Cybercrime: Kliniken verstärkt im Visier

by | Feb 1, 2024

Anhoren

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Mit der Caritas-Klinik Dominikus wurde binnen weniger Tage eine weitere Klinik Opfer eines Hacker-Angriffs – Nachrichten, die wir in Zukunft vermutlich öfter lesen werden.

 

Mit einer kurzen Mitteilung bestätigt die Pressestelle der Caritas-Klinik Dominikus in Berlin-Reinickendorf, dass das Haus von einem Cyberangriff betroffen ist. Die Systeme seien nach bisherigem Kenntnisstand aus unbekannter Quelle angegriffen worden. Wo genau die Cyberkriminellen zugeschlagen haben und wie groß das Ausmaß ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht konkret gesagt werden. Ein Forensik-Team bestehend aus internen und externen Experten würde den Vorfall gerade aufarbeiten. Auch Anzeige sei unmittelbar erstatten worden. Wichtig: Versorgung und Sicherheit der Patienten waren zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Aufnahmen und Operationen finden weiterhin statt, heißt es. Allerdings sei die Rettungsstelle der Caritas-Klinik Dominikus von der Notfallversorgung abgemeldet. Die Leitstellen und Nachbarhäuser seien darüber informiert.

Besonders prekär: Erst vor drei Tagen gab es einen Hackerangriff auf die Bezirkskliniken Mittelfranken. Dort haben Unbekannte Daten verschlüsselt, heißt es in einer Meldung. Auch dort haben sich die Krankenhäuser aus Sicherheitsgründen von der Notfallversorgung abgemeldet. Was dort alleredings schon klar ist: Die Angreifer konnten personenbezogene und unternehmensinterne Dokumente erbeuten. Während die Patientenversorgung wohl zu jederzeit gesichert war, waren die meisten Kliniken im Verbund nur telefonisch erreichbar.

Patientendaten im Visier

Dass solche Angriffe in Zukunft eher die Regel als die Ausnahme sein werden, machen Zahlen aus den USA deutlich. Der VPN-Anbieter Atlas VPN hat erst Ende letzten Jahres in einer Erhebung analysiert, dass 2023 bisher die Daten von 87 Millionen Patienten von Missbrauch betroffen waren – mehr als doppelt so viel wie in 2022, wo die Gesundheitsdaten von 37 Millionen US-Amerikaner auf die eine oder andere Weise missbraucht wurden.

Aber auch deutsche Experten betonen mit zunehmender Digitalisierung immer wieder die Bedeutung der IT-Sicherheit – und zwar brachenübergreifend. Prof. Dr. Norbert Pohlmann ist Informatikprofessor für Informationssicherheit an der Westfälischen Hochschule sowie Geschäftsführender Direktor des Forschungsinstituts für Internet-Sicherheit – if(is). Er bestätigt, dass die Gefahren jedes Jahr zunehmen: „Ich habe noch kein Jahr erlebt, in dem der monetäre Schaden rückläufig gewesen wäre, obwohl viele wichtige IT-Sicherheitsmechanismen entwickelt wurden.“ Dass alles, was wir aktuell an IT nutzen, nicht sicher genug ist, läge an der ursprünglichen Konzeption der Software, sagt Pohlmann. Sie sei nie auf hundertprozentige Sicherheit ausgerichtet: „Es ist ein Basisproblem, das mit der zunehmenden Komplexität technologischer Anwendungen exponentiell wächst.“

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