Brexitnachwehen führen zu Medikamentenknappheit

by | Apr 18, 2024

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Eine Studie des britischen Think-Tanks Nuffield Trust zeigt: Großbritannien und die Europäische Union haben immer häufiger mit Medikamentenengpässen zu kämpfen – eine Situation, die der Brexit deutlich verschärft hat.

 

Engpässen bei lebenswichtigen Medikamenten wie Antibiotika oder auch Epilepsie-Therapien werden sowohl in Großbritannien als auch in der Europäischen Union immer alltäglicher. Zu dieser Erkenntnis kommt der Think-Tank Nuffield Trust in seinem aktuellen Report „The Future of Health after Brexit“, der heute veröffentlicht wurde.

Mehrere Indikatoren zeigen, dass in den letzten zwei Jahren die Arzneimittelknappheit ständig zugenommen hat, so dass eine neue Normalität mit häufigen Unterbrechungen der Versorgung mit wichtigen Produkten eingetreten ist, die sich im Jahr 2023 sogar noch verschärft hat, attestieren die Macher. Dies habe zu einer erheblichen Belastung der Apotheker geführt und sich auf die den Patienten zur Verfügung stehenden Arzneimittel ausgewirkt. Der englische National Health Service (NHS) musste sogar die Arzneimittelpreise erhöhen, um die Versorgungsprobleme zu bewältigen, und zwar in einem erschreckenden Ausmaß: Die Mehrausgaben lagen in einem einzigen Jahr bei 220 Millionen Pfund.

Brexit hat die Situation verschärft

Zwar räumt man bei Nuffield ein, dass die Engpässe auch auf erhebliche Probleme auf dem globalen Arzneimittelmarkt zurückzuführen sind, allerdings habe der Brexit insofern zu den Schwierigkeiten beigetragen, indem er den Wert des britischen Pfunds gesenkt und das Vereinigte Königreich aus den EU-Lieferketten ausgeschlossen habe. Damit könne Großbritannien auch nicht von den EU-Reaktionen auf die Medikamentenknappheit profitieren – etwa dem gemeinsamen Einkauf oder die Rückführung der Produktion nach Europa.

Probleme würden sich aber auch bei der Zulassung neuer Medikamente zeigen. Von Dezember 2022 bis Dezember 2023 wurden lediglich vier Medikamente in Großbritannien schneller zugelassen als in der EU. Demgegenüber stehen 56 Medikamente, die langsamer, und acht Medikamente die im März 2024 noch gar nicht zugelassen wurden.

Aber auch bei Medizinprodukten könnte es auf der Insel eng werden, befürchten die Forscher, denn die CE-Kennzeichnung wird für Großbritannien nicht mehr anerkannt. Mit der Hürde der zusätzlichen UK Conformity Assessed (UKCA) Zeichnung könne man den Zugang zu wichtigen Produkten verlieren, heißt es.

Was die Autoren mit Blick auf die Arzneimittelversorgung, medizinisches Gerät aber auch auf die Migration von Pflegepersonal deshalb dringend empfehlen, sind klare Regelungen, die dazu beitragen, Unsicherheiten zu vermeiden.

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