahmen setzen. Dazu gehört etwa ein kontinuierliches KI-gestütztes Monitoring der IT-Systeme, das Angriffe in Echtzeit erkennen und abwehren kann. Schwachstellen im Unternehmen lassen sich dadurch frühzeitig entdecken – bevor sie externe Angreifende ausnutzen.

Vertrauensschadenversicherung ist unverzichtbarer

Ein passender Versicherungsschutz, der vor den finanziellen Folgen von Cyberkriminalität schützt, gehört ebenfalls in einen vorausschauenden Maßnahmenkatalogs mit dem das Gesundheitswesen seine IT-Sicherheit stärken kann. Dieser besteht aus einer Cyber- und einer Vertrauensschadenversicherung:

  • Vollumfänglicher Schutz gegen Cyber-Risiken: Eine moderne Cyberversicherung übernimmt die Kosten für IT-Forensik, Krisenmanagement, Betriebsunterbrechungen und Schadenersatzforderungen. Zusätzlich unterstützt sie Unternehmen aus dem Gesundheitssektor im Alltag mit proaktiven Maßnahmen zur Risikominimierung und bietet etwa Vorlagen für IT-Krisenplänen, die konkrete Handlungsschritte enthalten, Checklisten für Sicherheits-Patches und Backups.
    Auch ein wöchentlicher KI-basierter Angriffsoberflächen-Scan, der das Unternehmen von außen betrachtet, kann Teil des Leistungspakets sein. In die Analyse fließen tagesaktuelle Daten, der Bestand von Firewalls, Backups und E-Mail-Filterlösungen.
  • Schutz vor CEO Fraud und Deepfakes: Generative KI verändert die Qualität und Intensität digitaler Betrugsgefahren wie CEO Fraud und Deepfakes. So sind etwa die Delikte, bei denen Hacker als vermeintliche Chefs auftreten, 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent gestiegen. Gerade im Gesundheitswesen, wo sensible Patientendaten und erhebliche Geldströme aufeinandertreffen und Zahlungsbetrug keine Seltenheit ist, zählt eine Vertrauensschadenversicherung zu den unverzichtbaren Bausteinen eines ganzheitlichen Risikomanagements. Bei der Auswahl des passenden Versicherungsschutzes sollten Unternehmen darauf achten, dass der Anbieter nicht nur die finanziellen Verluste übernimmt, sondern auch bei Präventivmaßnahmen, etwa einem KI-basierten Risikoscan sowie bei Themen wie der IT-Forensik unterstützt. Ein gutes Produkt erkennt man daran, dass viele Leistungen bereits in der Grunddeckung enthalten sind – etwa Schutz bei Überweisungsbetrug, Stop Payment Orders, Geheimnisverrat oder externe Ermittlungskosten. Dies ist besonders im Gesundheitswesen relevant, wo der Verlust sensibler Patientendaten nicht nur finanzielle, sondern auch erhebliche Reputationsschäden nach sich ziehen kann.

Sich aus Kostengründen gegen umfassende Sicherheitsmaßnahmen zu entscheiden, sollte für das Gesundheitswesen übrigens keine Option darstellen. Denn die finanziellen Folgen eines Cyberangriffs können um ein Vielfaches höher ausfallen als die Investition in die entsprechende Sicherheit. Dies zeigt der Cost of a Data Breach Report 2024 von IBM. Obwohl die durchschnittlichen Kosten für Sicherheitsverletzungen im Gesundheitswesen 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 Prozent auf 9,77 Millionen US-Dollar sanken, ist der Sektor nach wie vor die teuerste Branche für Sicherheitsverletzungen – eine Position, die sie bereits seit 2011 innehat.

Der Fall Marinomed zeigt: Die Cybergefahren für den Gesundheitssektor sind real. Ein umfassender Schutz vor Cyberkriminalität erfordert nicht nur technische und organisatorische Maßnahmen, sondern auch eine solide finanzielle Absicherung durch eine Kombination aus Cyber- und Vertrauensschadenversicherung. Nur so können Unternehmen den wachsenden Bedrohungen im digitalen Zeitalter wirksam begegnen und das Vertrauen von Patienten und Partnern bewahren.

 

Vincenz Klemm ist Geschäftsführer und Mitgründer von Baobab Insurance, einem digitalen Assekuradeur für technische Risiken. Neben einer Cyberversicherung bietet das Unternehmen eine E-Crime-Versicherung und eine IT-Haftpflichtversicherung für IT-, Software-, Technologie- und Telekommunikationsunternehmen.

 

*Die österreichische Marinomed Biotech AG musste am 2. April bekanntgeben, dass sie Opfer von Cyberkriminalität wurde, die zu einem Mittelabfluss von rund 677.000 Euro durch eine Überweisung an Dritte außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums führte. Das Unternehmen hat Strafanzeige gestellt und arbeitet mit Ermittlungsbehörden und externen Beratern an einer Aufklärung des Falls.

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