Cannabis mit Auswirkungen auf Magenentleerung

by | Mar 6, 2024

Anhoren

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Mit stärker Verbreitung von Cannabis durch Legalisierung müssen Ärzte besser über gastrische Nebenwirkungen aufgeklärt werden, zeigt eine Studie aus den USA.

 

Kritik an der geplanten Cannabis-Legalisierung kam bisher aus vielen Ecken – von den Gastroenterologen bisher nicht. Dabei haben sie allen Grund, wie nun eine im Journal of Nuclear Medicine Technologie veröffentlichte Studie zeigt. Demnach können sich sowohl Cannabis-Konsum als auch die neuen Medikamente zur Gewichtsreduktion auf die sogenannte Magenentleerungs-Szintigraphie auswirken.

„Die Magenentleerungs-Szintigraphie ist nach wie vor das wichtigste bildgebende Verfahren zur Beurteilung von Symptomen der Gastroparese wie Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und mehr”, sagt Studienautor Rutger S. Gunther vom Brooke Army Medical Center in Texas. „Daher ist das Verständnis, wie sich Cannabis und Medikamente zur Gewichtsreduktion auf die Darmmotilität, also die Bewegung der Nahrung durch den Köper, auswirkt, für Nuklearmediziner von entscheidender Bedeutung.“

USA als Referenz für Deutschland?

In den USA ist die Legalisierung von Cannabis schon viel weiter verbreitet und seit 2023 in mittlerweile 38 Staaten zur medizinischen, in 23 Staate auch zum Eigengebrauch erlaubt. Neun Staaten erlauben Cannabis mit niedrigem THC- und hohem CBD-Verhältnis.

Schon in der Vergangenheit wurde Cannabis mit einer verminderten gastrointestinalen Motilität in Verbindung gebracht, obwohl neuere Forschungen auf eine paradoxe klinische Verbesserung bei Gastroparese hindeuten. Eine Überprüfung der Literatur ergab begrenzte Hinweise darauf, dass Cannabinoide bei chronischen Konsumenten zu einer signifikanten Verzögerung der Magenentleerung führen.

Etwaige signifikante Verzögerungen würden sich wahrscheinlich auf Fälle beschränken, in denen die Einnahme erst kürzlich erfolgte, heißt es in der Studie. Daher sollte die Sozialanamnese auf alle Formen von Cannabinoiden überprüft werden, und den Patienten sollte geraten werden, die Einnahme von Cannabinoiden mindestens 6 Stunden vor einer Magenentleerungsuntersuchung zu vermeiden, um das geringe Risiko einer falsch-positiven Untersuchung zu vermeiden, schlussfolgern die Studienmacher. Die breite Palette von Produkten, die den Patienten zur Verfügung stehen, macht die Cannabisforschung zu einer großen Herausforderung, wenn es darum geht, die physiologischen Auswirkungen auf den Darm zu messen.

Abnehmmedikamente mit ähnlicher Wirkung

Auch die neuen GLP1-Rezeptor-Agonisten, besser bekannt als Abnehmspritze, würde die Magenentleerung verzögern und deshalb Gastroparese-Tests beeinträchtigen. Daher schlagen die Studienautoren vor, dass Patienten vor Beginn der Behandlung mit einem GLP-1-RA auf Symptome einer Gastroparese untersucht werden sollten. Wenn Symptome vorhanden sind, sollten die Ärzte einen Magenentleerungstest in Erwägung ziehen, um die verzögerte Magenentleerung vor der Behandlung zu dokumentieren. Treten während der Behandlung mit einem GLP-1 RA Symptome einer Gastroparese auf, sollte das Medikament abgesetzt werden, um zu sehen, ob die Symptome verschwinden. Wenn dies nicht der Fall ist, wird eine Untersuchung auf Gastroparese empfohlen, während der Patient das GLP-1 RA-Medikament abgesetzt hat.

„Ärzte, Gesundheitsdienstleister und medizinisches Personal, die Patienten betreuen, die Cannabis oder GLP-1 RA-Medikamente zur Gewichtsreduktion verwenden, sollten mit den gastrischen Nebenwirkungen dieser beliebten Therapeutika vertraut sein”, betont Gunther.

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