Ein „major incident“ hat mehrere Kliniken des Wirral University Teaching Hospitals NHS Foundation Trust lahmgelegt. Noch ist das Problem nicht gelöst.
Von einem „gezielten Cyber-Sicherheitsproblem“ ist am Wirral University Teaching Hospital in Großbritannien die Rede. Am Montag habe man verdächtige Aktivitäten festgestellt, berichtet eine Sprecherin des Krankenhauses, weshalb man vorsichtshalber die Systeme isoliert habe, so dass sich das Problem nicht ausbreiten könnte.
Nun scheint klar, dass es sich dabei um einen „major incident“ handelt, der alle klinischen Aktivitäten des Wirral University Teaching Hospitals NHS Foundation Trust betrifft. Konkrete Einzelheiten hält der Trust noch unter Verschluss, der Angriff hat allerdings den Betrieb in allen drei Kliniken, dem Wirral Women and Children’s Hospital, das Arrowe Park Hospital und das Clatterbridge Hospital, empfindlich gestört. Zahlreiche Termine und geplante Eingriffe mussten abgesagt werden.
Die Sprecherin betont zwar, dass Geschäftskontinuitätsprozesse eingeleitet wurde und man unermüdlich daran arbeite, die Patienten auch weiterhin zu versorgen. Allerdings kam auch der Appell, die Notaufnahme derzeit nur in echten Notfällen aufzusuchen. Der Betrieb laufe aktuell wieder papierbasiert. Man arbeite allerdings eng mit den nationalen Cybersicherheitsdiensten zusammen und wolle so schnell wie möglich zum normalen Betrieb zurückzukehren.
Angriffe auf das britische Gesundheitswesen häufen sich. Zuletzt hatte der Angriff auf den NHS-Dienstleister Synnovis im Juni zahlreiche Londoner Krankenhäuser lahmgelegt. Auch der schottische NHS Dumfries and Galloway wurde Anfang des Jahres von der Ransomware INC angegriffen, was zu einer umfangreichen Datenexfiltration führte.
Gerade Ransomware-Angriffe im Gesundheitswesen würden sich aus Sicht der Angreifer lohnen, zeigt eine im Juli dieses Jahres durchgeführte Umfrage des Identitätsspezialisten Sempris. Demnach 66 Prozent der angegriffenen Gesundheitsorganisationen auch Lösegeld gezahlt. Sempris Vice President für die EMEA-Region Dan Lattimer mahnt deshalb: „Wenn wir uns jetzt auf die unvermeidlichen Unterbrechungen vorbereiten, können wir die betriebliche Widerstandsfähigkeit von Krankenhäusern erheblich verbessern und sie besser darauf vorbereiten, Angreifer abzuwehren und die Bedrohungsakteure zu weicheren Zielen zu führen.“ Oder anders ausgedrückt: Der Vorfall zeigt einmal mehr, dass Cybersecurity einen deutlich höheren Stellenwert im Gesundheitswesen bekommen muss.



