Trotz rückläufiger Erlöse und schwachem Aktienkurs versucht die Compugroup Medical mit der Kommunikation ihrer Quartalszahlen heute Optimismus zu verspüren.
Die Abwesenheit von schlechten Nachrichten sei eine gute Nachricht, bewertet Analyst Knut Woller von der Baader Bank die Quartalszahlen der Compugroup Medical, die der Konzern heute verkündet hat. Bei sinkenden Erlösen in fast allen Sparten zeigt das: Die Erwartungen waren gering. Und so konnte der Aktienkurs von CGM tatsächlich einen kleinen Sprung verzeichnen. Knapp neun Prozent waren heute drin, sodass die Papiere zwischenzeitlich wieder über 15 Euro lagen. Bedenkt man, dass der Kurs Anfang des Jahres noch bei rund 40 Euro und zu Spitzenzeiten bei über 80 Euro lag, ist klar, dass der Weg zur Trendumkehr noch ein weiter ist.
Doch genau die will man in Koblenz schaffen und betont sowohl in der Analystenpräsentation als auch der Pressemitteilung zu den Quartalszahlen, dass man im Hause „Innovationen vorantreibe“ und vor allem mit dem neuen CEO mit „einzigartiger Sektorexpertise“ nun alles besser werden wird.
Schweres Erbe
Tatsächlich ist die Basis, auf der der neue CEO Daniel Gotthardt, Sohn des Firmengründers Frank Gotthardt, nun aufbauen muss, alles andere als stabil. Seit September offiziell im Amt ist tatsächlich ein Anstieg der wiederkehrenden Einnahmen auf Konzernebene von sechs Prozent nahezu die einzige positive Nachricht, die Gotthardt Junior heute kommunizieren kann. Ansonsten steht ein dickes Minus vor den Umsätzen. Minus 16 Prozent auf Konzernebene, minus elf im Segment Ambulatory Information Systems (AIS), minus zwölf beim Geschäft mit Apotheken (Pharmacy Information Systems, PIS) und sage und schreibe minus 27 Prozent im Kernsegment der Krankenhausinformationssysteme. Hierzu passt, dass vor zwei Tagen Business Insider darüber berichtete, dass CGM wohl Probleme mit dem neu entwickelten KIS G3 hat und die Implementierung am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf kurz vor der Rückabwicklung stehen könnte. CGM hatte die Ausschreibung 2021 gewonnen, könne nun aber nicht wie gewünscht liefern, weil die Software schlicht noch immer nicht wie gewünscht funktioniere, heißt es in dem Artikel.
2024 schon abgeschrieben
Dass dieses Jahr bilanziell nicht ideal läuft, musste CGM bereits im Juli zugeben. An der damals abgegebenen Prognose hält man auch weiterhin fest. Die organische Umsatzentwicklung werde in einer Bandbreite zwischen minus zwei und null Prozent liegen. Das bereinigte EBITDA wird zwischen 220 und 250 Millionen erwartet.
Für das dritte Quartal vermeldet CGM ein bereinigtes EBITDA von knapp 55 Millionen Euro, was ein Rückgang von zwölf Prozent ist. Die EBITDA-Marge lag mit 19 Prozent ebenfalls unter dem Vorjahreswert von 22 Prozent.
Logisch: Auch wenn ein hoher Anteil wiederkehrender Erlöse für Unternehmen höchst erstrebenswert ist, sind die eben nur ein echter Benefit, wenn nicht insgesamt rückläufige Umsätze ausgeglichen werden müssen.
Vielleicht fehlt auch deshalb ein Zitat vom neuen CEO in der Pressemitteilung zu den Quartalszahlen. Das dürfen wir dann im März 2025 erwarten, wenn die Geschäftszahlen 2024 kommuniziert werden. Die große Trendwende wird auch dann sicher noch nicht erreicht sein, aber vielleicht sind erste Ansätze des Konzernumbaus erkennbar. Zumindest betont man in Koblenz, dass man in diesem Jahr jede Menge innovative Produkte lanciert hat und die müssten sich dann amortisieren. Außerdem werde man „nichts unversucht lassen, um Fortschritte zu erzielen“.



