Chemisch-pharmazeutische Industrie schwächelt

von | März 17, 2025

Die chemisch-pharmazeutische Industrie leidet unter der schwachen Nachfrage aus Europa. Eine Abhängigkeit von den USA wäre mit Blick auf potenzielle Zölle gefährlich.

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Von einem empfindlichen Rückschlag spricht der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in seiner Bilanz 2024 und fordert die Politik auf, schnelle Maßnahmen für einen Neustart einzuleiten.

 

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland und Europa bleibt angespannt und das spürt auch die chemisch-pharmazeutische Industrie. Die Nachfrage nach Produkten „made in Germany“ blieb 2024 sowohl am Heimartmarkt als auch in Europa schwach, vermeldet nun der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Entsprechend sei die Produktion im vierten Quartal des letzten Jahres kräftig eingebrochen. Es habe lediglich ein paar wenig positive Impulse außerhalb Europas gegeben.

„2024 war ein weiteres Jahr zum Vergessen für die Industrie“, beschreibt VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup die Lage. Diesen Tiefpunkt wolle man nun eigentlich hinter sich lassen. Was angesichts der unberechenbaren amerikanischen Zollpolitik, erneut steigender Energiepreise und der weiterhin ungelösten Strukturprobleme allerdings schwierig werden dürfte. Das weiß auch Große Entrup und fordert: „Wir brauchen eine radikale wirtschaftspolitische Kurskorrektur. Es gibt keine Schonfrist für die neue Bundesregierung, sie muss jetzt liefern. Economy First muss die Devise sein.“

VCI wertet Sondierungsgespräche positiv

Der Verband lobt deshalb auch den schnellen Abschluss der Sondierungsgespräche als starkes Signal und die Ergebnisse bei Steuern, Strompreisen und Bürokratieabbau als Schritte in die richtige Richtung. Ganz zufrieden ist man dennoch nicht. „Der Verschleiß des Standorts Deutschland liegt nicht an knappen Kassen, sondern an mangelnder Priorisierung“, ist Große Entrup überzeugt. Der VCI-Hauptgeschäftsführer fordert die Parteien daher auf, Gräben zuzuschütten. „Wir können uns keinen Rosenkrieg mehr leisten. Rauft euch zusammen. Es geht um unser Land.“

Wie ernst die Lage für die chemisch-pharmazeutische Industrie ist, unterstreichen auch die Zahlen noch einmal. Von einem Negativrekord im vierten Quartal 2024 ist die Rede. Das Vorquartalsniveau wurde deutlich um 4,2 Prozent verfehlt. Damit lag die Produktion auch um 1,2 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Die Industrie bewegte sich weiter rückwärts, auch vom Bau kamen keine Impulse. Somit blieb die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen in Europa schwach. Impulse für eine Ausweitung der Chemieproduktion blieben aus.

Etwas erfreulicher sah es bei der Produktion von Pharmazeutika aus. Das Ergebnis des Vorjahres wurde zwar verfehlt, der Produktionsrückgang scheint aber zu Ende zu gehen. Im Vergleich zum Vorquartal stabilisierte sich die Produktion und zog im Verlauf des vierten Quartals deutlich an.

Der Gesamtumsatz der chemisch-pharmazeutischen Industrie stieg im vierten Quartal 2024 leicht um 0,3 Prozent auf 53,1 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorquartal. Verantwortlich dafür war das außereuropäische Ausland. Gefragt waren Pharmazeutika, Wasch- und Körperpflegemittel sowie Anorganika. Das Vorjahresquartal verfehlte die Branche allerdings immer noch um 1,5 Prozent.

Verhaltener Ausblick

Für 2025 ist man beim VCI verhalten und geht von einer stagnierenden Produktion aus – auch, weil der Inlandsumsatz in 2024 um 1,4 Prozent einbrach und nur noch 19,5 Milliarden Euro betrug – vier Prozent weniger als im Vorjahr. Die Auslandsumsätze wirkten mit Blick auf den Gesamtumsatz als Stabilisator. Allerdings fiel der Zuwachs vor allem in Nordamerika am Jahresende hoch aus. Pharmaerzeugnisse und Chemieprodukte waren beide stark nachgefragt, weshalb hier unter Umständen Trumps Zölle greifen könnten.

Insgesamt geht man bei VCI für 2025 davon aus, dass das Plus im Pharmabereich (zwei Prozent) das Minus in der Chemie (zwei Prozent) kompensieren wird. Allerdings werde der Branchenumsatz in diesem Jahr voraussichtlich um ein Prozent sinken. Einen wirtschaftlichen Aufschwung erwartet die Branche frühestens 2026.

Der VCI richtet seinen Appell daher noch einmal gezielt an eine neue Bundesregierung. „Als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und industrieller Motor Europas tragen wir eine Verantwortung, der wir gerecht werden müssen. Wirtschaftliche Stärke und politischer Einfluss sind zwei Seiten einer Medaille – das gilt für Europa ebenso wie für Deutschland. Die verantwortlichen Köpfe in Berlin müssen jetzt entschlossen die Wirtschaftswende umsetzen. Das ist ein gewaltiger Kraftakt, aber keine unüberwindbare Herausforderung“, ist Große Entrup überzeugt.

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