Charité rollt eigene KI-Plattform aus

von | Sep. 18, 2026

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Sie soll die Bereiche Forschung, Lehre, Krankenversorgung und Verwaltung umfassen, die neue KI-Plattform Clé der Berliner Charité.

 

 

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin bekommt eine neue, eigene KI-Plattform für Forschung, Lehre, Krankenversorgung und Verwaltung. So will man das Potenzial der KI schnell und unkompliziert nutzen. Die Plattform namens Clé sei bisher einzigartig an einer deutschen Uniklinik. Denn sie ermögliche einen eigenverantwortlichen, sicheren und datenschutzkonformen Betrieb und biete zudem verschiedene Modelle, Schnittstellen sowie vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Nach erfolgreicher Testphase wird der Zugang nun schrittweise für alle Mitarbeitenden geöffnet, heißt es von den Verantwortlichen.

Entwickelt wurde Clé von der Ascléa GmbH , einer Ausgründung von Charité und Deutschem Herzzentrum der Charité. Betrieben wird sie gemeinsam mit dem Institut für KI in der Medizin und dem Geschäftsbereich IT auf Charité-eigener Infrastruktur.

„Nach unserem Kenntnisstand ist die Charité die erste Universitätsmedizin in Deutschland, die eine eigene KI-Plattform mit mehreren Sprach- und Bildmodellen komplett auf eigener Infrastruktur betreibt – nicht als Pilot in einzelnen Abteilungen, sondern flächendeckend für die gesamte Krankenversorgung, Forschung, Lehre und Verwaltung“, sagt Prof. Alexander Meyer, Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin der Charité und Initiator des Projekts, und ergänzt: „Wir haben die Plattform zudem von Anfang an als Basis für die nächste Stufe gebaut: Über Schnittstellen können Fachbereiche bald nicht nur eigene Anwendungen und Assistenten, sondern auch KI-Agenten entwickeln, die mehrstufige Aufgaben eigenständig bearbeiten – ohne dass Daten die Charité verlassen.“

Und der Vorstandsvorsitzende Prof. Heyo K. Kroemer ist überzeugt: „Eine in jeder Hinsicht sichere KI-Infrastruktur ist gerade angesichts der aktuellen Diskussionen ein entscheidender Fortschritt für die gesamte Charité: Damit treiben wir die digitale Transformation voran und legen die Basis für künftige, KI gestützte Prozesse.“

Umfangreiche Möglichkeiten

Die neue KI-Plattform ist als gemeinsame Arbeits- und Entwicklungsumgebung für unterschiedliche Einsatzbereiche konzipiert: Sie vereint mehrere austauschbare KI-Modelle, eine Chat-Oberfläche, die Verarbeitung von Texten, Bildern und PDF-Dokumenten sowie eigene Wissenssammlungen. Über Programmierschnittstellen können Forscher und Fachbereiche die Modelle in eigene Anwendungen und Arbeitsabläufe einbinden. Eine zentrale Anmeldung, technische Schutzmechanismen und die Protokollierung der Nutzung sorgen dabei für einheitliche Sicherheitsstandards.

Die Plattform läuft auf Servern der Charité und ist speziell auf die Anforderungen einer Universitätsmedizin zugeschnitten. Mitarbeiter können mit internen Dokumenten und dienstlichen Informationen arbeiten, ohne diese an externe Anbieter zu übermitteln. Für den Einsatz gelten die Datenschutz- und Sicherheitsvorgaben der Charité. Technische Schutzmechanismen, verpflichtende Schulungen und ein schrittweiser Rollout unterstützen den verantwortungsvollen Einsatz.

Entlastung im Arbeitsalltag

An der Charité verspricht man sich vor allem Entlastung durch die neue Plattform. So soll Clé beispielsweise in der Krankenversorgung bei klinisch-administrativen Aufgaben unterstützen, etwa beim Strukturieren von Dokumenten und Aufbereiten von Informationen. Ziel ist es, den Aufwand für Routinetätigkeiten zu verringern und mehr Zeit für die Versorgung von Patienten zu schaffen.

Die Plattform sei jedoch ausdrücklich kein Medizinprodukt, betont Prof. Meyer: „Clé ist in der derzeit freigegebenen Form nicht für Diagnosen oder Therapieentscheidungen vorgesehen. Die fachliche Verantwortung bleibt bei den behandelnden Fachkräften.“ Auch die Ergebnisse der KI müssten von den Anwendenden stets kritisch geprüft werden.

Potenziale für Forschung und Lehre

In der Forschung soll die Plattform ebenfalls neue Möglichkeiten eröffnen. Zum Beispiel können über Programmierschnittstellen eigene Anwendungen entwickelt und sichere Analysen großer Text- und Dokumentenbestände durchgeführt werden. Darüber hinaus wird die Plattform selbst zum Forschungsgegenstand: Unter kontrollierten Bedingungen lässt sich untersuchen, wie Sprachmodelle in der Medizin sicher und effektiv eingesetzt werden können.

Auch für die Lehre gibt es viele Einsatzmöglichkeiten – beispielsweise bei der Vorbereitung von Lehrmaterialien. In der Verwaltung lassen sich die neuen Tools etwa für Wissensdatenbanken, automatisierte Übersetzungen oder die Auswertung von Formularen nutzen, aber auch im Erlös- und Personalmanagement und beim IT-Support. So konnte beispielsweise bei einem Pilotprojekt die Zeit für die Umwandlung von Dokumenten in strukturierte Daten von durchschnittlich 30 auf nur zwei Minuten reduziert werden – bei 1.800 Dokumenten ließen sich somit 105 Arbeitstage einsparen.

Weitere Ausbaustufen in Planung

Das jetzige System bildet die Grundlage für die nächste Stufe: KI-Agenten, die mehrstufige Aufgaben übernehmen, etwa Dokumente auswerten, Daten zusammenführen und analysieren und Entwürfe vorbereiten oder klinische Prozesse automatisieren. Über die Programmierschnittstelle entstehen solche Anwendungen bereits heute in Forschung und IT.

„In den nächsten Ausbaustufen sollen Agenten in einer abgesicherten Umgebung direkt in der Oberfläche arbeiten und schrittweise an Charité-Systeme angebunden werden“, erklärt Prof. Meyer. „Dabei gelten dieselben Grundsätze wie heute: Daten und Kontrolle bleiben in der Charité und die Verantwortung bei den Menschen.“

Interessant ist der Weg der Charité auch deshalb, weil Epic, für das man in Berlin entschieden hat, relativ wenige externe Lösungen zulässt, wie Digital Architect Radoy Pavlov im Interview mit dieser Redaktion erklärt hat: „Epic ist ein geschlossenes Ökosystem, womit ich nicht mehr frei wählen kann, welche KI-Anwendungen ich integriere.“ Und das weiß Pavlov deshalb so genau, weil er zu dem Team gehörte, das Epic am Universitätsspital Zürich eingeführt hat.

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