Nachdem Angreifer Anfang April beim niederländische Softwarehersteller Chipsoft zahlreiche Patientendaten erbeuten konnten, ist nun klar: Die Daten wurden vernichtet.
Gesundheitsdaten sind für Cyberkriminelle eine extrem lukrative Beute. Das musste Anfang April auch das niederländische IT-Unternehmen Chipsoft feststellen. Am 7. April entdeckten Mitarbeiter den Angriff, der zunächst als „Datenvorfall“ bezeichnet wurde. Eine Woche später war dann klar: Die Erpressergruppe Embargo konnte medizinische personenbezogene Daten stehlen. Chipsoft musste seine Anwendungen Zorgportaal, HiX Mobile, HAS Relay und Zorgplatform vorsorglich vom Netz nehmen.
Chipsoft ist der größte Anbieter von Software für elektronische Patientenakten in den Niederlanden und hält einen Marktanteil von über 70 Prozent bei Krankenhäusern. Bei Hausarztpraxen ist der Anteil geringer, doch auch dort ist Chipsoft ein wichtiger Akteur. Zu der betroffenen Software gehören laut Z-Cert HiX On-Premises, HiX SaaS und das über Chipsoft gehostete SaaS-Patientenportal. Z-Cert ist das spezialisierte Computer Emergency Response Team für den niederländischen Gesundheitssektor. Als gemeinnützige Organisation stärkt Z-CERT seit 2020 die digitale Widerstandsfähigkeit durch Vorfallkoordination, Bedrohungsinformationen und Schulungen.
Mittlerweile gab Chipsoft beannt, dass alle Daten, die bei dem Ransomware-Angriff Anfang April gestohlen wurden, vernichtet worden sind. Ob dafür Lösegeld geflossen ist, wurde weder bestätigt noch dementiert. Die Cybersicherheitsexperten des Unternehmens betonten nur, dass die Vernichtung auf eine Weise geschah, die ChipSoft als „technisch einwandfrei“ bezeichnet. Was genau damit gemeint ist, wurde nicht näher ausgeführt.
Es gab im Vorfeld der Datenvernichtung allerdings Verhandlungen mit den Angreifern. Von Seiten Chipsofts hieß es nur, dass der Schutz der Kundendaten oberste Priorität hatte und diese Priorität in dieser Ausnahmesituation schwer wog.
Nun gilt es, die gestohlenen Daten wiederherzustellen und dieser Prozess verlaufe bisher reibungslos, benötige aber Sorgfalt und Zeit. Die forensische Untersuchung der Ursache des Angriffs ist noch im Gange. Wie sich die Angreifer ursprünglich Zugang zu den Systemen verschafft haben, ist noch nicht geklärt. Chipsoft steht dafür weiterhin im engen Kontakt mit Z-Cert, der niederländischen Datenschutzbehörde sowie dem Centre for Cyber Security Belgium, denn auch da waren Gesundheitsorganisationen betroffen.



