BÄK-Präsident fordert Gesundheitsgipfel im Kanzleramt

by | May 7, 2024

Quelle: Bundesärztekammer

Anhoren

Teilen

 

In seiner Eröffnungsrede zum 128. Deutschen Ärztetag fordert Dr. Klaus Reinhardt einen ressortübergreifenden Ansatz. Der Bundesgesundheitsminister wirbt für Reformbereitschaft.

 

Es gibt einen Chemiegipfel, einen Autogipfel, aber keinen Gesundheitsgipfel. Für Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt völlig unverständlich. „Das Thema ‚Gesundheitsversorgung‘ scheint offensichtlich über viele Regierungen hinweg im Kanzleramt als Anti-Agenda-Thema disqualifiziert zu sein“, attestiert er in seiner heutigen Eröffnungsrede zum 128. Deutschen Ärztetag in Mainz.

Angesichts der doppelten demografischen Herausforderung – die Bevölkerung wird immer älter genau wie das Gros der Ärzteschaft – bestehe hier großer Handlungsbedarf. Schon heute sei fast jeder vierte berufstätige Arzt 60 Jahre oder älter. Gleichzeitig habe die Zahl der ambulant-ärztlichen Behandlungsfälle mit 729 Millionen 2022 ein neues Allzeithoch erreicht.

Dass Deutschland dringend medizinischen Nachwuchs braucht, steht damit außer Frage. Quoten und Zuteilung sind für Reinhardt jedoch der falsche Weg: „Wenn bestimmte Versorgungsbereiche derzeit nicht attraktiv genug sind, um genügend Nachwuchs anzuziehen, dann muss man diese Bereiche wieder attraktiver machen.

Es braucht den Dialog

Ein weiterer Appell ging in Richtung des Bundesgesundheitsministers und seiner „Radikalstrategie” in Sachen Umsetzung der Reformen. Ihm gab Reinhard den „kollegialen“ Hinweis: „Binden Sie bitte schon bei der Konzeption Ihrer Reformen frühzeitig diejenigen ein, die den Sachverstand aus der täglichen Arbeit in der Patientenversorgung mitbringen. Haben Sie den Mut, Erfahrungswissen in Lösungskompetenz umzusetzen!“

Lauterbach hat wiederum bei der Ärzteschaft in seiner Rede für Reformbereitschaft geworben. Das Gesundheitssystem befinde sich „in einer Zeitenwende“. Es gebe viele offene Baustellen. Die Mitarbeit der Ärzteschaft sei bei den Reformen deshalb unbedingt nötig. Lauterbach sprach sich für eine stärkere Spezialisierung von Kliniken aus, versprach Entbürokratisierung und Digitalisierung sowie eine Stärkung der medizinischen Forschung.

Auch  mehr Medizinstudienplätze waren Thema. Man habe versäumt, junge Ärzte auszubilden, weshalb in den kommenden zehn bis 15 Jahren rund 50.000 Ärzte fehlen würden. Im Gegenzug arbeiteten bereits 64.000 Mediziner in Deutschland, die nicht hier geboren seien und in ihren Ländern fehlten. “Das kann so nicht weitergehen.”

Reinhardt betonte in seiner Rede allerdings, dass gerade in Sachen Bürokratieabbau „in dieser Legislaturperiode noch nichts nennenswerte passiert“ sei: „Eher das Gegenteil trifft zu, wenn wir zum Beispiel an das sogenannte Krankenhaustransparenzgesetz denken. Hier wird weitere Bürokratie aufgebaut.“

Das könnte Sie auch interessieren

Klinik-Atlas: Kritik an Bürokratie

Vor allem von der Bundesärztekammer und der Deutschen Krankenhausgesellschaft kommt deutliche Kritik am heute vorgestellten Klinik-Atlas. Für Lauterbach ist er wichtiges Element einer Qualitätsoffensive. 

Vor allem von der Bundesärztekammer und der Deutschen Krankenhausgesellschaft kommt deutliche Kritik am heute vorgestellten Klinik-Atlas. Für Lauterbach ist er wichtiges Element einer Qualitätsoffensive. 

Ambulantisierung als Chance für Kliniken

Planungsunsicherheit für Kliniken ist weiterhin elementar – zahlreiche Gesetzesänderungen wurden durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) angekündigt. Eine Sache ist aber definitiv klar: Das Sozialgesetzbuch definiert in §39 SGB V „ambulant vor stationär.“ Seit Jahren ist dieser wichtige Aspekt bekannt und dennoch findet die Umsetzung in Kliniken nur wenig Begeisterung, attestiert Gastautor Arne Westphal.

Planungsunsicherheit für Kliniken ist weiterhin elementar – zahlreiche Gesetzesänderungen wurden durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) angekündigt. Eine Sache ist aber definitiv klar: Das Sozialgesetzbuch definiert in §39 SGB V „ambulant vor stationär.“ Seit Jahren ist dieser wichtige Aspekt bekannt und dennoch findet die Umsetzung in Kliniken nur wenig Begeisterung, attestiert Gastautor Arne Westphal.