Bundesmodellprojekt: synthetische Opioide auch in Deutschland angekommen

by | Feb 15, 2024

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Sie sind billiger und einfacher zu produzieren. Deshalb sind illegal hergestellt synthetische Opioide weltweit auf dem Vormarsch – auch in Deutschland. Das Bundesmodellprojekt RaFT warnt: Menschenleben sind in Gefahr.

 

Es ist ein gefährlicher Trend, den das Bundesmodellprojekt RaFT der Deutschen Aidshilfe nun aufgedeckt hat: Illegal hergestellte synthetische Opioide als Zusatz in anderen Substanzen sind auf dem Vormarsch, weil sie billig und einfach zu produzieren sind. Fentanyl, Nitazene und andere solcher Substanzen wirken dabei sehr viel stärker als Heroin. Während bei Heroin 200 Milligramm tödlich wirken, sind es bei Fentanyl schon 2 Milligramm. Wenn Konsumierende nichts von der Beimengung wissen, sind sie daher in Lebensgefahr.

Auch in Deutschland wird Heroin bereits mit lebensbedrohlichen synthetischen Opioiden gestreckt. Im letzten Jahr wurden 3,6 Prozent von 1.401 untersuchten Heroinproben positiv auf die Beimengung getestet, wie das vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Bundesmodellprojekt heute bekanntgab. Dafür wurden über sechs Monate in 17 Drogenkonsumräumen bundesweit Schnelltests auf Fentanyl angeboten. RaFT (“Rapid Fentanyl Tests in Drogenkonsumräumen”) sollte dabei ermitteln, wie weit die gefährliche Beimengung in Deutschland bereits verbreitet ist, um entsprechend darauf reagieren zu können.

70 Prozent der Nutzer nahmen das Angebot an, ihre Substanzen untersuchen zu lassen. Für die Schnelltests genügen winzige Mengen der Substanz; sie können per Abstrich vom Verpackungsmaterial nachgewiesen werden. Konsumenten müssen nichts von der Substanz abgeben. Sie erhalten das Ergebnis vor dem Konsum, können also Risiken unmittelbar vermeiden. „RaFT hat wichtige Erkenntnisse geliefert, wie wir Leben und Gesundheit von Drogen konsumierenden Menschen besser schützen können. Die Situation für diese marginalisierte Gruppe verschärft sich immer mehr, auch durch ein vermehrtes Auftreten von Crack. Die Drogenpolitik muss dringend die Voraussetzungen für angepasste Hilfsangebote schaffen”, fordert Winfried Holz, Vorstand der Deutschen Aidshilfe.

Und auch die Projektleiterin Maria Kuban betont: „Das Bundesmodellprojekt spricht dafür, das Schnelltestangebot auszuweiten und flächendeckend zu implementieren: Testangebote auf Beimengungen eröffnen in der Drogenhilfe nicht zuletzt die Möglichkeit, eine Beratung zum Thema anzubieten, so dass die Konsumierenden auf Basis von Fakten eine Entscheidung treffen können. Risiken lassen sich so reduzieren.“

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